"Wir haben uns alle mehr erhofft. Es war auch in den entscheidenden Spielen mehr drin. Das tut weh, ja", räumte Gensheimer ein, bevor die deutschen Handballer am Dienstag völlig bedröppelt in den Flieger gen Heimat kletterten. Von Aufbruchstimmung fehlte im Team von Bundestrainer Alfred Gislason bei der Rückreise vom am Ende vollkommen vermasselten WM-Abenteuer in Ägypten jede Spur.
Das schwer enttäuschende Remis beim WM-Abschluss gegen biedere Polen (23:23) warf viel mehr weitere Fragen als ohnehin schon auf. Vor der Olympia-Qualifikation im März steigt der Druck spürbar, auch vonseiten der Verbandsführung. "Es wird langsam wieder Zeit, einen Erfolg einzufahren", mahnte DHB-Präsident Andreas Michelmann im "Sportbuzzer" an: "Wir brauchen jetzt Olympia, um wieder die Kurve nach oben zu bekommen."
Und auch Bob Hanning verteilte mit Blick auf das Quali-Turnier einen klaren Auftrag. "Dann müssen wir zusammen mit den Spielern, die dann zurückkommen, einfach liefern", sagte der Verbandsvize: "Dann wird sich zeigen, ob wir mit dieser Generation, so wie ich es immer für möglich gehalten habe, auch wirklich zur Weltspitze gehören."
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Deutschland nur Remis gegen Polen: Schlechteste WM-Platzierung perfekt
25/01/2021 AM 21:02

Mit Verstärkung bei Olympia-Qualifikation

In den drei eminent wichtigen Spielen in Berlin gegen Schweden, Slowenien und Algerien muss das deutsche Team bestehen, um das in Ägypten verbal erneuerte Gold-Ziel in Tokio überhaupt erst angehen zu können. Zugute kommt dem DHB-Team, dass dann etliche Stammspieler wie die Kieler Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler wieder dabei sein dürften. Alt-Bundestrainer Heiner Brand schrieb seinen Erben ins Stammbuch:
Es gibt sicherlich eine Verstärkung, trotzdem wird es kein Selbstläufer."
Doch nicht alle WM-Absager können sich ihrer Sache sicher sein. "Eine Rückkehr ist kein Automatismus", mahnte DHB-Sportvorstand Axel Kromer in der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten".

Bittere Bilanz nach WM

Von der Weltspitze war das zwangsweise umgebaute deutsche Team beim umstrittenen Mega-Turnier in Ägypten ein gutes Stück entfernt, der historisch schlechte zwölfte Platz bei einer WM-Teilnahme dokumentierte dies. Nur zwei sportliche Siege gegen Uruguay und Brasilien, wohlgemerkt die zweite und dritte Garde des Welthandballs, dazu die Pleiten in den Schlüsselspielen gegen Ungarn (28:29) und Spanien (28:32) - das ist zu wenig. Brand, dessen elfter Platz von 2011 als schlechtestes Ergebnis bei einer WM-Teilnahme abgelöst wurde, sagte dem "SID":
Eine gewisse Enttäuschung ist schon angebracht."
Ohne den in Ägypten fehlenden Weltklasse-Innenblock mit Wiencek und Pekeler spielt Deutschland mit den Besten nicht auf Augenhöhe. Die Weltklasse-Torhüter um Andreas Wolff spielten nicht wie Weltklasse-Torhüter. Und das Angriffsspiel zeigte zwar gute Ansätze, blieb ausgerechnet gegen Polen, gegen das vor einem TV-Millionenpublikum ein versöhnlicher Abschluss gelingen sollte, aber völlig harmlos. Zudem versagten den DHB-Stars um Gensheimer in Crunch-Time-Momenten immer wieder die Nerven.
Das Dauerthema Chancenverwertung prägte auch das Polen-Spiel. "Wir hätten mindestens 30 Tore werfen müssen", analysierte Gislason nachher, hätte dies aber nach allen Partien sagen können. Dennoch fand der Isländer insgesamt lobende Worte: "Die Mannschaft hat es großteils gut gemacht, ich kann ihr keinen Vorwurf machen."
Nach seinem ersten Turnier als DHB-Coach war ihm diese Sichtweise gegönnt. Doch die Kritik von außen, vor allem an Führungsspielern wie Gensheimer und Wolff, ist nach dem schlechtesten WM-Abschneiden der deutschen WM-Geschichte nicht verwunderlich. Umso überraschender war, wie dünnhäutig das DHB-Team auf diese reagierte.

Empfindliche Reaktion der Spieler

"Es ist zum Kotzen", motzte Philipp Weber im "ZDF". "Sobald das deutsche Team nicht so spielt, wie die Medien es haben wollen, wird immer etwas gesucht und immer wieder in die Wunde reingedrückt. Das geht uns tierisch auf den Sack." Zuvor hatte sich schon Gensheimer über den Tonfall in der Berichterstattung mokiert. Dass Spieler wie der DHB-Kapitän "im Positiven wie im Negativen im Fokus stehen" sei aber "normal", sagte Brand: "Mit so etwas muss man rechnen."
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(SID)

"Leistungssteigerung muss her": DHB-Team zieht Bilanz

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