Drei Spieltage sind in der Bundesliga gerade einmal gespielt und schon befinden sich die Vereine in der zweiten Länderspielpause. Nur, dass der Begriff "Pause" einen völlig falschen Eindruck vermittelt.
Drei Spiele stehen in diesen Tagen für viele Nationalspieler auf dem Programm. Dazu kommen Trainingseinheiten und die Reisen zu den Spielorten. Am Beispiel der deutschen Mannschaft verdeutlicht heißt das für die Profis: Anreise vom Verein nach Köln, erstes Spiel gegen die Türkei, Flug in die Ukraine zum Nations-League-Spiel, Rückreise nach Köln und zweites Nations-League-Spiel gegen die Schweiz. Danach wieder zurück zum Verein. Das alles binnen neun Tagen.
Es ist ein Mammut-Programm eingebettet in den ohnehin schon vollgepackten Terminkalender, der durch die Corona-Pandemie noch straffer gespannt ist. Nicht zuletzt Superstar Kevin De Bruyne von Manchester City prangerte diese Überlastung der Spieler an: "Ich mache mir langsam Sorgen", sagte der Belgier auf einer Pressekonferenz vor dem Nations-League-Spiel gegen England (1:2) und ergänzte: "Wenn das bis zum Saisonende so weiter geht, werde ich zwei Jahre ohne richtige Pause durchgespielt haben."
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Kevin De Bruyne schlägt Alarm

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Deshalb befürchte De Bruyne eine "Verletzungswelle" und forderte längere Regenerationspausen zwischen den Spielen: "Das ist mental sehr wichtig. Der Körper braucht Ruhe. Aber niemand hört auf die Spieler." Auch Manuel Neuer bemerkte vor dem Ukraine-Spiel in der Nations League, dass es schön wäre, "mal eine Auszeit zu haben, aber die können wir uns nicht nehmen."
Abgesehen davon, ob man die Einführung der UEFA Nations League für sinnhaft erachtet, ist die Kritik vor allem aus dem Grund berechtigt, dass mit dem Spiel gegen die Türkei zusätzlich noch ein Freundschaftsspiel ausgetragen wurde.

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Bayern-Boss Rummenigge schimpft über Türkei-Freundschaftsspiel

Eine Tatsache, die Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge im Interview mit der "Bild am Sonntag" auf die Palme brachte: "Im Moment überwiegen beim DFB Interessen abseits des Fußballs. Der arme Jogi Löw, der jetzt von allen Seiten kritisiert wird, musste ein Freundschaftsspiel gegen die Türkei bestreiten, damit Geld in die Kassen kommt", ärgerte sich Rummenigge und führte aus: "Angeblich fehlen 15 Millionen Euro. Was sind 15 Millionen im Vergleich zu dem, was die Bundesliga-Klubs verlieren?"
Der Bayern-Boss nannte eine Summe von 50 bis 200 Millionen Euro, die jedem Profiklub in Europa durch das Ausbleiben der Zuschauer entgehe. Ein erneuter Saisonabbruch wäre fatal, erklärte der 65-Jährige: "Das würden mehrere Bundesligisten nicht überleben. Mehrere! Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bundesliga in der jetzigen Form dann noch in der Zukunft weiterbestehen könnte."

Steuerskandal beim DFB

Zu diesem Interessenskonflikt gesellt sich nun auch noch ein Steuer-Skandal beim DFB. Angeblich sollen Einnahmen aus der Bandenwerbung falsch deklariert worden sein, wodurch 4,7 Millionen Euro an Steuern umgangen wurden. Rummenigge sieht in diesem Zusammenhang einen generellen Wandel beim DFB: "Es wurde versucht, diesen großen Erfolg [WM-Gewinn 2014; Anm. d. Red.] finanziell auszunutzen. Mit großen neuen Sponsoring-Verträgen und vielem mehr. Ich weiß von unseren Spielern, dass es bei jedem Länderspiel vermehrt Sponsoring-Termine gab."
Das alles führt dazu, dass die Vereine derzeit ihre Spieler nur ungern für die Länderspiele abstellen, von denen viele ausgelaugt oder im schlimmsten Fall verletzt zurückkehren – siehe Bayer Leverkusens Neuzugang Santiago Arias. Neben der Überlastung fehlt den Vereinen während der Länderspielpause aber auch die Möglichkeit, sich weiter einzuspielen, was gerade angesichts der verkürzten Vorbereitung wichtig gewesen wäre. Viele der Top-Klubs haben über die Länderspielpause nur einen Rumpfkader vornehmlich aus Nachwuchsspielern beisammen. Und das wiederum kann sich auch sportlich auswirken.

Bayern, Liverpool und Co.: Top-Klubs überraschen mit deutlichen Niederlagen

Zum ersten Mal seit Jahren scheint die Dominanz der großen Vereine nicht so gravierend auszufallen. Der FC Bayern kassierte in Spiel zwei der Bundesliga eine krachende 1:4-Niederlage in Hoffenheim und mühte sich am dritten Spieltag zu einem glücklichen Last-Minute-Sieg gegen Hertha BSC. Aber auch im Rest von Europa bietet sich ein ähnliches Bild. Liverpool verlor 2:7 gegen Aston Villa, Manchester United 1:6 gegen Tottenham und Manchester City 2:5 gegen Leicester City. Paris Saint-Germain startete mit zwei Niederlagen in die neue Saison. Außer in Spanien steht derzeit in keiner der Top-5-Ligen der amtierende Meister an der Tabellenspitze, auch wenn dies natürlich nur eine Momentaufnahme ist. Dennoch entsteht der Eindruck, dass Top-Teams in diesem Jahr häufiger Tage erwischen, an denen wenig bei ihnen zusammenläuft.
Dass die Liga enger gestaltet wird, mag vielleicht aus Gründen der Spannung wünschenswert sein. Dass dies aufgrund der Überlastung der Spieler geschieht, darf aber nicht sein. Doch wie de Bruyne schon anmerkte: "Niemand hört auf die Spieler."
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