Todesfälle im Radsport: Rundfahrt-Organisatoren in Schweiz, Deutschland und Österreich arbeiten an Sicherheitskonzepten
VonJan Zesewitz
Update 21/11/2024 um 17:16 GMT+1 Uhr
Der Radsport wurde in den vergangenen beiden Jahren von drei tödlichen Unfällen während verschiedener Rennen getroffen. Jeder dieser Fälle löste in der Öffentlichkeit und innerhalb der Branche neue Diskussionen um Sicherheitskonzepte bei den Großveranstaltungen aus. Die Chefs der Landesrundfahrten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sammelten nun in einer Talkshow gemeinsame Ideen.
Bei der Tour de France warnen Schilder vor Verkehrsnseln und anderen Gefahrenstellen
Fotocredit: Getty Images
Fabian Wegmann als Sportdirektor der Deutschland Tour, Olivier Senn, Organisator der Tour de Suisse sowie der Gastgeber und Tour-Direktor der Tour of Austria, Thomas Pupp, saßen gemeinsam im Talk-Format "Windschatten" zusammen.
Alle drei waren bereits direkt von Todesfällen im Rennen betroffen. "2011 habe ich meinen Zimmerkollegen Wouter Weylandt nach einem tödlichen Sturz verloren. Das sitzt nach wie vor sehr tief bei mir, auch wenn er leider einen Fahrfehler beging", sagte Wegmann, als es um das Thema Sicherheit im Radsport ging. Weylandt starb beim Giro d'Italia an den Folgen eines Sturzes.
Pupp und Senn waren als Organisatoren ebenfalls nahe an tödlichen Unfällen dran. Im vergangenen Jahr kam Gino Mäder bei der Tour de Suisse ums Leben. In dieser Saison starben André Drege bei der Tour of Austria und Muriel Furrer bei der WM in Zürich, bei der Senn Vorsitzender des Organisationskomitees war.
Tour of Austria
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"Grundsätzlich sind Radrennen sicherer geworden durch viele Maßnahmen", sagte Wegmann, der dieses komplizierte Thema differenziert betrachtete. "Früher gab es zum Beispiel noch Absperrgitter mit Füßen und die Sicherheitsauflagen wurden auch immer strikter. Aber Fakt ist: Durch das Material und die Aerodynamik werden Rennen immer schneller. Dann sind Konsequenzen bei Stürzen leider dramatischer."
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"Eine Welt brach zusammen": Wegmann über Weylandts Tod
Quelle: Eurosport
Kenntlichmachung von Gefahrenstellen
Eine weitere Quelle für Gefahren sind - paradoxerweise - Maßnahmen, die im Alltag zu mehr Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger sorgen sollen. "Ständig werden neue Verkehrsinseln gebaut. Solche verkehrsberuhigenden Maßnahmen der öffentlichen Hand sind für den Radsport nicht förderlich", sagte der Sportdirektor der Deutschland Tour.
Irreführenderweise, so Senn, kann auch zu viel Information für die Fahrer problematisch sein: "Über Funk prasseln Informationen ein, die bei den Sportlichen Leitern und schließlich bei den Radprofis aufgrund von sprachlichen Barrieren oft auch nicht verstanden werden. Deshalb sind wir an einem System in Echtzeit dran, Gefährdungsstellen visuell darzustellen. Das klappt auch mit Bildern, die zehn Minuten vor der Durchfahrt eingespielt werden."
Bei einem weiteren Punkt sind sich die drei Organisatoren einig: der Notwendigkeit eines flächendeckenden GPS-Trackings. Im Falle von Muriel Furrer, die beim WM-Rennen der Juniorinnen in Zürich starb, war der genaue Ort der Unfallstelle lange unklar und es dauerte zu lange, um die Schweizerin zu bergen.
"GPS-Tracking als Gebot der Stunde"
"Wir sind vor gut 55 Jahren zum Mond geflogen. Dann kann es doch nicht sein, dass wir das Verschwinden eines Fahrers oder einer Fahrerin nicht sofort bemerken können. Deshalb sehen wir das GPS-Tracking als Gebot der Stunde, um künftig die Kontrolle über alle Profis bei Rennen erhalten zu können", sagte Senn.
Senn, Pupp und Wegmann würden das GPS-Tracking auch ohne den Radsportweltverband UCI einführen. Wegmann wies daraufhin, dass die Tracker an den Körpern der Fahrer befestigt werden sollten, um im Falle eines Radwechsels weiter funktionsfähig zu sein.
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Bewegendes Gedenken: Schweigeminute für Furrer vor WM-Start
Quelle: Eurosport
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