Giro d'Italia - Drei Dinge, die auffielen: Skandinavier sorgen für die Stories, Stork mischt wieder vorne mit

Das 17. Teilstück des Giro d'Italia ist zur erwarteten Überführungsetappe und einem Tag für die Ausreißer geworden. Die Favoriten um Jonas Vingegaard erlebten einen relativ ruhigen Tag, trotzdem aber wurde auf gleich mehreren Bühnen gekämpft - um Etappensieg, Bergtrikot und Punktewertung. Und im Ziel gab es gleich mehrere emotionale Geschichten zu besprechen. Drei Dinge, die auffielen.

Highlights: Umkämpfter Tag für die Fluchtgruppe am Fuße der Alpen

Quelle: Eurosport

In der Gesamtwertung ist am Mittwoch kaum etwas passiert: Damiano Caruso (Bahrain Victorious) rückte als Etappendritter auf Platz neun vor, rund ums Podium und die Top 5 blieb in Andalo aber alles beim Alten.
Die Geschichten des Tages produzierten aber auch ohne Vingegaard-Aktionen zwei Skandinavier: Etappensieger Michael Valgren (EF Education-EasyPost) und der Zweitplatzierte Andreas Leknessund (Uno-X Mobility), für den es bereits der dritte zweite Platz bei diesem Giro war.
Giulio Ciccone (Lidl-Trek) verpasste erneut die Chance auf den Etappensieg und bekam auch nur vier statt der maximal möglichen 27 Punkte fürs Bergtrikot ab - ähnlich erging es Jhonatan Narváez (UAE-Emirates-XRG), der sich zwar das Maglia Ciclamino zurückholte, aber auch nur 14 Zähler einstrich, statt der erhofften 37 als Etappensieger.
Und aus deutscher Sicht? Da mischte Florian Stork (Tudor) vorne mit, war aber auf verlorenem Posten.
picture

Aldag analysiert Kampf ums Ciclamino: "Musst Wachhund sein"

Quelle: Eurosport

Drei Dinge, die auf Etappe 17 auffielen:

1.) Valgren endlich zurück ganz oben

Es ist nicht wirklich ein Comeback, aber eben irgendwie doch: Mit dem Etappensieg in Andalo hat sich Michael Valgren endgültig wieder in der absoluten Weltspitze des Radsports zurückgemeldet. Der Sieger von Omloop Het Nieuwsblad und Amstel Gold Race 2018 sowie WM-Dritte von 2021 ist nun auch Grand-Tour-Etappensieger - und das, nachdem seine Karriere 2022 fast geendet hätte.
Bei der Route d'Occitanie stürzte Valgren im Juni vor vier Jahren schwer und brach sich unter anderem das Becken. Und auch wenn er zehn Monate später wieder in den Rennbetrieb einstieg und in der Saison 2023 sogar bereits wieder Top-10-Ergebnisse einfuhr, so war sein Weg zurück nach ganz oben und zurück zu seinem wahren Potential ein langer.
picture

Voigt analysiert Valgren-Coup im Velo Club: "Ein cleverer Fahrer"

Quelle: Eurosport

Vier Jahre ohne Sieg hatte Valgren hinter sich, als er im März bei Tirreno-Adriatico die 5. Etappe in Mombaroccio gewann. Zwei Monate und zwei Wochen später ließ er nun, mit einem von seinem Sohn Noah gebastelten Poké-Ball als Glücksbringer in der Trikottasche, auch noch den Giro-Tagessieg folgen.
"Man muss nur zu Egan Bernal oder Chris Froome schauen – Fahrer mit richtig schweren Verletzungen. Es ist superschwer, von so etwas zurückzukommen auf das Level. Ihn jetzt hier heute gewinnen zu sehen, auf diese Weise und gegen diese Fahrer, das ist wirklich etwas ganz Besonderes", ordnete EFs Sportlicher Leiter Juan Manuel Garate am Eurosport-Mikrofon ein - und allen um Valgren herum war anzumerken, wie beliebt der Däne ist.
picture

Konkurrenz pennt komplett: Valgren attackiert und gewinnt 17. Etappe

Quelle: Eurosport

"Wenn es einer von uns verdient, dann ganz sicher er", meinte Teamkollege Madis Mihkels und James Shaw sagte: "Niemand sonst hätte ich diesen Sieg so sehr gewünscht!" Auch Jonas Vingegaard freute sich für seinen vier Jahre älteren Landsmann und bezeichnete ihn sogar als "Vorbild", zu dem er zu Beginn seiner Karriere aufgeblickt habe.
Und das kann man jetzt sicher wieder öfter tun: zu Valgren hinaufschauen, hinauf auf ein Podium. Auch seine Leistung vor fünf Tagen in Verbania war schon stark und nun in Andalo bewies Valgren mit dem entscheidenden, perfekt getimeten Antritt an der 1.000-Meter-Marke, dass er eben den nötigen Renninstinkt hat.

2.) Leknessund wie Gall nur ganz anders

Zwei Mann sind bei diesem Giro d'Italia fast ebenbürtig im Sammeln von zweiten Plätzen: Felix Gall war bei bislang vier Bergankünften vier Mal Zweiter hinter Jonas Vingegaard. Und Andreas Leknessund kam bei fünf Ausreißversuchen drei Mal vor dem Hauptfeld ins Ziel - und wurde auf all diesen drei Etappen ebenfalls Zweiter.
Der Unterschied: Während Galls zweite Plätze im Gebirge hinter Überflieger Vingegaard ein Erfolg für den Österreicher sind und ihn vom Giro-Podium in Rom träumen lassen, wird die Platzziffer "2" für Leknessund inzwischen eher zum Albtraum.
Schwer enttäuscht ließ er im Ziel in Andalo den Kopf hängen, so dass Eurosport-Reporter Anders Mielke sein Interview vorsichtig begann: "Es tut mir weh, Dich so zu sehen", sagte er und Leknessund fand nur schwer Worte: "Valgren hat gemacht, was ich mir vorgenommen hatte", haderte der Norwegische Meister damit, dass der dänische Sieger da den entscheidenden Angriff setzte, wo er es auch selbst tun wollte - aber eben nicht tat. "Ich habe mich gut gefühlt, dachte ich bleibe cool - und dann war es zu spät!"
picture

Leknessund wieder Zweiter: "Wollte das Gleiche wie Valgren machen"

Quelle: Eurosport

Während Leknessund selbst seine Serie der zweiten Plätze als enttäuschend empfindet, sah sein Sportlicher Leiter Michael Blaudzun das am Eurosport-Mikrofon übrigens anders: "Darf man enttäuscht sein über einen zweiten Platz beim Giro? Wir sind nicht enttäuscht! Wir sind stolz auf Andreas, was er heute wieder getan hat", meinte er und stellte klar, dass es allein schon eine großartige Leistung war, überhaupt dreimal in der entscheidenden Flucht bis zum Schluss dabei zu sein: "Es ist großartig, wie er diese Spitzengruppen erwischt, das ist unglaublich!"
Übrigens: Noch mehr Zweien als Gall und Leknessund sammelte vor drei Jahren Derek Gee bei seinem Durchbruch bei der Italien-Rundfahrt. Er wurde viermal Etappenzweiter aus Fluchtgruppen heraus und belegte am Ende auch noch jeweils Rang zwei in der Berg- sowie in der Punktewertung!

3.) Stork allein ohne Chance

Auf Ansage hat Florian Stork (Tudor) am Mittwoch den Sprung in die rund 30-köpfige Ausreißergruppe des Tages geschafft. "Es wird einen großen Kampf um die Gruppe geben, aber ich will dabei sein", sagte er am Eurosport-Mikrofon vor dem Start in Cassano d'Adda. Und genau das gelang ihm dann auch.
Allerdings hatte Stork ein Problem: Er war allein. Ein zweites Tudor-Trikot suchte man an der Spitze des Rennens vergeblich und so war der Deutsche taktisch klar im Nachteil. Während andere Teams mit mehreren Fahrern vorne fuhren - Movistar sogar zu viert - musste er allein den richtigen Postabgang im Finale erwischen.
picture

Stork nach Tag in Fluchtgruppe: "War taktisch alleine schwierig"

Quelle: Eurosport

Und das wurde in der zweiten Rennhälfte, als immer wieder attackiert wurde und sich die Gruppe in verschiedenen Konstellationen auflöste, wieder zusammenfand und erneut auflöste, richtig schwer. "Es ging recht früh das Gespringe los und da habe ich schon viel Energie gelassen, bin hier und da vielleicht mal den falschen Antritten gefolgt", erzählte Stork im Ziel.
Den richtigen Antritt, nämlich als sich rund 25 Kilometer vor Schluss zehn Mann lösten, aus denen am Ende auch die Top 8 der Etappe hervorgingen, verpasste Stork in der Angriffs-Lotterie und musste sich schließlich mit Platz elf begnügen - dank eines guten Finales im kurzen Schlussanstieg. "Da habe ich meine Beine wiedergefunden. Ich denke ich habe aus der schwierigen Konstellation das Maximum herausgeholt."
picture

Giro-Strecke: Profil der 18. Etappe - Mauer bietet Chance für Attacken

Quelle: Eurosport


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung