Der Aufschrei war laut und ließ Thomas Bach keine Wahl.
"Dieses Problem", sagte der IOC-Präsident über die politische Propaganda der Gastgeber auf der eigentlich so unpolitischen olympischen Bühne, "dieses Problem haben wir nicht ignoriert." Aber ziemlich leise gelöst.
Die eindeutigen Einlassungen der OK-Sprecherin Yan Jiarong zur Taiwan-Frage und angeblichen "Lügen" über Konzentrationslager und Zwangsarbeit in Xinjiang blieben angeblich nicht ohne Nachspiel: Laut Bach führten sie "unmittelbar" zu einem Treffen zwischen dem IOC und dem Organisationskomitee der Winterspiele (BOCOG).
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"Beide Organisationen, BOCOG und IOC, haben sich erneut eindeutig verpflichtet, politisch neutral zu bleiben, wie es die olympische Charta verlangt", berichtete Bach am Freitag über den Austausch. Thema erledigt. Immerhin gilt es, am letzten Wochenende in Peking gemeinsam die "erfolgreichen Winterspiele" zu feiern.

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Olympische Spiele haben Menschenrechtsverletzungen zementiert

Minky Worden sieht indes nur einen Gewinner der vergangenen zwei Wochen. "Die Spiele waren ein Traum für Chinas Präsident Xi Jinping, aber ein Albtraum für die Menschenrechte", sagte die Direktorin von Human Rights Watch. Ihre Kollegin Yaqiu Wang fügte hinzu: "Die Olympischen Winterspiele 2022 haben dazu beigetragen, die Menschenrechtsverletzungen zu zementieren."
Die nichtstaatliche Organisation erkannte "das gesamte Spektrum, ob Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Xinjiang oder Zensur im Olympischen Dorf". Wang sagte: "Durch ihr Schweigen haben sich das IOC und seine Wirtschaftspartner am Bemühen der chinesischen Regierung beteiligt, Menschenrechtsverletzungen vor einem weltweiten Publikum durch den Sport reinzuwaschen."
Sprecherin Yan war am Donnerstag sogar noch einen Schritt weitergegangen.
Fragen nach dem "Genozid" an der muslimischen Minderheit der Uiguren würden auf "Lügen" basieren. "Unsere Offiziellen haben solche falschen Darstellungen bereits zurückgewiesen und dies mit vielen Beweisen untermauert", sagte sie.

Kein Völkermord an Uiguren, Taiwan als offiziell Teil des Landes

Die Uigurin Dinigeer Yilamujiang, die durch ihren Auftritt als Fackelläuferin bei der Eröffnungsfeier weltweit Bekanntheit erlangt hatte, bezeichnete sich selbst als lebenden Beweis für diese Behauptungen. "Wenn es das gibt, was der Westen als 'Völkermord' bezeichnet, hätte ich nie die Chance gehabt, bei Olympischen Spielen aufzutreten", wird die Langläuferin in der staatlichen Zeitung "Global Times" zitiert. Ihre Wahl zur Fackelträgerin zeige "die Wahrheit über die Harmonie der großen chinesischen Familie", fügte Yilamujiang hinzu.
Von Harmonie spricht in Taiwan niemand mehr, eher von Krieg. Der demokratische Inselstaat befürchtet, von der übermächtigen Volksrepublik China militärisch eingenommen zu werden, womöglich bald, womöglich, wenn die Spiele vorüber sind.
Yan Jiarong verdeutlichte die Partei-Position im Beisein des IOC. "Es gibt nur ein China in der Welt" - und Taiwan sei "untrennbarer Teil" davon.
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(SID)
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