Giro d'Italia 2026 - Drei Dinge, die auf der 5. Etappe in Potenza auffielen: Wer zuletzt lacht, lacht am besten

Die epische Regenschlacht auf der 5. Etappe des Giro d'Italia hat nicht nur für ein spektakuläres Finale im Duell um den Tagessieg zwischen Igor Arrieta und Afonso Eulalio gesorgt, sondern auch ein paar Dinge mit Blick auf die Gesamtwertung offenbart - selbst wenn unter den Kandidaten fürs Rosa Trikot im Apennin letztlich Waffenstillstand herrschte. Drei Dinge, die uns im Dauerregen auffielen.

Highlights - 5. Etappe: Brutaler Tag im Apennin mit verrücktem Finale

Quelle: Eurosport

Das 203 Kilometer lange Teilstück von Praia a Mare nach Potenza war durch die äußeren Bedingungen mit starkem Dauerregen und an den Bergen einstelligen Temperaturen noch härter, als es mit seinen mehr als 4000 Höhenmetern ohnehin schon sein sollte.
Im Zielbereich wurde das besonders deutlich, weil sämtliche Fahrer froren und so schnell es ging nur noch in ihre Mannschaftsbusse sowie unter die Dusche wollten.  
Was also vor allem auffiel, an diesem fünften Giro-Renntag: Er war brutal und eklig, sodass der zitternde Eurosport-Reporter Jens Voigt sogar befand, dieser Tag sei "auf dem Podium der miserabelsten überhaupt" für ihn.
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Regen, Hagel, Chaos, Stürze: Voigt zittert nach 200 Kilometern

Quelle: Eurosport

Doch auch sportlich gab es einiges festzustellen.
Drei Dinge, die auf der 5. Etappe auffielen:

1. Wer zuletzt lacht, lacht am besten

Das Duell um den Tageserfolg zwischen dem späteren Sieger Igor Arrieta (UAE-Emirates-XRG) und dem neuen Träger des Rosa Trikots, Afonso Eulalio (Bahrain Victorious), war an Kuriosität nur schwer zu überbieten. Immer wieder wendete sich das Blatt und der Portugiese Eulalio schien schon zwei Mal, den Sieg sicher zu haben, verlor aber doch.
Erst schüttelte Arrieta ihn zwar in der langen Abfahrt in Richtung Potenza ab. Dann aber rutschte der Spanier 13 Kilometer vor Schluss weg und musste Eulalio passieren lassen – bis der sechs Kilometer vor dem Ziel seinerseits stürzte und kurz darauf beide wieder zusammen unterwegs waren.
Doch damit nicht genug: Gut zwei Kilometer vor dem Ziel versteuerte sich Arrieta in einer Rechtskurve noch einmal und fuhr durch ein Flatterband in eine Nebenstraße, sodass Eulalio erneut allein vorne lag. Der Portugiese schien den Sieg nun sicher zu haben. Dann aber gingen dem 24-Jährigen auf den letzten Metern des leicht ansteigenden Finales die Kräfte aus und er wurde doch noch vom ein Jahr jüngeren UAE-Profi abgefangen.
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Pleiten, Pech und Pannen: Das kuriose Duell um den Tagessieg

Quelle: Eurosport

"Ich weiß nicht wirklich, was ich sagen soll", fehlten diesem im Siegerinterview zunächst die Worte, bevor er erklärte: "Ich habe auch nach meinem Sturz noch an den Sieg geglaubt und wusste, dass ich es bis zum Ende versuchen muss. Nach dieser harten Etappe, weiß man nie."
Mit seinem Kampf bis zur Linie schloss sich Arrieta 20 Jahre nach dem Vuelta-Tageserfolg seines Vaters José Luis Arrieta ebenfalls dem Kreis der Grand-Tour-Etappensieger an. Eulalio dagegen will dort noch hinein – und zwar am liebsten gleich doppelt: "Ich habe eine Wette mit Damiano Caruso. Wenn ich zwei Etappen gewinne, wird er seine Karriere um ein Jahr verlängern", erzählte der Portugiese mit Blick auf seinen italienischen Teamkollegen.
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Eulalio im Rosa Trikot: "Ich wollte unbedingt die Etappe gewinnen"

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Nach der ersten Enttäuschung stand Eulalio mit leerem Gesicht im Zielbereich, dann aber konnte er auch als Geschlagener in Potenza noch strahlen: im Rosa Trikot des Gesamtführenden, das er nun mit 2:51 Minuten Vorsprung innehat.

2. Lidl setzt voll auf Gee-West fürs GC

Nach der Eroberung des Rosa Trikots durch Giulio Ciccone am Dienstag konnte man spekulieren: Würde der Italiener in deutschen Diensten nun doch auf Gesamtwertung fahren, nachdem er vor dem Start seiner Heimat-Rundfahrt erklärt hatte, einzelne Etappen und eventuell das Bergtrikot angreifen zu wollen?
Freiwillig, das schien klar, würde sich ein Italiener nicht vom "Maglia Rosa" verabschieden, von dem er als Kind geträumt hatte. Doch das Rennen ließ Ciccone letztlich gar keine Wahl. "Ich habe heute Morgen schon gesagt, dass wir hier kein Team haben, um das Rennen zu kontrollieren und das Trikot zu verteidigen. Ich hätte es wirklich gern länger behalten, aber das war heute nicht möglich", musste er feststellen.
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Wo ist die Heckscheibe? UAE-Teamwagen nach Aufprall von Mathys Rondel

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Mit einer vor allem auf Sprint-Ass Jonathan Milan ausgerichteten Mannschaft fehlten Ciccone schon nach dem ersten schweren Anstieg von der Küste hinein ins Apennin nach gut 20 Kilometern die meisten Helfer. Zwar versuchte Amanuel Ghebreigzhabier anschließend alles, um die 13-köpfige Ausreißergruppe in Reichweite zu halten.
Doch im letzten Renndrittel musste Ciccone dann höchstselbst die Verfolgung übernehmen, um seinem Führungstrikot noch die letzte Ehre zu erweisen, bevor er sich von ihm verabschiedete – auch wenn Derek Gee-West da noch an seiner Seite war.
"Er hat heute viel geholfen. Er hat mir Essen und eine Regenjacke gebracht. Ich kann ihn aber natürlich nicht auffordern, im Wind zu fahren", meinte Ciccone und unterstrich damit noch einmal, dass die Rollenverteilung beim deutschen Rennstall klar ist: Der kanadische Meister, im Vorjahr Gesamtvierter des Giros, ist der Mann für die Gesamtwertung. Er will trotz eines durchwachsenen Frühjahrs aufs Podium – da muss sich selbst ein Italiener im Rosa Trikot hinten anstellen.

3. Red Bull investiert großzügig in die Sicherheit

Ganz allein war Ciccone mit seiner Führungsarbeit im dezimierten Hauptfeld vor dem Monte Grande die Viggiano und am Anstieg selbst, dem 6,6 Kilometer langen und 9 Prozent steilen Scharfrichter der Etappe, doch nicht. Denn das andere deutsche Team war durchaus gewillt, den Lidl-Mannen die Arbeit abzunehmen und tat das auch: Red Bull-Bora-hansgrohe.
Mick van Dijke, Giovanni Aleotti, Aleksandr Vlasov und Co. bolzten eine ganze Weile Tempo im Feld und hielten den Rückstand zur Rennspitze bei rund zwei Minuten – stellenweise verkürzten sie ihn sogar deutlich. Man konnte zwischenzeitlich das Gefühl bekommen, Giulio Pellizzari oder Jai Hindley würden gern auf Etappensieg fahren, so viel Energie und Manpower, wie ihr Team in die Nachführarbeit investierte.
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Voigt im Chaos: Nässe, Kälte, Motorrad-Sturz und Heckscheibencrash

Quelle: Eurosport

So richtig verstehen konnten die Eurosport-Experten Rolf Aldag und Robert Bengsch das im Live-Kommentar nicht und auch die internationalen Kommentatoren fragten sich nach dem taktischen Sinn. Jens Voigt fragte daher auf dem Reporter-Motorrad direkt am Red-Bull-Teamwagen bei der sportlichen Leitung nach und erzählte anschließend: "Man will die Leader schützen."
Es ging also beim Fahren an der Spitze des Feldes um die Minimierung von Sturzrisiken. Ein ganz schön großer Aufwand dafür?
Dafür gibt es einen guten Grund: Vor einem Jahr schied Hindley genau in dieser Region bei Regenwetter auf Etappe 6 aus dem Giro aus, als er auf dem Weg vom heutigen Zielort Potenza zum morgigen Zielort Neapel bergab auf spiegelglatter Straße zu Fall kam und sich eine Gehirnerschütterung zuzog. Daran dürfte sich Red Bulls sportlicher Leiter Christian Pömer, der auch damals dabei war, noch gut erinnert haben.
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Aldag warnt im Velo Club vor nassen Straßen in Neapel

Quelle: Eurosport


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