Eurosport-Kommentator Karsten Migels im Interview vor der Flandern-Rundfahrt 2026: "Warum nicht van Aert?"
VonJan Zesewitz
Update 05/04/2026 um 09:09 GMT+2 Uhr
Mit der Flandern-Rundfahrt steigt am Sonntag das zweite Monument der Radsport-Saison 2026. Wie schon bei Mailand - Sanremo ist in der Favoritenfrage nicht am Namen Tadej Pogacar vorbeizukommen. Als härtester Rivale gilt Mathieu van der Poel. Eurosport-Kommentator Karsten Migels sieht aber auch eine kleine Chance für Wout van Aert - allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen.
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Quelle: Eurosport
Einmal gelang es Wout van Aert, die Ronde van Vlaanderen auf dem Podest zu beenden. 2020 war das, der Belgier wurde Zweiter hinter Mathieu van der Poel aus den Niederlanden.
Ob es dieses Jahr zum großen Coup reicht für den Allrounder vom Team Visma-Lease a Bike? "Van Aert müsste sich mit einem Überraschungsangriff absetzen", sagt Karsten Migels.
Realistischer aber sei ein Szenario, in dem Titelverteidiger Tadej Pogacar die Oberhand behält und nach Sanremo auch das zweite von fünf Monumenten dieser Saison gewinnt.
Im Vergleich mit dem dreimaligen Flandern-Champion van der Poel etwa habe der Slowene nach Sanremo "etwas mehr Ruhe" gehabt, so der einstige deutsche Junioren-Meister im Querfeldein, der seit vielen Jahren die Rennen am Eurosport-Mikrofon begleitet.
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Hinter Pogacar sieht Migels allerdings nicht van der Poel, sondern van Aert - und auch Mads Pedersen könne durchaus vorne mitmischen.
Worauf kommt es bei der Flandern-Rundfahrt an? Was sind die Schlüsselstellen der 'Ronde'?
Karsten Migels: Im Vergleich zu Sanremo beginnt die entscheidende Phase schon sehr viel früher. Spätestens bei der Hälfte des Rennens, wenn die Kopfsteinpflaster-Passagen beginnen, ist eine gute Positionierung sehr wichtig. Dann kommt auch schon früh die erste Überfahrung des Oude Kwaremont und die Vergangenheit hat gezeigt, dass das Finale schon sehr früh eingeleitet wird und es 80 oder 90 Kilometer vor dem Ziel schon eine Vorentscheidung gibt. Man muss immer Position fahren und die Teamkollegen an seiner Seite haben, das gilt erst recht auf dieser finalen Runde rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit vielen 'Hellingen'.
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Van der Poel und Pogacar haben sich in den vergangenen Jahren bei der Flandern-Rundfahrt abgewechselt - dem Gesetz der Serie wäre nun wieder der Niederländer an der Reihe. Was spricht dafür oder dagegen, dass es so kommen wird?
Migels: Ich denke eher, dass Pogacar gewinnen wird. Er hatte nach Sanremo etwas mehr Ruhe. Van der Poel ist derweil noch bei In Flanders Fields und bei E3 Harelbeke gefahren - er fährt immer Vollgas, das sind teilweise Sachen, die müssen nicht unbedingt sein. Wenn er sich auch ein paar Tage Ruhe gönnen würde, hätte er für ein Rennen wie dieses vielleicht auch mehr Kraftreserven. Ich denke, dass Pogacar der stärkere, der ausgeruhtere Fahrer ist im Vergleich zu van der Poel und van Aert und daher auch gewinnen wird.
Für den belgischen Radsport ist es natürlich super, dass Remco Evenepoel dabei ist. Ich glaube aber nicht, dass er sportlich eine große Rolle spielen wird.
Wout van Aert gilt vielleicht als der erste Fahrer, der nach den beiden Topfavoriten genannt wird - wie schätzen Sie ihn ein und welche Fahrer könnten noch überraschen?
Migels: Van Aert hat auch eine sehr starke Mannschaft um sich, warum sollte es für ihn nicht funktionieren? Er hat eine andere Art der Vorbereitung gewählt als seine beiden Rivalen mit der Teilnahme an Quer durch Flandern. Wenn sich Pogacar und van der Poel anschauen, dann wird er seine Chance nutzen. Er kann mit seinem Team weit vorne an die entscheidenden Stellen kommen. Man muss aber auch sagen, er kann nur gewinnen und am Kwaremont oder am Paterberg wegfahren, wenn bei den anderen beiden etwas Blödes passieren sollte. Van Aert müsste sich mit einem Überraschungsangriff absetzen. In Flandern kann natürlich immer etwas passieren, das Wetter wird allerdings voraussichtlich gut sein. Abgesehen von diesen Kandidaten wird die Liste der möglichen Sieger schon dünn. Ich würde Mads Pedersen auf eine ähnliche Stufe setzen wie van Aert - unter normalen Umständen wird er nicht gewinnen.
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Remco Evenepoel startet nun doch in Flandern
Fotocredit: SID
Remco Evenepoel wird sein Debüt bei der Flandern-Rundfahrt geben - was ist ihm zuzutrauen?
Migels: Für den belgischen Radsport ist es natürlich super, dass er dabei ist. Ich glaube aber nicht, dass er sportlich eine große Rolle spielen wird. Er hat keine Erfahrung auf dieser Strecke und das wird eine Rolle spielen, spätestens auf den letzten 80 oder 90 Kilometern, auch wenn er eine starke Mannschaft an seiner Seite hat. Er wird Schwierigkeiten haben, top-positioniert zu sein und dann ist ja auch noch die Frage, wie er diese Anstiege hochkommt, auch wenn er dort in der Vergangenheit viel trainiert hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er vorne mit reinfährt und wenn dann wäre es eine große Überraschung.
Was folgt daraus für Ihren Podium-Tipp? Wer wird am Sonntag in Oudenaarde geehrt werden?
Migels: Pogacar gewinnt und Wout van Aert landet vor van der Poel auf Platz zwei. Es wird wohl keine Überraschungen geben, vor allem bei dem angesagten guten Wetter mit Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen.
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"Pogacar auf einer Mission": Die Attacken-Serie in Flandern
Quelle: Eurosport
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