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Olympia 2018: Doping-Verdacht: Olympia-Labor in Pyeongchang gleicht einem Hochsicherheitstrakt

Doping-Verdacht: Olympia-Labor gleicht Hochsicherheitstrakt
Von SID

19/02/2018 um 12:52Aktualisiert 19/02/2018 um 12:54

Nach dem Doping-Skandal von Sotschi wurden die Sicherheitsstandards für das Labor der Olympischen Winterspiele extrem erhöht. Der Kölner Experte Mario Thevis hat dort bis zum Wochenende gearbeitet. ) Mehrfache Kontrollen bis zum Eintritt ins Labor, ständige Überwachung während der Arbeit: Das Koreanischen Institut für Wissenschaft und Technologie (KIST) in Seoul gleicht einem Hochsicherheitstrakt.

Dort ist auch das Doping-Labor für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang untergebracht, in dem der Kölner Doping-Experte Mario Thevis bis zum Wochenende arbeitete.

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Thevis sagte:

"Der Laborbetrieb war sehr gut organisiert, und modernste Technik sowie Gerätschaften sind im Einsatz."

Der deutsche Wissenschaftler gehört seit den Sommerspielen in Athen zum festen Stamm der internationalen Olympia-Kontrolleure und fand gute Arbeitsbedingungen vor. "Alle Mitarbeiter waren hervorragend vorbereitet und für jegliche Kommunikation, Rückfrage und Information offen", meinte Thevis.

Doping-Experten täglich im Einsatz

Das Labor in Seoul steht unter strenger Beobachtung, nachdem vor vier Jahren bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi systematisch manipuliert worden war. Thevis glaubt, dass die Vorfälle von 2014 zu einer besonderen Sensibilisierung geführt hätten. "Ich würde davon ausgehen, dass die Vor-Ort-Inspektionen vor und während der Spiele noch aufmerksamer durchgeführt wurden", sagt der Kölner Laborchef.

25 internationale Experten sind in Südkoreas Hauptstadt Seoul täglich im Einsatz. Gearbeitet wird rund um die Uhr im Schichtsystem, da viele Proben zeitnah analysiert werden mussten. 80 bis 100 Proben müssen täglich ausgewertet werden. Die Flaschen werden mit einem Fahrzeug aus dem 170 km entfernten Pyeongchang angeliefert.

In Sotschi hatte Gastgeber Russland unter Beteiligung seines Geheimdienstes für den wohl größten Doping-Skandal der Olympia-Geschichte gesorgt. Die Doping-Proben wurden dort durch ein Loch in der Wand des Labors gereicht und in einem Hinterzimmer manipuliert. Russland wurde vom IOC suspendiert, bei den Spielen in Pyeongchang dürfen nur 168 russische Athleten unter neutraler Flagge starten.

Generell ausschließen kann man eine Sabotage wie in Sotschi aber auch in Seoul nicht, sagt Thevis. "Bei ausreichender Planungsmöglichkeit und Verfügbarkeit erforderlicher Ressourcen sowie Einbeziehung und Beteiligung von Schlüsselpositionen kann die Wahrscheinlichkeit nur minimiert werden", erklärt Thevis.

Olympia 2018: Positive Fälle sind Routine

Immer wieder entdeckt ein Kontrolleur in seiner Schicht positive Fälle. Nervosität kommt bei den Doping-Jägern aber nicht mehr auf. Man gehe in solchen Fällen schnell gedanklich alle Schritte durch, sagt Thevis, da bei Olympia "in kürzester Zeit die analytischen Ergebnisse vorliegen sollen".

Bislang überschatten zwei Dopingaffären die 23. Winterspiele. In der ersten Wettkampfwoche war bekannt geworden, dass der japanische Shorttracker Kei Saito mit der verbotenen Substanz Acetazolamid erwischt wurde. Noch höhere Wellen schlägt der Fall des russischen Curlers Alexander Kruschelnizki, bei dem das unerlaubte Mittel Meldonium in der A-Probe gefunden worden war. Mehr als fraglich bleibt, ob Russland nach seiner Suspendierung wegen der Doping-Krise von Sotschi zur Schlussfeier wieder mit eigener Fahne einmarschieren kann.

Aufsehen erregte bei Olympia der Fall von Rodel-Olympiasiegerin Natalie Geisenberger, deren Dopingflasche sich bei der Kontrolle nicht richtig schließen ließ. Für Thevis und seine Kollegen war dies im Labor aber nicht mehr nachvollziehbar. "Alle Dopingkontroll-Proben, die das Labor erreichen, sind anonymisiert", erklärt der Wissenschaftler.

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