WM 2022 - Drei Dinge, die bei Frankreich gegen Australien auffielen: Oliver Giroud zieht mit Thierry Henry gleich
Frankreich gewinnt seinen Auftakt in Gruppe D der WM 2022 nach Stotterstart souverän 4:1 (2:1) gegen Australien. Neben Kylian Mbappé und Adrien Rabiot sticht Olivier Giroud bei der Équipe Tricolore hervor. In der Abwehr wird der Bayern-Riegel durch die Verletzung von Lucas Hernández früh gesprengt. Australien präsentiert sich derweil als krasser Außenseiter. Drei Dinge, die auffielen.
Olivier Giroud jubelt mit seinen Teamkollegen - Frankreich vs. Australien
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Oliver Giroud schnaufte ausgewechselt auf der Bank erleichtert durch, Kylian Mbappé klatschte cool mit den Kollegen ab - Titelverteidiger Frankreich ist nach einem Stotterstart gut in die WM 2022 gekommen.
Beim 4:1 (2:1) gegen Australien in Gruppe D hielt der Außenseiter von down under nur etwa eine halbe Stunde samt Führungstor gut mit, dann setzte sich die Équipe Tricolore auch in der Höhe verdient durch. 1591 Tage nach dem WM-Finale 2018 (4:2 gegen Kroatien) zeigte sich Frankreich vom Fluch der Titelverteidiger nicht sonderlich beeindruckt.
"Das Auftaktspiel ist immer sehr wichtig und zugleich schwierig. Wir haben gut geantwortet auf den Rückstand, die Mannschaftsleistung war sehr gut", freute sich Trainer Didier Deschamps.
Drei Dinge, die uns beim Spiel vor 40.875 Zuschauern im Al Janoub Stadion von Al-Wakrah auffielen.
1.) Bayern-Riegel früh gesprengt
Da Raphaël Varane nicht rechtzeitig spielfit wurde, machte es sich Frankreich-Trainer Deschamps die Sache in der Abwehr leicht: Mit Benjamin Pavard, Dayot Upamecano und Lucas Hernández stellte er einfach drei Spieler des FC Bayern München auf, dazu den Ex-Partner von Upamecano aus Leipziger Tagen, den jetzigen Liverpooler Ibrahima Konaté.
Die Außenverteidiger Hernández und Pavard gaben beim 0:1 durch Craig Goodwin allerdings keine gute Figur ab (9.).
Bei Hernández passte zunächst die Positionierung gegen den langen Ball auf Mathew Leckie nicht, was zu einem verhängnisvollen Laufduell führte, bei dem der Bayern-Linksverteidiger im Rasen hängen blieb und sich am rechten Knie verletzte - ihm droht das WM-Aus.
Pavard hingegen lief nicht mit Goodwin mit, sondern orientierte sich fatalerweise nach innen auf den weiter vom eigenen Tor weg stehenden Riley McGree - so hatte der Torschütze freie Bahn.
Durch die Lucas-Verletzung war der Bayern-Riegel früh gesprengt. Sein für ihn eingewechselter Bruder Theo Hernández vom AC Mailand führte sich jedoch gleich gut ein und schlug die Flanke zum Ausgleich auf Adrien Rabiot (27.).
Ob die Kette der Équipe Tricolore im kommenden Spiel gegen Dänemark (Sa., 17:00 Uhr im Liveticker) wieder so aussehen wird, bleibt abzuwarten. Mit ManUtd-Profi Varane, Chelseas 80-Millionen-Mann Wesley Fofana und Arsenals William Saliba hat Deschamps auch ohne den verletzten Weltmeister Presnel Kimpembé starke Alternativen in der Innenverteidigung zur Hand; rechts hinten bietet sich zudem auch noch Barcelonas Jules Koundé als Pavard-Ersatz an.
Erst einmal galten Deschamps Gedanken aber Lucas Hernández. "Er wird morgen noch eingehender untersucht, aber es sieht ziemlich schlecht aus. Das ist unser größtes Problem heute", sagte der Coach. "Wir denken an Lucas und wünschen ihm alles Gute. Ihm widmen wir dieses Spiel", meinte dagegen Giroud.
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Lucas Hernández (Frankreich) liegt verletzt am Boden
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2.) Rabiot und Giroud nutzen ihre Chance
Kein Paul Pogba, kein N'Golo Kanté - über das dezimierte französische Mittelfeld ist vor der WM viel geredet worden. Gegen Australien setzte Trainer Didier Deschamps auf ein Dreieck bestehend aus Aurélien Tchouaméni, Adrien Rabiot und Antoine Griezmann, Letzterer lief ungewohnt als halbrechter Achter, aber mit vielen Freiheiten, auf.
Vor allem Rabiot nutzte den Vorzug vor Real-Youngster Eduardo Camavinga, in dem er gleich in der ersten Halbzeit auf sich aufmerksam machte.
Erst köpfte er die Equipe mit dem 1:1 auf Flanke von Theo Hernández ins Spiel zurück (27.), kurz darauf war er auch der Initiator des 2:1, in dem er seinem Gegner den Ball abluchste und nach Doppelpass mit Kylian Mbappé auf den Torschützen Olivier Giroud legte (32.).
Apropos Giroud: Der Milan-Angreifer wurde ja erst durch das WM-Aus von Karim Benzema in die Startelf gespült, machte seine Sache aber außerordentlich gut. Der für seine Körpergröße (1,93 Meter) und sein Alter (36) immer noch erstaunlich bewegliche Mittelstürmer war stets anspielbar, harmonierte gut mit Flügelflitzer Mbappé und erzielte zwei blitzsaubere Tore (32./71.) - mit nunmehr 51 Treffern in 115 Spielen im Nationaltrikot schloss er zum Rekordhalter Thierry Henry auf.
"Der Auftakt war nicht so gut, das ist noch Luft nach oben, wir müssen früher wach sein", meinte der Doppeltorschütze: "Mit dem Ergebnis können wir aber zufrieden sein. Wir waren effizient. Das ist gut für die Moral im Team."
3.) Australien sparrt nur 30 Minuten
Die Socceroos galten gegen Frankreich freilich als großer Down-Underdog. Umso erstaunlicher war es, dass die Grün-Gelben nach dem Führungstor von Goodwin tatsächlich kurzzeitig von der Sensation träumen dürfen. Ein ähnliches Husarenstück wie Saudi-Arabien gegen Argentinien, war das möglich?
Nein, dafür rückte Frankreich die Verhältnisse schon während der ersten Halbzeit binnen fünf Minuten gerade. Insgesamt präsentierte sich Australien in allen Mannschaftsteilen den Franzosen unterlegen.
In der Abwehr zu steif und erstaunlich anfällig bei hohen Bällen, im zentralen Mittelfeld wenig ballversiert und selten aggressiv im Zweikampf und offensiv vor allem durchs Zentrum nicht gewitzt genug, um den Weltmeister über 90 Minuten ernsthaft herauszufordern. Vor allem Mbappé konnte selbst mit angezogener Handbremse erstaunlich frei walten.
"Die Energie war da, die Konzentration da, aber wir sind an unsere Grenzen gestoßen und wurden hart bestraft", meinte Ex-Bundesliga-Profi Mathew Leckie: "Wir wollten kompakt stehen und die Mitte verteidigen - dann haben sie uns über die Flügel mit Flanken geknackt."
"Die Qualität der Franzosen hat den Unterschied gemacht", meinte Trainer Graham Arnold: "Wir haben gut begonnen, aber insgesamt waren sie schneller, stärker und größer als wir. Die Jungs haben alles gegeben, ich kann ihnen nichts vorwerfen."
Ein Kopfball von St.-Pauli-Kapitän Jackson Irvine, der den Außenpfosten küsste, war kurz vor der Halbzeit (45.+2) das letzte offensive Lebenszeichen der Socceroos, die sich, das nur zur Einordnung, in der Asien-Qualifikation hinter Japan und Saudi-Arabien hatten einreihen müssen und nur nach Playoff-Siegen über die Vereinten Arabischen Emirate (2:1) und Peru (5:4 n.E.) zur WM durften.
In dieser Form ist das Team von Graham Arnold gegen Tunesien (Sa., 11:00 Uhr im Liveticker) und Dänemark (Mi., 16:00 Uhr im Liveticker) nur Außenseiter - und weit entfernt vom anvisierten Ziel Achtelfinale. "Es gibt noch sechs Punkte zu holen. Wir geben noch nicht auf", meinte Leckie allerdings tapfer.
Und Arnold sagte: "Dieses Spiel ist verloren, aber es ist gut, dass Dänemark und Tunesien unentschieden gespielt haben. In der Gruppe ist noch alles möglich."
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Quelle: SID
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