WM 2022: Lionel Messi menschelt in Katar - genau das macht Argentinien so stark
Nur noch zwei Schritte ist Lionel Messi von der ultimativen Krönung seiner beispiellosen Karriere entfernt. Ganz Argentinien hofft am Dienstag im WM-Halbfinale in Katar gegen Kroatien auf die nächste Gala des Superstars (20:00 Uhr im Liveticker). Allerdings ist Messi längst nicht mehr Alleinunterhalter bei der Albiceleste. Der 35-Jährige glänzt in neuer Rolle und scheut dabei keine Konfrontation.
Messi vs. Modric: Duell der Superstars im WM-Halbfinale
Quelle: Perform
Kaum eine Szene verdeutlicht besser, welchen Heldenstatus Lionel Messi in der argentinischen Nationalmannschaft besitzt, als jene in der neunten Minute im ersten WM-Gruppenspiel gegen Saudi-Arabien (1:2).
Während rund ein Dutzend Spieler beider Teams lebhaft über den Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Slavko Vincic zugunsten der Albiceleste diskutierten, schnappte sich Lautaro Martínez den Ball. Nicht etwa, um im Anschluss den Strafstoß selbst auszuführen, sondern einzig, um ihn für Messi zu schützen, damit sich dieser voll und ganz auf die Ausführung konzentrieren kann.
Mit Erfolg: Der Superstar verwandelte sicher und ließ die frenetischen Fans aus Argentinien zum ersten Mal bei der WM-Endrunde jubeln.
Auch wenn dies letztlich nichts an der überraschenden 1:2-Auftaktpleite änderte, zeigt es dennoch, wie sehr sich Messis Teamkollegen für ihren Kapitän einspannen.
Der Superstar wiederum zahlt dies in Katar mit Leistung zurück.
Messi: Tage als Alleinunterhalter sind vorbei
Dank eines dramatischen Viertelfinalerfolgs gegen die Niederlande (6:5 n.E.) steht Argentinien erstmals seit 2014 und zum sechsten Mal insgesamt in einem WM-Halbfinale. Einer der Sieggaranten gegen die Elftal war wieder einmal Messi, der einen Treffer (sein insgesamt viertes Turniertor) und eine Vorlage beisteuerte sowie seinen Strafstoß im Elfmeterschießen verwandelte.
Anders als bei vergangenen großen Turnieren, als der Superstar in der Offensive nahezu den Alleinunterhalter geben musste, erhält er in diesem Jahr tatkräftigen Beistand von seinen Teamkollegen. "Das Konstrukt um Messi herum passt. Jeder arbeitet für ihn, um ihm Raum für geniale Momente zu ermöglichen. Das war nicht immer so und kann jetzt der entscheidende Faktor auf dem Weg ins Finale werden", bilanzierte Holger Badstuber exklusiv bei Eurosport.de.
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Lionel Messi (l.) jubelt mit Leandro Paredes - WM 2022
Fotocredit: Getty Images
Keine Frage, sobald Argentinien den Ball hat, ist Messi nach wie vor der Fixpunkt und erste Zielspieler, aber eben nicht das alleinige Allheilmittel. "Er hat Unterstützung von der Mannschaft", betonte Nationaltrainer Lionel Scaloni. Argentinien habe "gute Spieler - darüber hinaus haben wir Leo".
Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Messi alleine nicht reicht, um die Gauchos zum dritten WM-Titel zu führen. Vielmehr ist die gesamte Mannschaft gefordert, ihn in der Offensive bestmöglich in gefährlichen Räumen in Szene zu setzen. Genau dies gelingt dem amtierenden Copa-América-Sieger bislang erstaunlich gut.
Messi profitiert von Bodyguard De Paul
Ein Sonderlob verdient sich in diesem Zusammenhang Messis persönlicher Bodyguard auf der Sechs, Rodrigo De Paul. Der 28-Jährige kreist in Katar einem Satellit gleich um den sechsmaligen Weltfußballer und räumt ihm den Weg für seine genialen Momente frei. "Ich fühle mich sehr gut, wenn wir zusammen spielen. Deshalb suchen wir uns immer auf dem Platz, sind nahe beieinander", schwärmte Messi von seinem nimmermüden Edelhelfer.
Die Tatsache, dass De Paul alleine in der Gruppenphase fast doppelt so viel wie sein Kapitän gerannt ist, stört den Mann von Atlético Madrid dabei nicht im Geringsten. Zu seiner Jobbeschreibung gehöre es dazu, "dass ich versuche, ihn weniger laufen zu lassen", so De Paul.
Messi ist damit einer der wenigen Spieler dieser WM - Kylian Mbappé, Neymar und Robert Lewandowski sind an dieser Stelle noch zu nennen - die das Privileg haben, im Spiel gegen den Ball kaum mitmachen zu müssen.
Louis van Gaal wollte darin jedoch genau darin die Schwachstelle der Albiceleste erkannt haben. "Natürlich ist Messi ihr gefährlichster und kreativster Spieler. Auf der anderen Seite beteiligt er sich nicht viel am Spiel, wenn der Gegner in Ballbesitz ist. Darin liegt unsere Chance", sagte der 71-Jährige dem TV-Sender "NOS". Mit dem Halbfinal-Einzug wurde es dennoch nichts.
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Lionel Messi (l.) und Rodrigo de Paul bei der WM in Katar
Fotocredit: Getty Images
Messi holt zum Rundumschlag aus
Aussagen wie diese von van Gaal führten jedoch dazu, dass das ohnehin brisante Duell zwischen Argentinien und den Niederlanden noch zusätzlich Fahrt aufnahm. Entsprechend emotional reagierte Messi nach dem Drama im Lusail-Stadion.
Egal ob Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz ("Er ist nicht auf der Höhe"), Oranje-Angreifer Wout Weghorst ("Was guckst du so, Dummkopf?") oder van Gaal ("Er verkauft es so, dass sie gut Fußball spielen, und dann schlagen sie nur die Bälle") - sie alle bekamen nach Abpfiff ihr Fett weg.
Anders als auf dem Platz schickte Messi keinen Bodyguard für die vermeintliche Drecksarbeit vor, sondern machte sich selbst die Hände schmutzig und stellte sich in den Dienst der Mannschaft. Auch wenn jene Äußerungen nicht überall gut ankamen, machen sie den "Außerirdischen" doch ein Stück weit nahbar.
"Es zeigt nur noch deutlicher, wie sehr es in ihm arbeitet, wie sehr er diesen WM-Pokal bei seinem letzten Versuch will. Das strahlt er mit jeder Pore aus", meint Badstuber.
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"Dem Ganzen nicht gewachsen": Messi kritisiert Schiedsrichter scharf
Quelle: MagentaTV
Argentiniens perfekte Symbiose
Wenn Messi noch etwas gefehlt hat, dann war es die unzerstörbare Symbiose mit der argentinischen Nationalmannschaft und deren Fangemeinde. Diese hat er nun bei seinem finalen WM-Turnier zweifellos erreicht.
"Er hat bewiesen, dass er seiner Rolle gerecht wird und da ist, wenn es darauf ankommt", sagte WM-Expertin Navina Omilade im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de. "Messi ist reif für den Titel", ergänzte Badstuber.
Die letzte Hürde auf dem Weg ins große WM-Finale ist am Dienstag Kroatien (20:00 Uhr im Liveticker). Der zweimalige Titelträger sollte gewarnt sein, immerhin schaltete das defensivstarke Team von Trainer Zlatko Dalic Argentiniens Erzrivalen Brasilien im Viertelfinale aus.
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Kroatiens Halbfinal-Plan: Wollen Argentinien stoppen, nicht Messi
Quelle: Perform
"Es wird ein schwieriges Spiel gegen eine große Mannschaft", prognostizierte Scaloni. Sein Schützling Nicolás Tagliafico dagegen baute auf den Superstar-Faktor: "Wir wissen immer, dass wir Messi haben. Das ist eine große Hilfe."
Ganz nach dem Credo: Messi trägt Argentinien, aber Argentinien trägt auch Messi.
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WM-Drama gegen Argentinien - so reagiert Oranje-Knipser Weghorst
Quelle: MagentaTV
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