Isaac Del Toro Giro-Etappensieger, aber Richard Carapaz der wahre Gewinner? Drei Dinge, die auf der 17. Etappe auffielen

Mit dem Etappensieg in Bormio hat Isaac Del Toro auf der 17. Etappe des Giro d'Italia die perfekte Antwort auf seinen Zeitverlust vom Vortag gefunden - könnte man meinen. Doch die drittletzte Bergetappe hat trotzdem auch einen Trend bestätigt, und auch wenn der Mortirolo nicht für einen Wechsel im Rosa Trikot sorgte, forderte der berüchtigte Anstieg seine Opfer. Drei Dinge, die auffielen.

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Quelle: Eurosport

Nach dem Kletter-Spektakel vom Vortag ist auch auf dem 17. Teilstück der Italien-Rundfahrt der Kampf ums Rosa Trikot erwartungsgemäß wieder entbrannt.
Deshalb war auch die rund 40-köpfige Ausreißergruppe des Tages letztendlich nicht in der Lage, den Etappensieger zu stellen. Denn viele Fahrer waren vor allem aus taktischen Gründen dort, als 'Relais-Station' für die Gesamtsiegs-Kandidaten.
Als solche glänzte der Allgäuer Georg Steinhauser für EF-Kapitän Richard Carapaz. Aber auch dessen Gegner ums Maglia Rosa, Isaac Del Toro, durfte sich über Unterstützung aus der Spitzengruppe freuen.
Drei Dinge, die auf der 17. Etappe auffielen:

1. Der Sieger ist nicht der wahre Gewinner

Riesengroß war der Jubel bei Isaac Del Toro nach seinem Sieg in Bormio. Auch wenn der Mexikaner schon seit der 9. Etappe das Rosa Trikot trägt, fehlte ihm schließlich noch ein Etappensieg bei seinem sensationellen Giro-Debüt. Und den feierte er nun in den Alpen sogar mit seiner aus Mexiko angereisten Familie.
"Das ist unglaublich", sagte Del Toro in den Interviews anschließend immer wieder. Mit dem begehrten Jubelfoto im Maglia Rosa hat der 21-Jährige sichergestellt, dass er auf jeden Fall mit etwas wirklich Zählbarem vom Giro nach Hause fahren wird. Egal, was noch passiert.
Denn auch Del Toro weiß, dass seine Tage an der Spitze der Gesamtwertung gezählt sein könnten. "Das hätte ich ohne die Jungs nicht geschafft", gab er zu – und meinte damit wohl nicht nur den Sieg, sondern auch, dass er weiterhin im Maglia Rosa vor die Kameras treten durfte. "Es ist verrückt, in dieser Position zu sein."
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Dass Del Toro auch in Rom am Sonntagabend nach der Schlussetappe Rosa tragen wird, scheint schließlich nicht mehr das wahrscheinlichste Szenario zu sein – und war es, wenn man ehrlich ist, ja eigentlich nie. Seit Del Toro die Gesamtführung auf der Schotteretappe in Siena übernommen hat, wurde immer wieder thematisiert, dass die schwere dritte Schlusswoche mit mehreren langen Anstiegen hintereinander andere Fahrer favorisiere.
Und auch wenn sich die favorisierten Juan Ayuso und Primoz Roglic sowie Antonio Tiberi am Vortag aus dem Kreis der Gesamtsiegskandidaten verabschiedeten, offenbarte der gefürchtete Mortirolo das erneut – wenn auch nicht ganz so deutlich, wie die 16. Etappe über noch mehr Anstiege 24 Stunden zuvor:
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Richard Carapaz ist der beste Kletterer für die richtig schweren Berge bei diesem Giro. Und auch wenn der Ecuadorianer inklusive der Bonifikationen am Mittwoch zehn Sekunden auf Del Toro verlor, war er psychologisch wohl erneut der Gewinner im Kampf um Rosa. Denn Del Toro geriet schon in Schwierigkeiten und saß am Ende der Favoritengruppe bevor Carapaz seine Attacke auf den steilen zwei Schlusskilometern des Mortirolo lancierte. Und als es dann soweit war, konnte der Mexikaner nicht mit.
"Wir haben das als Team vorhergesehen und wollten ruhig bleiben", erklärte Del Toro im Ziel und gab damit zu, dass ihm völlig bewusst ist, dass er an den langen Bergen im Nachteil ist. Auch sein polnischer Helfer Rafal Majka bestätigte, dass alles in vollem Bewusstsein so geplant gewesen sei: "Wir sind nicht über das Limit gegangen."
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Der Schlüssel zur Verteidigung der Gesamtführung war, dass eben jener Majka sowie Adam Yates und nach der Abfahrt vom Mortirolo auch der von vorne aus der Ausreißergruppe zurückgekommene Brandon McNulty bei Del Toro waren, um die Lücke zum enteilten Carapaz und dessen Edelhelfer Steinhauser wieder zu schließen.
Dass Del Toro dann über den letzten Hügel vor Bormio und im Zielort glänzte, durfte niemand mehr überraschen. Dort schließlich konnte Del Toro noch einmal all seine Qualitäten ausspielen, war in seinem Element: Er glänzte in der drei Kilometer kurzen, steilen Rampe von Le Motte, fuhr "wie ein Wahnsinniger" – Zitat Romain Bardet, der es aus nächster Nähe beobachten durfte – die letzten Kilometer nach Bormio hinunter und mit seinem bärenstarken Antritt aus den letzten Ecken heraus zum Sieg mit vier Sekunden Vorsprung.
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Die beiden verbleibenden Bergetappen über drei Kategorie-1- und einen Kategorie-2-Berg nach Champoluc am Freitag sowie über den Colle delle Finestre nach Sestriere am Samstag dagegen sprechen, nachdem sich der Eindruck vom Dienstag am Mittwoch am Mortirolo bestätigte, eher für den zweiten Giro-Sieg von Carapaz. Und auch Simon Yates sowie vor allem der Gesamtvierte Derek Gee könnten Del Toro da noch richtig wehtun. Umso wichtiger war es eben für Del Toro, den bis dato fehlenden Etappensieg zu feiern.

2. Mortirolo fordert seine Opfer

Während Del Toro am Mortirolo schwächelte, sich anschließend aber noch retten und sogar die Etappe gewinnen konnte, forderte der berüchtigte Pass zwischen dem Oglio- und dem Adda-Tal noch andere Opfer und dünnte den Kampf um die Podestplätze bei der 108. Italien-Rundfahrt aus.
So hielt Egan Bernal dort zwar noch in etwa genauso gut mit den Besten mit wie Del Toro. Doch dem Kolumbianer fehlte anschließend in der kurzen Steigung von Le Motte die Kraft und er büßte rund eine Minute auf seine Kontrahenten aus den Top 5 der Gesamtwertung ein.
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Fast vier Minuten fehlen Bernal jetzt zum Podestplatz, mehr als 1:30 Minuten zu Platz fünf. Damit er in Rom auf dem Podium steht, bräuchte es schon eine große Überraschung – auch wenn Bernal betonte: "Es ist immer noch ein weiter Weg bis nach Rom. Das heißt, dass ich immer noch voll dabei bin."
Doch der Tour-Sieger von 2019 und Giro-Triumphator von 2021 konnte den Schaden in Bormio noch in Grenzen halten. Am Tag nachdem sich die Top-Favoriten Roglic und Ayuso aus dem Kampf um den Giro-Sieg verabschiedet hatten, traf es zwei andere Mitfavoriten noch schwerer als Bernal – und interessanterweise zwei, deren Namen viele Experten vor dem Giro-Start aufgrund ihrer Vorleistungen am Berg direkt nach den Worten Ayuso und Roglic in den Mund nahmen:
Tour-of-the-Alps-Dominator Michael Storer musste am Mortirolo abreißen lassen und kam mit 4:05 Minuten Rückstand ins Ziel, Antonio Tiberi, Giro-Dritter von 2023 und -Fünfter von 2024, kam erst 10:31 Minuten nach Sieger Del Toro in Bormio an. Beide litten unter den Folgen ihrer Stürze aus den letzten Tagen und werden mit den Top 5 bei diesem Giro nichts mehr zu tun haben, Tiberi wohl noch nicht mal mit den Top 10. Der Italiener war am Samstag in Nova Gorica mit dem Rücken gegen den Bordstein gerutscht und hatte nun in Richtung Bormio immer größer werdende Schmerzen an der linken Hüfte. Storer kam am Dienstag auf der 16. Etappe in San Valentino mit einer dicken Lippe ins Ziel.
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3. Red Bull fährt wie entfesselt

Es ist nicht neu für das Team Red Bull-Bora-hansgrohe: Schon bei der Tour de France im vergangenen Jahr musste man nach dem Sturz-Aus des alleinigen Kapitäns Primoz Roglic umdisponieren und auf Ausreißversuche setzen – wenn auch letztlich glücklos.
Beim Giro d'Italia wiederholt sich dieses Szenario nun. Und im Gegensatz zu damals in Frankreich brauchte man nun in Italien keinen Tag für die Umstellung. Schon am Dienstag, als Roglic vom Rad stieg, glänzte sein Edelhelfer Giulio Pellizzari im Schlussanstieg, als er auf eigene Kappe fahren durfte, und war dort am Berg der Schnellste im gesamten Peloton: Etappendritter hinter dem Ausreißer-Duo Christian Scaroni und Lorenzo Fortunato von XDS-Astana.
24 Stunden später nun sprangen Nico Denz, Jan Tratnik und Daniel Felipe Martinez in die Ausreißergruppe des Tages, aus der heraus der Kolumbianer dann zu den Stärksten gehörte. Er attackierte am Mortirolo zuerst allein und kam schließlich mit den besten Sieben über den Gipfel. Seine Gruppe wurde erst zehn Kilometer vor Schluss wieder eingeholt. Dahinter im Hauptfeld fuhr Giovanni Aleotti am Mortirolo Vollgas, um eine Attacke von Pellizzari vorzubereiten, die dann aber verpuffte, weil EF mit Carapaz noch schneller fahren wollte.
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Trotzdem: Martinez, Aleotti und Pellizzari zeigten, dass sie in der wichtigen und schweren Schlusswoche wohl bereit gewesen wären, um Roglic im Kampf um Rosa bestmöglich zu unterstützen. Das war vor allem beim Kolumbianer bis zum Ausscheiden des Kapitäns so noch kaum zu erkennen gewesen.
Es scheint mit Martinez und Pellizzari nun nicht undenkbar, dass der deutsche Rennstall den Giro mit einem Etappensieg in den Bergen doch noch versöhnlich abschließen könnte. Und ganz nebenbei könnte der Italiener sogar die Top 5 noch angreifen. Zum aktuell Fünften Damiano Caruso fehlen ihm weniger als zwei Minuten.
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