Giro d'Italia: Felix Gall nimmt Kampf mit Jonas Vingegaard an - Probleme bei Duo von Team Red Bull-Bora-hansgrohe

Die 9. Etappe des Giro d'Italia brachte mit der zweiten Bergankunft neue Erkenntnisse und zementierte andere im Vergleich zur Fahrt zum Blockhaus. Jonas Vingegaard unterstrich mit seinem zweiten Etappensieg einmal mehr seinen Status als Topfavorit. Mit Felix Gall und Décathlon tritt ein selbstbewusster Rivale auf den Plan. Red Bull-Bora-hansgrohe erlitt einen Rückschlag. Drei Dinge, die auffielen.

Highlights: Gall im Duell mit Vingegaard bei Bergankunft

Quelle: Eurosport

Die französische Décathlon-Mannschaft investierte auf dem Weg von Cervia nach Corno alle Scale viel, um Kapitän Felix Gall eine Chance auf den Etappensieg zu ermöglichen. Dass er am Ende wieder an Jonas Vingegaard scheiterte, nimmt dem couragierten und selbstbewussten Auftreten der Equipe nichts weg.
Probleme brachte das neunte Teilstück vor allem für Giulio Pellizzari. Der Red-Bull-Youngster erlebte am langen Schlussanstieg einen schwarzen Tag und verlor 1:28 Minuten auf Vingegaard.
Während Visma mit drei Fahrern unter den ersten Acht überzeugen konnte und Décathlon mit Gall den wohl zweitbesten Bergfahrer stellt, muss der Raublinger Rennstall nun um den Anschluss kämpfen.
Auf 41 Sekunden konnte dagegen der Mann im Maglia Rosa, Afonso Eulálio, seinen Rückstand begrenzen. Der Portugiese begeistert mit seinem Kampf um das Führungstrikot gegen die scheinbar übermächtige Konkurrenz.
Drei Dinge, die auf der 9. Etappe des Giro d'Italia auffielen:

1. Décathlon nimmt Duell mit Visma an

Es wäre für die Décathlon-Mannschaft heute leicht gewesen, die Arbeit anderen Teams zu überlassen. 150 flache Kilometer, ein harter Kampf um die Ausreißergruppe, dann rund 30 Kilometer bergauf - sie hätten Visma beobachten und auf den Favoritenstatus Vingegaards hinweisen können.
Sie hätten Bahrain Victorious anschauen und auf das Rosa Trikot Eulálios verweisen können. Dann hätte wahrscheinlich der tapfere Giulio Ciccone die 9. Etappe gewonnen.
Aber sie entschieden sich anders. Für Felix Gall. Die französische Mannschaft strotzt nach dem Auftritt des Österreichers am Blockhaus vor Selbstvertrauen und wollte ihrem Kapitän den Kampf um den Etappensieg ermöglichen.
Es reichte schließlich nicht ganz. Gall attackierte 2,5 Kilometer vor dem Ziel "mit breiter Brust" (Eurosport-Kommentator Robert Bengsch) und nur der Däne konnte ihm folgen. Dass der Österreicher dann auf dem folgenden Abschnitt die Führungsarbeit alleine verrichten musste, zeigt, wie ernst ihn Vingegaard als Konkurrent nimmt.
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Gall im Interview nach Bergankunft: "Sehr, sehr zufrieden"

Quelle: Eurosport

"Jonas hat nicht unbedingt den Zwang dazu, mitzuführen", sagte Gall im Ziel am Eurosport-Mikrofon. "Ich habe versucht, ihn mehr oder weniger zu ignorieren, obwohl ich natürlich gehofft habe, dass er mitführt. Ich habe dann allerdings alleine fahren müssen."
Trotzdem war der 28-Jährige mit seiner Leistung zurecht sehr zufrieden. 34 Sekunden beträgt sein Abstand auf den Topfavoriten - auf Jai Hindley hat er schon 1:33 Minuten Vorsprung.
"Wie stark war heute die gesamte Mannschaft von Décathlon?", fragte Eurosport-Experte Jens Voigt in seiner Analyse und schlussfolgerte: "Von allen Normalsterblichen war Gall heute der Beste."

2. Red-Bull-Duo mit Problemen: Podium in Ferne gerückt?

Noch vor zwei Tagen war Pellizzari der einzige, der Vingegaards Tempoverschärfung folgen konnte. Einen Kilometer später musste er für diese Anstrengungen bezahlen und wurde von Gall überholt und distanziert.
Trotzdem war man beim deutschen Team sehr zufrieden: Der Italiener und Hindley positionierten sich in Lauerstellung hinter Vingegaard und Gall. Nach der zweiten Bergankunft ist diese Ausgangssituation futsch.
Pellizzari fand sich schon zehn Kilometer vor dem Ziel am hinteren Ende der Favoritengruppe, wurde bei Galls Attacke endgültig abgehängt und ließ schließlich Zeit auf fast alle direkten Konkurrenten liegen. Hindley konnte nur bedingt in die Bresche springen, der Australier wurde Neunter in der Tageswertung und verlor 50 Sekunden auf Vingegaard.
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Schlechter Tag für Red Bull - Pellizzari und Hindley schwächeln

Quelle: Eurosport

Noch ist nichts weiter passiert: Hindley liegt auf Position vier in der Gesamtwertung und damit auf Platz drei der Favoriten. Das Problem könnte aber tiefer liegen: "Man muss vielleicht die ganze Mannschaft beobachten", sagte Eurosport-Experte Rolf Aldag im Velo Club. "Hindley ist nicht unbedingt um Platz zwei mitgefahren, man muss sich also fragen, ob es vielleicht ein Problem im Team gibt, gesundheitlicher Art etwa. Dass einer einen schlechten Tag hat, kann passieren - dass beide Kapitäne nicht da sind, macht mich etwas stutzig."
Der Ruhetag am Montag dürfte für den Raublinger Rennstall genau zur richtigen Zeit kommen.

3. Rosa Trikot verleiht Eulálio Flügel

Liegt Hindley wirklich auf Platz drei der Giro-Favoriten? Afonso Eulálio könnte in der Gesamtwertung ein Wörtchen mitzureden haben. Der Mann in Rosa zeigte bei der zweiten Bergankunft, dass er mehr ist als nur ein Platzhalter für die großen Favoriten.
Am Corno alle Scale wurde er Fünfter - und gewann damit sogar Zeit auf Hindley, Derek Gee-West (Lidl-Trek), das Tudor-Duo Mathys Rondel und Michael Storer, Egan Bernal (Netcompany-Ineos) und Pellizzari.
Abgesehen von Vingegaard und Gall müssen alle Konkurrenten mindestens 4:30 Minuten aufholen. Eulálio konnte im Zeitfahren bisher nicht glänzen, aber er war nie zuvor in einer solchen Situation, auch die ganz großen Alpen-Etappen warten noch. Wo der Portugiese am Ende landet, ist auf Basis seiner bisherigen Ergebnisse nicht vorherzusagen, aber er mausert sich Tag für Tag mehr zu einem echten Konkurrenten.
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Vingegaard nach zweitem Etappensieg mit Sonderlob für Gall und Piganzoli

Quelle: Eurosport

Auch Experte Voigt nimmt den 24-Jährigen ernst: "Er steigt langsam auf zu einem ernsthaften Mitbewerber um eine Podiumsplatzierung. Er verliert ein bisschen Zeit an den Bergankünften, aber nicht allzu viel."
Eulálio wäre nicht der erste Fahrer in der Geschichte, dem das Rosa Trikot Flügel verleiht. 2020 eroberte ein anderer, fast unbekannter Portugiese am Ende der 3. Etappe das Maglia Rosa. 15 Tage trug er das Trikot und wurde schließlich Vierter in der Gesamtwertung. Sein Name: João Almeida.
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Voigt-Analyse zur 9. Etappe: Sonderlob für Österreich-Duo

Quelle: Eurosport


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