Giro d'Italia - Drei Dinge, die auf der 12. Etappe auffielen: Wilco Kelderman wird wieder zur Waffe für Bora-hansgrohe

Zwei Niederländer standen auf der 12. Etappe des Giro d'Italia 2022 besonders im Blickpunkt - auch wenn Mathieu van der Poel und Wilco Kelderman am Ende das Podest verpassten. Beide hatten dennoch Grund zur Zufriedenheit - der eine, weil sein Alpecin-Teamkollege Stefano Oldani siegte, der andere, weil er einen großen Sprung in der Gesamtwertung machte. Drei Dinge, die auffielen.

Highlights: Oldani gewinnt spannendes Pokerspiel der Ausreißer

Quelle: Eurosport

Die längste Etappe des Giro führte die Fahrer über 204 Kilometer von Parma zur Küste nach Genua - und sie wurde mit extrem hohem Tempo gefahren.
Über 55km/h war der Durchschnitt der ersten Rennstunde auf ansteigendem Terrain, weil die Formierung einer Ausreißergruppe einfach nicht gelingen wollte.
Als dann endlich 25 Fahrer erfolgreich das Feld hinter sich gelassen hatten, deutete auf dem Papier viel auf einen niederländischen Sieg hin, angesichts von Kalibern wie van der Poel, Kelderman oder Bauke Mollema in der Spitzengruppe.
Drei Dinge, die auf der 12. Etappe auffielen:

1.) Van der Poel verpasst nächste Großchance

Als Mathieu van der Poel im Finale der 1. Giro-Etappe alle Konkurrenten unwiderstehlich niedersprintete, schien klar: Der Alpecin-Kapitän würde nicht nur an jenem Freitag in Ungarn, sondern noch an etlichen weiteren Tagen ganz oben auf dem Podium stehen.
Doch in Genua gelang es ihm nun ebenso wie letzte Woche in Neapel nicht, aus der Spitzengruppe heraus zum nächsten Sieg zu stürmen. Zwischen diesen beiden verpassten Chancen lag noch die Sprint-Niederlage gegen Biniam Girmay, als der 27-Jährige und sein Team auf die falsche Karte setzten.
"Er hatte es heute nicht drauf", brachte Eurosport-Experte Fabian Wegman es in seiner Analyse im Velo Club auf den Punkt: Allein mit der Brechstange lassen sich die Siege bei diesem Giro für MVDP nicht mehr erzwingen. Aus Sicht von Bernie Eisel geht die Formkurve des 27-Jährigen langsam nach unten, die nicht ideale Vorbereitung mache sich nun bemerkbar.
Zum Glück für den belgischen Rennstall holte mit Oldani doch noch einer aus dem Alpecin-Trio in der Spitzengruppe den Sieg, denn aus Sicht von Eisel leistete sich das Team in der entscheidenden Rennphase "extreme taktische Fehler". Es wird spannend zu sehen, wie lange van der Poel dem Giro noch erhalten bleibt, schließlich steht auch die Tour de France auf seinem Plan.
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"Extreme taktische Fehler": Eisel analysiert van der Poel & Co.

Quelle: Eurosport

2.) Kelderman wird wieder zur Waffe für Bora

Die erste Reaktion war Frust - Wilco Kelderman hatte sich mehr erhofft von dieser Etappe, viel mehr. Im Idealfall seinen ersten Etappensieg bei einer Grand Tour, doch es blieb Platz sechs. Nur um den Tageserfolg sei es ihm gegangen, erklärte der 31-Jährige am Eurosport-Mikrofon in Genua, die Gesamtwertung spiele für ihn keine Rolle - aber nicht alle Fachleute nahmen das für bare Münze.
Denn schließlich machte der Giro-Dritte von 2020 auf einen Schlag über acht Minuten seines Rückstandes in der Gesamtwertung gut, den er sich durch doppeltes Defektpech bei der Etappe zur Blockhaus-Bergankunft eingefangen hatte. Er sei "nicht gut genug an den langen Anstiegen", erklärte der 31-Jährige seine Absage ans Klassement ums Rosa Trikot, doch bei der ersten Bergankunft am Ätna hatte er allen Favoriten folgen können.
Bei diesen Äußerungen sei auch Poker im Spiel, meint Wegmann: Aus seiner Sicht ist "Kelderman wieder in Schlagdistanz" als 13. mit 2:51 Minuten Rückstand auf das maglia rosa. "Wer weiß, wie seine Form in der dritten Woche noch wird", sieht der Bergkönig des Giro 2004 noch Steigerungspotenzial beim letztjährigen Tour-Fünften.
In jedem Fall sei Kelderman nun "wieder eine Waffe für Bora" als taktische Option im Verbund mit Emanuel Buchmann (9.) und Jai Hindley (5.): Andere Teams können durch Attacken des Niederländers jetzt wieder ganz anders unter Druck gesetzt und zu kräftezehrender Verfolgungsarbeit gezwungen werden. Die Fast-Rückkehr zur Dreierspitze ist für Bora sehr viel mehr als nur ein Trost für die an Intermarché abgegebene Spitze in der Mannschaftswertung.
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Wilco Kelderman auf der 12. Giro-Etappe in der Ausreißergruppe

Fotocredit: Getty Images

3.) Wouter Weylandt - sempre con noi

Es war ein schwerer Tag für die Fahrer, rein sportlich gesehen. Doch unvergleichlich schwerer war er für Familie und Freunde von Wouter Weylandt.
Die Passage der Unfallstelle am Passo del Bocco, wo der Belgier beim Giro 2011 tödlich stürzte, weckte die Erinnerungen an jenen furchtbaren 9. Mai noch viel mehr als in anderen Jahren.
In beeindruckenden Worten schilderte Weylandts Zimmerkollege Wegmann jenen schwarzen Tag und den Umgang mit der Tragödie.
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"Eine Welt brach zusammen": Wegmann über Weylandts Tod

Quelle: Eurosport

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Giro d'Italia gedenkt des Todes von Wouter Weylandt 2011

Quelle: Eurosport

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