WM 2022 - Drei Dinge, die bei Brasilien gegen Kroatien auffielen: Ein Neymar-Geniestreich reicht nicht aus

Der brasilianische Traum vom sechsten WM-Titel ist geplatzt. Die Selecao verlor im Viertelfinale bei der WM 2022 in Katar im Elfmeterschießen 2:4 (1:1, 0:0) gegen Kroatien. Neymar vergoss nach der Begegnung im Education City Stadium bittere Tränen. Nur ein einziges Mal ließ der enttäuschende PSG-Star am Freitagabend seine Klasse aufblitzen. Drei Dinge, die bei Brasiliens WM-Aus in Katar auffielen.

Silva zum WM-Aus: "Normalerweise wäre uns das nicht passiert"

Quelle: MagentaTV

Neymar schlich über den Rasen im Education City Stadium und weinte nach dem Viertelfinalaus gegen Kroatien bittere Tränen. Durch ein 2:4 (1:1, 0:0) im Elfmeterschießen gegen den Vizeweltmeister platzte der Traum vom sechsten WM-Titel.
Der 30-Jährige selbst sorgte in der Verlängerung zwar für die Führung (105.+1), tauchte am Freitagabend über weite Strecken allerdings ab.
Stattdessen rückte Kroatiens Dominik Livaković einmal mehr ins Rampenlicht und führte seine Mannschaft zur zweiten WM-Halbfinalteilnahme in Serie.
Drei Dinge, die beim WM-Aus der brasilianischen Nationalmannschaft auffielen:

1. Ein Neymar-Geniestreich reicht nicht aus

Die brasilianische Erleichterung war groß, als Neymar im Achtelfinale gegen Südkorea (4:1) nach seiner Bänderverletzung am rechten Sprunggelenk wieder auf dem Feld stand. Mit dem 30-Jährigen kehrte der Samba in die Selecao zurück. Neymar zauberte, traf, lachte und tanzte.
Doch am Freitagabend im Education City Stadium war von der südamerikanischen Leichtigkeit kaum mehr etwas zu sehen. In der ersten Halbzeit tauchte Neymar vollständig ab, die Mittelfeldachse der Kroaten aus Luka Modric, Matteo Kovacic und dem aggressiven Marcelo Brozovic nahm den Superstar der Selecao vollkommen aus dem Spiel – und ihm damit merklich die Lust.
Zunehmend trottete der Zehner in einer statischen und einfallslosen Selecao nur über das Feld, vernachlässigte seine Defensivaufgaben vollkommen und erlaubte dem kroatischen Trio im Zentrum somit nahezu durchgehend Überzahlsituationen.
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Naldo analysiert: "Brasilien hat nach 1:0 den Faden verloren"

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Auch offensiv blieb der Brasiliener unsichtbar, hatte nach 45 Minuten die drittwenigsten Ballkontakte (28) aller Südamerikaner, davon nur einen einzigen im Sechzehner der Kroaten. "In der ersten Halbzeit war Neymar nicht im Spiel", analyiserte der ehemalige brasilianische Nationalspieler Naldo bei "MagentaTV".
Über 120 Minuten verlor kein Spieler so viele Bälle wie Neymar (26), der nur ein Drittel seiner Zweikämpfe gewann und lediglich 30 Prozent erfolgreiche Dribblings verzeichnete.
Erst in der Verlängerung ließ Neymar seine herausragende Qualität aufblitzen: Nach einem herrlichen doppelten Doppelpass mit Rodrygo und Lucas Paquetá umkurvte er den Schlussmann und schoss zum vermeintlichen Siegtreffer (105.+1) ein – ein Geniestreich! Mit seinem 77. Tor für die Selecao schloss er zu Rekordhalter und Legende Péle auf.
Doch die Freude über seinen einzigen Glanzmoment des Abends währte nur kurz. Den Ausgleichstreffer von Bruno Petkovic (117.) beobachtete Neymar aus der Ferne, weil er nach dem Ballverlust der Brasilianer nur hinterhertrottete, anstatt seine Defensive zu unterstützen.
Im Elfmeterschießen konnte er dann nur noch zuschauen, wie sich der brasilianische Traum erneut in Luft auflöste.
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Brasilien ist im Viertelfinale an Kroatien gescheitert

Fotocredit: Getty Images

2. Livakovic wird erneut zum Helden

Schon gegen Japan (4:2 n.E.) war Dominik Livaković der Mann des Abends. Mit drei gehaltenen Strafstößen führte der Torhüter von Dinamo Zagreb seine Kroaten ins Viertelfinale gegen Brasilien.
Doch damit nicht genug: Auch in Al-Rayyan brachte er die aufkommende Offensive der Südamerikaner allen voran in der zweiten Halbzeit ein ums andere Mal zur Verzweiflung.
Mit einer überragenden Fußabwehr verhinderte er kurz nach dem Seitenwechsel das Eigentor von Josko Gvardiol (47.) Zwei Mal verkürzte der Mann von Dinamo Zagreb den Winkel gegen Neymar (55./76.) herausragend und rettete gegen den PSG-Star, auch im Eins-gegen-eins mit Paquetá (66.) machte sich der 27-Jährige breit und bewahrte die Kroaten vor dem Rückstand.
"Brasilien hatte natürlich Chancen, aber unser Torwart war gut dabei", lobte Co-Trainer Ivica Olic nach dem Spiel bei "MagentaTV".
Elf Torschüsse wehrte der Keeper am Freitagabend ab. Nie zuvor hatte ein kroatischer Schlussmann in einem WM-Spiel so viele Bälle gehalten. Doch Livaković ließ noch einen weiteren Rekord folgen. Im Elfmeterschießen parierte der 27-Jährige direkt den ersten Elfmeter von Rodrygo und brachte Kroatien damit auf die Siegerstraße.
Nach seinen drei Paraden gegen Japan also sein vierter gehaltener Elfmeter bei dieser Weltmeisterschaft: Die Egalisierung einer historischen Bestmarke.

3. Brasiliens Europa-Fluch setzt sich fort

2006 verloren Ronaldinho und Co. im Viertelfinale gegen Frankreich (0:1). Vier Jahre später scheiterte die Elf vom Zuckerhut an der Niederlande (1:2), ehe die deutsche Nationalmannschaft ihr bei der Heim-WM 2014 mit einem 1:7 die größte Blamage der CBF-Historie zufügte. In Russland schied die Selecao vor vier Jahren dann gegen Belgien (1:2) aus.
Seit 20 Jahren konnte Brasilien kein einziges K.o.-Spiel gegen eine europäische Nation gewinnen.
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Silva zum WM-Aus: "Normalerweise wäre uns das nicht passiert"

Quelle: MagentaTV

Gegen die Mannschaft von Zlatko Dalic platzte der Traum vom sechsten WM-Titel nun also erneut. "Wir haben keine Worte. Wir versuchen, uns gegenseitig zu trösten. Wenn man etwas unbedingt erreichen möchte, tut es sehr weh", sagte ein niedergeschlagener Thiago Silva nach dem Aus. "Wir müssen den Kopf nach oben nehmen und nach vorne schauen", so der 37 Jahre alte Kapitän.
Doch die nächste Chance auf ein Ende des Fluchs bietet sich der Selecao frühestens in vier Jahren.
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Olic feiert Kroatiens Sieg gegen Brasilien: "Einfach unglaublich"

Quelle: MagentaTV

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