Am 8. Mai fällt der Startschuss zum 104. Giro d'Italia. Wir präsentieren zehn Profis, die der Italien-Rundfahrt ihren Stempel aufdrücken können.
Aus deutscher Sicht ruhen die Hoffnungen besonders auf Emanuel Buchmann. Schafft es der Fahrer von Bora-hansgrohe als erster deutscher Starter auf das Podium in der Gesamtwertung?
Topfavorit ist der Kolumbianer Egan Bernal. Filippo Ganna will beim Heimrennen auftrumpfen. Aber auch der umstrittene Dylan Groenewegen ist nach dem von ihm verursachten Sturz bei der Polen-Rundfahrt am Start.
Giro d'Italia
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06/05/2021 AM 21:56
Hier gibt es die zehn wichtigsten Starter in der Übersicht:

EMANUEL BUCHMANN (Deutschland/Bora-hansgrohe)

Der Giro d'Italia war selten ein gutes Pflaster für deutsche Rundfahrer - es ist die bislang einzige Grand Tour ohne Podestplatz für Deutschland. Buchmann würde dies gerne ändern, weniger aus nationalen Beweggründen, vielmehr um sich selber zu beweisen, dass er noch zur Elite gehört: Der Tour-Vierte von 2019 und Vuelta-Zwölfte von 2018 hat ein Seuchenjahr hinter sich - "Emu" muss und will bei der dreiwöchigen Kletterorgie ein Zeichen setzen.
WER GEWINNT DEN GIRO D'ITALIA?

PETER SAGAN (Slowakei/Bora-hansgrohe)

Der exzentrische Ex-Weltmeister ist zwar immer noch der populärste Radprofi im Feld, aber längst nicht mehr der schnellste. Nur einen Sieg feierte er 2020 (immerhin beim Giro), in diesem Jahr sind es zumindest zwei. Sagan fährt auch um seine Karriere: Sein Vertrag läuft nach der Saison aus. Die Frage ist, wer sich einen 31-Jährigen, der wohl nicht mehr besser wird, dafür aber horrende Summen verdient, noch leisten will. Werbefaktor hin oder her.

DYLAN GROENEWEGEN (Niederlande/Jumbo-Visma)

Dass Groenewegen beim Giro kritisch beäugt wird, ist noch gnadenlos untertrieben: Seit er bei der Polen-Rundfahrt im August 2020 beinahe für eine Katastrophe gesorgt hat, als er seinen Landsmann Fabio Jakobsen im Sprint von Kattowitz brutal abräumte, ist der schnelle Mann eine Reizfigur. Jakobsen überlebte knapp, fährt mittlerweile wieder Rennen, und auch Groenewegen darf beim Giro nach abgesessener Sperre sein Comeback feiern. Die große Frage: Zieht er im Sprint weiter voll durch - oder steckt er zurück?

REMCO EVENEPOEL (Belgien/Deceuninck-Quick Step)

Wie Groenewegen feiert auch Evenepoel sein Comeback nach langer Pause, wie Jakobsen war der junge Belgier im August 2020 nur knapp mit dem Leben davongekommen, als er bei der Lombardei-Rundfahrt von einer Brücke in die Tiefe stürzte. Das Jahrhundert-Talent brach sich damals "nur" die Hüfte, kann somit nun mit Verspätung sein Debüt bei einer Grand Tour feiern. Der 21-Jährige, der als Profi bereits fünf größere Etappenrennen gewonnen hat, darf noch lernen - aber irgendwann sehr bald soll er für die Belgier zum neuen Eddy Merckx werden.

Höhenflug nach Horror-Sturz? Evenepoel gibt Comeback beim Giro

JOAO ALMEIDA (Portugal/Deceuninck-Quick Step)

Noch so einer aus dem schier unerschöpflichen Talente-Pool des belgischen Ausnahme-Teams. Almeida rockte 2020 den Giro, als er bei seiner ersten Grand Tour über 15 Etappe das Rosa Trikot trug und Gesamtvierter wurde. Mit 22 Jahren ist Almeida für einen Rundfahrer immer noch sehr jung - die Doppelspitze mit Evenepoel könnte für mächtig Wirbel sorgen.

VINCENZO NIBALI (Italien/Trek-Segafredo)

Hat der Haifisch denn noch Zähne? Das fragt sich frei nach Bertolt Brecht ganz Radsport-Italien im Hinblick auf den bislang letzten Giro-Sieger der Gastgeber-Nation (2016). Nibali, einer von nur sieben Radfahrern, die alle drei großen Landesrundfahrten gewonnen haben, ist mittlerweile 36 und hat es nach einem Handbruch gerade so zum Giro geschafft. Keine guten Voraussetzungen für den "Hai von Messina", noch einmal Zähne zu zeigen.

EGAN BERNAL (Kolumbien/Ineos Grenadiers)

Es ist kaum zwei Jahre her, da galt Bernal als einer, der in den großen Rundfahrten auf absehbare Zeit kaum zu schlagen sein wird. Mit 22 gewann er die Tour 2019, war das Bergmaß aller Dinge. 2020 brachte aber einen ersten Karriereknick und eine bittere Aufgabe bei der Tour. Und 2021? Muss der immer noch junge Südamerikaner beweisen, dass er das Ineos-Team als uneingeschränkter Kapitän führen kann.

Giro-Strecke 2021: Alle 21 Etappen in der 3D-Animation

FILIPPO GANNA (Italien/Ineos Grenadiers)

In jenem Monat von 25. September bis 25. Oktober 2020 fuhr Ganna wie im Rausch: Erst wurde er Zeitfahr-Weltmeister, dann machte er den Giro zu den persönlichen Festspielen, gewann vier Etappen, drei davon im Zeitfahren. Zu wiederholen wird das kaum sein - nur zwei Zeitfahren, am ersten und am letzten Tag stehen diesmal an. Abseits der harten Helfertage im Hochgebirge wird Ganna jede Chance nutzen wollen, die sich ihm bietet.

ROMAIN BARDET (Frankreich/Team DSM)

Acht Jahre lang jagte der enigmatische Kletterer vergeblich dem ersten französischen Toursieg seit Bernard Hinault 1985 hinterher, doch zuletzt war Bardet selbst von der Form der Podestplätze 2016 (2.) und 2017 (3.) weit entfernt. Mit nun 30 Jahren wagte Bardet den Neustart, wechselte das Team (von Ag2R zum deutsch lizenzierten DSM) und das Objekt der Begierde: Der letzte französische Giro-Sieg (Laurent Fignon/1989) ist schließlich auch schon eine Ewigkeit her.

JAI HINDLEY (Australien/Team DSM)

2020 kam Hindley zwar im Rosa Trikot in Mailand an - den Sensationssieg des Australiers verhinderte aber ein Sensationssieger: Im letzten Zeitfahren fing der Brite Tao Geoghegan Hart seinen Konkurrenten noch ab. Geoghegan Hart fehlt diesmal, doch Hindley ist erneut ein Außenseiter. Er muss Star-Neuzugang Bardet unterstützen, "aber ich will wieder so gut fahren wie vergangenes Jahr", sagt Hindley, "das wäre eine Leistung".
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(SID)

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