WM 2026: Julian Nagelsmann ist gescheitert und nicht mehr tragbar – die vielen Fehler des jungen Bundestrainers
Update 01/07/2026 um 12:25 GMT+2 Uhr
Nach dem peinlichen Aus bei der Weltmeisterschaft im Elfmeterschießen gegen Paraguay dürften die Tage von Bundestrainer Julian Nagelsmann gezählt sein. Noch klammert dieser sich an sein Amt, sagte: "Ich bin keiner, der wegläuft." Nun müssen die DFB-Bosse Jürgen Klopp – seit langem Schattenbundestrainer und nun der auserkorene Heilsbringer – überzeugen, als Nachfolger anzufangen.
Nagelsmann: "Wenn der DFB will, mache ich weiter"
Quelle: Perform
Tja, wer sagt's ihm? Es müsste jemand tun. Denn von sich aus, das wurde in den Stunden nach dem blamablen WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft im Elfmeterschießen gegen Außenseiter Paraguay klar – von sich aus tritt Julian Nagelsmann vorerst nicht von seinem Amt zurück.
Doch nach diesem Scheitern sollte, ja müsste jemand aus der DFB-Führungsspitze dem 38-Jährigen einen Gefallen tun und ihm nahelegen: Es wäre besser! Oder ihn trotz des bis 2028 bestehenden Vertrages entlassen.
Nagelsmann ist als Bundestrainer gescheitert. Auch nicht mehr tragbar. Sogar nicht mehr ertragbar?
Die Spieler wie Kapitän Joshua Kimmich, Antonio Rüdiger, Jonathan Tah und selbst der selten eingesetzte Ergänzungsspieler Nadiem Amiri akzeptierten die Niederlagen, sprachen dem Gegner ihre Anerkennung mit überlegten, klaren und selbstkritischen Worten aus. Noch wichtiger: Sie hinterfragten ihre eigene Leistung.
Vollwitz? Vollskandal? Eine Vollblamage
Anders Nagelsmann. Selbst auf der Pressekonferenz, die meist rund eine Stunde nach Abpfiff – also dann, wenn die Emotionen etwas abgekühlt sein sollten - stattfindet, konnte er sich nach der spielerischen Analyse des Super-GAUs ("Es war zu wenig. Unser Spielvortrag war super langsam. Wir haben für die Pässe zu lange gebraucht. Nach dem Gegentor waren wir verunsichert") nicht zurückhalten.

Jonathan Tah durfte jubeln – bis der VAR den Treffer einkassierte
Fotocredit: Getty Images
Über die Szene, in der ein Kopfballtreffer von Jonathan Tah beim Stand von 1:1 in der Verlängerung nach VAR-Überprüfung wegen eines (angeblichen) Stürmerfouls von Waldemar Anton am Torwart Paraguays einkassiert wurde, sagte Nagelsmann: "Zur Wahrheit gehört aber auch, dass das zweite Tor ein reguläres Tor war. Ein Vollwitz, dass das abgepfiffen wird."
Zuvor hatte er im Fernsehen anhand der TV-Bilder gewütet: "Das ist ein Skandal, dass er das zurückpfeift. Es ist ein Vollskandal." Vollwitz. Vollskandal. So Nagelsmanns Worte.
Nagelsmann mit einer Hybris wie einst der Kaiser
Für die Vollblamage bei dieser WM ist der 38-Jährige hauptverantwortlich. Wenn der Weg das Ziel ist, dann strauchelte Nagelsmann seit seinem Amtsantritt im Oktober 2023 unterwegs mehrmals.
Vor und dank des Erreichens des Viertelfinals bei der Heim-EM 2024 war es ihm gelungen, als "Emotional Leader" die Fans im Lande wieder hinter die Mannschaft zu bringen und eine Euphorie zu entfachen, die durch das dramatische Aus in der Verlängerung gegen Spanien (1:2) ein jähes Ende erfuhr.
Direkt danach beging Nagelsmann, in der ersten – verständlichen – Wut und aus – unverständlichem – Trotz heraus einen großen Fehler.
"Es tut weh, dass man zwei Jahre warten muss, bis man Weltmeister wird", sagte er damals in Stuttgart großkotzig und freute sich über die offenen Münder der anwesenden Journalisten.
Wenigstens steht er mit dieser Aussage angesichts der Blamage von Boston nun in einer Reihe mit dem Kaiser, mit Franz Beckenbauer.
Der hatte im Überschwang des Glücks – teils verständlich - den Fehler begangen, nach dem WM-Triumph von Rom 1990 anzukündigen, dass die deutsche Mannschaft dank der nach der Wiedervereinigung hinzukommenden Spieler aus der DDR "auf Jahre hinaus nicht zu besiegen sein wird. Das tut mir leid für den Rest der Welt."
Eine grobe Fehleinschätzung - mit dem feinen Unterschied, dass Beckenbauer den Nachweis damals nicht selber erbringen musste. Er erwies damit seinem Nachfolger, Berti Vogts, einen Bärendienst.
Den gleichen Fehler nicht zweimal machen
Beim Interview nach dem Spiel gegen Paraguay wollte Moderator Johannes B. Kerner bei "MagentaTV" dem gerade ausgeschiedenen Nagelsmann etwas Gutes tun und sagte: "Berti Vogts ist nach dem WM-Aus 1994 in den USA zwei Jahre später Europameister geworden."
Darauf antwortete Nagelsmann: "Da sage ich mal nix zu. Sonst habe ich wieder Stress." In dem Moment konnte er sich noch bremsen.
Wie beim Vorrunden-Aus bei der WM 2018 in Russland und 2022 in Katar verpasste die deutsche Nationalmannschaft beim XXL-Turnier mit erstmals 48 Mannschaften in Nordamerika zum dritten Mal nacheinander die Runde der besten 16 Teams. Ein ganz trauriges Triple.
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Kimmich deutlich: "Dürfen nicht von Glück abhängig sein"
Quelle: Perform
"Wir haben seit zwölf Jahren nichts gerissen"
Auf die Auswirkungen dieser Pleite in der Pressekonferenz angesprochen, holte Nagelsmann aus, sagte ausweichend, weil auf die Zeit vor seiner Zeit verweisend: ”Wir haben seit zwölf Jahren gar nichts gerissen. Wenn du in der ersten K.o.-Runde ausscheidest, ist das deutlich zu wenig für den deutschen Fußball. Es wäre vermessen zu sagen, wir gehören noch zur Weltspitze. Das tun wir nicht. Wir sind gebrandmarkt von den Turnieren zuvor und haben nicht vor Selbstvertrauen gestrotzt.”
Was zu erkennen war. Ein nettes 7:1-Schützenfest mit ein paar feinen Toren gegen WM-Neuling Curacao von der Karibik-Insel mit knapp 160.000 Einwohner.
Darauf folgte ein enges Duell mit der Elfenbeinküste, das Joker Deniz Undav mit zwei Toren in einen glücklichen, emotionalen Last-Minute-Sieg (2:1) verwandelte. Womit das DFB-Team erstmals seit 2014 wieder die Vorrunde überstanden hatte und vorzeitig Gruppensieger geworden war.
Allzu lässig und mit zu wenig Elan verlor man das dritte, tabellarisch unbedeutende Spiel gegen Ecuador mit 1:2 – danach kippten Stimmung und Momentum. Die Katastrophe gegen Paraguay war die Folge dieser Abwärtsentwicklung.
Ein folgenschwerer Satz: "Wir hätten uns auch gerne gegen Frankreich duelliert"
Auch nach diesem Ausscheiden ließ sich Nagelsmann zu einer bemerkenswert unbedachten Aussage hinreißen: "Es wäre mehr möglich gewesen. Wir hätten uns auch gerne gegen Frankreich duelliert, um mal wieder ein bisschen hinzuschnuppern."
An was? An ein WM-Viertelfinale? "Gerne gegen Frankreich duelliert" - ziemlich realitätsfremd. Klingt angesichts der aktuellen Kräfteverhältnisse im Vergleich zum Vize-Weltmeister und Top-Favoriten bei dieser WM als würde ein Hobby-Gokart-Fahrer sich gerne einmal mit Max Verstappen duellieren. Nun ja.

Julian Nagelsmann ist mit der deutschen Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale gescheitert
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Einen sofortigen Rücktritt schloss Nagelsmann noch im Stadion von Foxborough aus. "Ich möchte weitermachen, stehe bereit", sagte er bei "MagentaTV" und erklärte: "Aber im Fußball hat man nicht alles selber in der Hand. Wenn sie das nicht möchten, müssen sie es mir sagen."
Später auf der Pressekonferenz fielen ähnliche Worte: "Ich bin keiner, der wegläuft. Ich stehe bereit, wenn der DFB das möchte." Um dann, wie so oft in einem schnippisch-beleidigt-ironischen Unterton hinzuzufügen: "Auch wenn sich vielleicht nicht so viele darüber freuen würden, wenn ich weitermache."
Weiß Nagelsmann, was auf ihn zukommt?
Nagelsmann fügte wissend hinzu: "Ich kenne die Mechanismen des Fußballs." Klingt danach, dass er weiß, was auf ihn zukommt.
"Die drei Herren (Präsident Bernd Neuendorf, Sportdirektor Rudi Völler und DFB-Geschäftsführer Sport Andreas Rettig, d.Red.) haben aber Charakter und werden nicht zwischen Tür und Angel entscheiden", sagte Nagelsmann vorauseilend. Doch die Welle der Entrüstung und die Wucht der Kritik dürften ihn zeitnah aus dem Amt spülen.
Auch wenn Völler, Nagelsmanns Schutzschild, am Abend wie zu erwarten betonte: "Ich bin immer noch davon überzeugt, dass Julian wahrscheinlich der Richtige ist, aber ich bin nicht der DFB alleine."
Laut Gute-Laune-Onkel Völler, sei Nagelsmann "ein absoluter Toptrainer" und "die richtige Person am richtigen Ort". Bis zur unvermeidlichen Entlassung.
Klopp: "Wir müssen hundertprozentig ein paar Dinge verändern"
Folgt auf Nagelsmann der von vielen Fans als neuer Wunsch-Bundestrainer genannte Jürgen Klopp? "Ich verstehe, dass mein Name genannt wird, aber das ist nicht der Moment, darüber zu sprechen - und vor allem nicht mit mir", betonte der frühere Dortmund- und Liverpool-Coach bei "MagentaTV".
Klopp, seit langem der Schattenbundestrainer und nun der auserkorene Heilsbringer, sagte: "Wir müssen hundertprozentig ein paar Dinge verändern. Da können wir bei der U10 anfangen und ein paar Jahre warten, was oben rauskommt."
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Klopp beantwortet Bundestrainer-Frage: "Das Unangenehmste"
Quelle: MagentaTV
Klingt nach: Packen wir's an.
Am Dienstag hieß es: Packen und Abreise. Der DFB-Tross verließ das WM-Quartier in Winston-Salem und flog nach Deutschland zurück. Eine Abschluss-Pressekonferenz gab es nicht. Bye, bye, USA! Und bald tschüss, Julian?
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Quelle: MagentaTV
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