Giro d'Italia - Drei Dinge, die auffielen: Segaerts Signature Move, Movistar nicht belohnt und kein Giro für Sprinter

Die 12. Etappe des Giro d'Italia entlang der ligurischen Küste und ins Hinterland nach Novi Ligure stand von Haus aus auf der Kippe: Massensprint oder nicht? Letztlich wurde einmal mehr deutlich, dass die reinen Sprinter bei dieser 109. Italien-Rundfahrt wenig zu lachen haben. Dafür verantwortlich ist Movistar - doch statt denen jubeln beim Giro eher Bahrain und UAE. Drei Dinge, die auffielen.

Highlights: Qual für Sprinter und Jubel nach mutiger Solo-Attacke

Quelle: Eurosport

Den Etappensieg nach 195 Kilometern auf diesem zwölften Teilstück des Giros sicherte sich Alec Segaert (Bahrain Victorious) mit einer perfekt getimeten Attacke im Finale - und das auch noch nach Plan!
Dabei profitierte der Belgier von der starken Vorselektion durch Movistar, EF und NSN, die aber im entscheidenden Moment alle nicht mehr auf der Höhe waren und einmal mehr für ihre Arbeit nicht belohnt wurden.
Leid können einem dieser Tage vor allem die Sprinter tun - während Bahrain fast genauso viel Grund zur Freude hat, wie UAE.
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Spitzenreiter Eulálio freut sich mit Zimmerkollege Segaert

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Drei Dinge, die auf der 12. Etappe auffielen:

1. Segaert hat's genau geplant

Der Antritt saß: Kurz vor einer Rechtskurve, in die das an der Spitze fahrende Visma-Team nur noch hineinrollen ließ, gab Alec Segaert Vollgas. Er zog links an den Gelbschwarzen vorbei, zog rasant um die Ecke durch und riss so schon auf wenigen Metern eine große Lücke auf.
Es war die perfekte Attacke, die der 23-Jährige drei Kilometer vor dem Etappenziel in Novi Ligure ritt. Weil die Visma-Mannen kein Interesse an einem Sprint hatten, sondern Kapitän Jonas Vingegaard nur sicher auf die drei Schlusskilometer bringen wollten, nahm der gelbe Zug das Tempo raus und die Teams der verbliebenen "schnellen Männer" musste sich erstmal organisieren, um den Enteilten zu verfolgen. Als sie das taten, war der aber schon außer Reichweite.
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Segaert-Sieg in der Analyse: Das war entscheidend für den Coup

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Die Art und Weise, wie er den Sieg einfuhr, wird langsam zum 'Signature Move' des Belgiers. Am 18. März beim Nokere Koerse wurde er nach einem Solo-Vorstoß 14 Kilometer vor dem Ziel auf den letzten Metern noch abgefangen. Tagsdrauf beim Grand Prix Denain gewann er mit einem Solo auf den letzten vier Kilometern.
Und nun krönte er das mit seinem bislang größten Erfolg, dem Giro-Etappensieg. "Er ist sehr gut, wenn es darum geht, für eine kurze Zeit schnell zu fahren", hob sein vier Jahre älterer Bruder und Coach Loic Segaert hervor.
Das Beste: Trotz seines jungen Alters hatte Alec Segaert es genau so geplant. Auf die Frage, wann er sich für den Angriff entschieden hatte, reagierte Segaert im Sieger-Interview mit einem Grinsen. "Gestern Abend", sagte er dann und erklärte:
"Ich wusste, dass das eine gute Stelle im Parcours ist und war sehr glücklich darüber, wie sich das Rennen mit dem hohen Tempo im Anstieg entwickelte. Die verbliebenen Teamkollegen der Sprinter mussten viel investieren und das war meine Chance im Finale anzugreifen, als sie am Limit waren."
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Geniestreich! Segaert stiehlt sich im Schlussakt davon

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Für Bahrain läuft der Giro nun ähnlich, wie für das UAE-Team: Nachdem der GC-Leader, in dem Fall Santiago Buitrago, durch den Massensturz auf Etappe 2 in Bulgarien ausgeschieden ist, strahlen die Helfer - ein Etappensieg durch Segaert und inzwischen eine ganze Woche im Maglia Rosa für Afonso Eulálio, der sich am Red Bull Kilometer auf dem Weg nach Novi Ligure auch noch sechs Sekunden Zeitgutschrift mit einem kurzen Antritt mitnahm.
Er wirkt immer stabiler und so mancher Iberer, so schrieb es beispielsweise die spanische Zeitung "El País", traut ihm inzwischen den Kampf ums Podium zu. Seit gestern teilen sich der Belgier und der Portugiese passenderweise auch ein Zimmer - das Bahrain-Erfolgszimmer.

2. Movistar wieder nicht belohnt

Wenn Bahrain oder UAE jubeln, dann schaut Movistar in die Röhre. Dieses Bild wird beim Giro 2026 bereits zum Déjà-vu:
Nach dem Bulgarien-Auftakt war es das Movistar-Team, das auf der ersten Italien-Etappe in Kalabrien das Tempo am Berg in die Höhe schraubte, um die Sprinter abzuhängen und damit auch Erfolg hatte. Im Zielsprint dann aber unterlag der Mann, für den die spanische Mannschaft den ganzen Tag gearbeitet hatte, Orluis Aular, einem gewissen Jhonatan Narváez von UAE.
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Voigt im Velo Club: "Kann nicht sehen, wie Vingegaard den Giro verliert"

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Einen Tag später investierte Movistar erneut viel, um in Potenza zu triumphieren, doch Einer Rubio und Lorenzo Milesi gingen die Kräfte aus, während UAEs Igor Arrieta und Bahrains Eulálio aus der Spitzengruppe davonfuhren - Tagessieg Arrieta, Rosa für den Portugiesen.
Auf Etappe 11 in Chiavari am Mittwoch unterlag Movistars Enric Mas im ehrlichen Duell der beiden an diesem Tag stärksten Fahrer gegen Narváez und nun wurde Etappe 12 zum Abziehbild des vierten Teilstücks: Movistar sortierte mit hartem Tempo am Berg erneut die Sprinter aus, doch am Ende jubelte mit Segaert wieder ein anderer, während Aular als Sechster ins Ziel rollte. Bitter.

3. Sprinter haben's schwer beim Giro

So langsam läuft den Sprintern die Zeit davon. Nach den Siegen von Paul Magnier (Soudal-Quick-Step) auf den Etappen 1 und 3 in Bulgarien gab es für die Männer mit den dicken Oberschenkeln bei diesem Giro nichts mehr zu holen.
Keine Etappe auf italienischem Boden endete bislang mit einem echten Massensprint. Auf Etappe 4 in Cosenza hängte Movistar die Sprinter bergauf ab, in Neapel zwei Tage später sorgte ein Massensturz auf feuchtem Kopfsteinpflaster in der letzten Kurve 400 Meter vor dem Ziel dafür, dass es nicht zum richtigen "Sprint Royale" kam.
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Milan und Team Lidl-Trek für Kampf nicht belohnt: Eisel gibt Einblicke

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Die 12. Etappe nun wurde wieder zu hart gefahren für Magnier, Jonathan Milan (Lidl-Trek) und Co - wobei beide nach den Anstiegen sogar noch relativ nah dran waren, am ersten Feld. Nur fehlten die nötigen Helfer, um sie wieder nach vorne zu bringen.
"Man muss gestehen, dass ein oder zwei Mann bei Johnny hätten bleiben sollen oder müssen. Vielleicht hätte auch Quick-Step noch einen Mann zurückrufen müssen", überlegte Lidls Sportdirektor Bernhard Eisel nach dem Rennen am Eurosport-Mikrofon und rechnete vor, dass es selbst für den zweifachen Sprintsieger Magnier nun mit dem Maglia Ciclamino eng werden könnte:
"Elf Punkte noch auf Narváez - klar, die Flachetappen zählen mehr, aber der sammelt jeden Tag Punkte", gab der Österreicher zu bedenken und auch Magnier selbst meinte: "Ich bin überrascht, dass ich das Ciclamino noch habe!"
Zwei Etappen bieten sich den Sprintern bei dieser Italien-Rundfahrt noch: Am Sonntag in Mailand und am Sonntag darauf zum Abschluss in Rom wird wohl kein Weg an einer Massenankunft vorbeiführen. Doch auch, wenn es dann am Ende vier Massensprints sein sollten - viel ist das in drei Wochen nicht. Dieser Giro ist keiner für die Sprinter.
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Giro-Strecke: Profil der 13. Etappe - Sprint oder späte Attacke zum Sieg?

Quelle: Eurosport


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