Seinen Heimvorteil hat der Baske Alex Aranburu (Astana – Premier Tech) am zweiten Tag der Baskenland-Rundfahrt in Sestao perfekt ausgespielt. Nach 154,8 Kilometern bei wechselhaften Bedingungen setzte sich der 25-Jährige eine knappe Autostunde von seinem Geburtsort entfernt als Solist durch und feierte mit 15 Sekunden Vorsprung vor der Gruppe der Gesamtsieg-Kandidaten den ersten WorldTour-Sieg seiner Karriere.
Die Favoritengruppe führte Aranburus Teamkollege Omar Fraile ins Ziel und sorgte so sogar für einen Doppelerfolg des Astana-Rennstalls. Einziger kleiner Wermutstropfen für die Mannschaft: Aranburu verpasste um fünf Sekunden den Sprung ins Gelbe Trikot. Tagesdritter wurde Tour de France-Sieger Tadej Pogacar (UAE Team Emirates), die Gesamtführung aber behauptete dessen slowenischer Landsmann Primoz Roglic (Jumbo – Visma) als Tagessechster.
"Wir wussten, dass es beim letzten Anstieg einige Bewegungen geben würde, aber die Abfahrt war auch sehr wichtig. Auf dem letzten Teil des Anstiegs versuchte Omar (Fraile, Anm. d. Red.) es, und als sie ihn konterten, war ich an der Reihe", schilderte Aranburu die entscheidende Phase in der Pressemitteilung seines Teams.
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"Ich konnte eine kleine Lücke reißen. Dann gab ich bis ins Ziel Vollgas. Es ist mein erster Sieg in einem WorldTour-Rennen", freute sich der Baske, der zwar gut in die Saison gestartet war und unter anderem Siebter bei Mailand-Sanremo wurde, aber noch kein Rennen gewinnen konnte - genau wie sein ganzes Team bislang sieglos war. "Zuhause im Baskenland zu gewinnen, ist etwas ganz Besonderes. Das Team hat in diesem Jahr sehr gute Ergebnisse erzielt, aber noch keinen Sieg. Es ist immer schön, noch mehr, wenn es zu Hause ist."
Mit seiner guten Platzierung in der Gesamtwertung träumt Aranburu nun von mehr. "Ich versuche Jahr für Jahr, ein besserer Fahrer zu werden. In dieser Saison hatte ich mehr Selbstvertrauen und Erfahrung für die Klassiker und gestern habe ich auch ein gutes Zeitfahren hingelegt. Ich werde versuchen, mein Bestes zu geben. Mal sehen, wohin es mich führt. Ich habe nie daran gedacht, zur Itzulia zu kommen und um die Gesamtwertung zu kämpfen, aber ich fühle mich gut und habe mich gestern auch gut gefühlt. Lasst es uns Tag für Tag angehen und wir werden sehen, wohin es uns führt."

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Schachmann demonstriert gute Form

Maximilian Schachmann (Bora – hansgrohe) kam direkt hinter Roglic als Siebter ins Ziel und schob sich mit weiterhin 31 Sekunden Rückstand auf den Slowenen auf den sechsten Gesamtrang vor. "Am Ende hat mir im Sprint etwas gefehlt, aber die Form ist offensichtlich gut", zeigte sich der Berliner mit seinem Auftritt zufrieden.
Kein Wunder: Schachmann hatte im Finale am letzten längeren Anstieg 16 Kilometer vor dem Ziel die Favoritengruppe attackiert und nur Roglic konnte ihm sofort folgen. "Es war kein ganz verrücktes Tempo aber schon hart. Also dachte ich, ich probiere es einfach mal", so Schachmann mit Blick auf seinen Vorstoß.
Gemeinsam mit Roglic, Brandon McNulty (UAE Team Emirates) und Sergio Higuita (EF Education – Nippo) fuhr er über den letzten Bergpreis, den er selbst als Erster überquerte, was Schachmann auch die Führung in der Bergwertung bescherte, und in die langgezogene Abfahrt zum Zielort. Dort aber wurde das Quartett wieder gestellt, bevor dann Aranburu auf nasser Straße bergab mit viel Mut und guter Streckenkenntnis allen davonfuhr und als Solist zum Sieg durchzog.
"Ich dachte, wir hätten vielleicht eine echte Chance. Aber es war so rutschig, dass wir dann alle etwas vorsichtig waren, um nicht zu stürzen", erklärte Schachmann das Ende seines Angriffsversuches. "Ich weiß nicht, ob man das im TV gesehen hat, aber es war wirklich verrückt – superglatt. Deshalb bin ich auf Nummer sicher gegangen."
Bereits im Anstieg hatte vorher Richard Carapaz (Ineos Grenadiers) bei einem Antritt die Kontrolle über sein Hinterrad verloren und war gestürzt. Der Giro-Sieger von 2019 erreichte das Ziel schließlich mit 1:49 Minuten Rückstand auf Sieger Aranburu als 58. und war der große Verlierer der Etappe.

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