Gall lässt sich beim Giro d'Italia auch im Zeitfahren nicht abschütteln - Österreicher hat Podium fest im Blick
VonFelix Mattis
Publiziert 19/05/2026 um 22:54 GMT+2 Uhr
Auch wenn Felix Gall im 42 Kilometer langen Einzelzeitfahren des Giro d'Italia zwischen Viareggio und Massa seinen dritten Gesamtrang abgeben musste: Der in Salzburg lebende Osttiroler schlug sich im völlig flachen Kampf gegen die Uhr besser als von vielen erwartet. So bleibt er eingangs der zweiten Rundfahrt-Woche nah dran an Top-Favorit Jonas Vingegaard und mittendrin im Kampf ums Podium.
Experten analysieren Gall-Zeitfahren: "Es würde mich wundern, wenn ..."
Quelle: Eurosport
"Die letzten 20 Minuten kamen mir ziemlich lang vor. Aber ich habe mein Bestes gegeben und von der Umsetzung her war nicht viel mehr drin", bilanzierte Gall im Ziel des Zeitfahrens am Eurosport-Mikrofon, noch ohne das genaue Ergebnis zu kennen.
Platz 33, bei nur 1:22 Minuten Zeitverlust auf Vingegaard - damit konnte er am Ende sehr gut leben. Einzig Thymen Arensman (Netcompany-Ineos) und Derek Gee-West (Lidl-Trek) nahmen ihm von den Klassementfahrern mit 2:28 beziehungsweise 2:06 Minuten mehr Zeit ab.
Angesichts der Tatsache, dass bei diesem Giro kein weiteres Einzelzeitfahren mehr folgt, eine gute Bilanz für den 28-jährigen Gall, der den Kampf gegen die Uhr nicht wirklich mag.
"Ich bin kein großer Freund vom Zeitfahrrad", hatte er am Ruhetag im Eurosport-Interview gesagt und gleichsam verraten, dass er auf Sizilien im Trainingslager noch an seiner Position gearbeitet hatte.
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Gall exklusiv: "Bin sehr zufrieden mit meiner Form"
Quelle: Eurosport
"In der Vergangenheit hatte ich Schwierigkeiten, überhaupt die Leistung zu bringen. Ich glaube, das haben wir in den Griff gekriegt. Laut den Tests sitze ich jetzt komfortabler und bin trotzdem etwas schneller", meinte er zufrieden.
Am Blockhaus 6,4 Watt pro Kilo für 40 Minuten
24 Stunden später zeigte sich das auch auf der Straße. Der völlig flache Parcours an der toskanischen Küste hätte Gall in den vergangenen Jahren wohl deutlich größere Zeitverluste beschert.
Doch der Tiroler ist momentan eben in Top-Form, was er zuletzt auch an seinen Leistungsdaten belegen konnte.
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Felix Gall im Einzelzeitfahren beim Giro d'Italia
Fotocredit: Getty Images
"Am Blockhaus war es schon sehr, sehr gut: knapp unter 40 Minuten mit 6,4 Watt pro Kilo – etwas über 420, 425 Watt oder so. Das nach einem langen Renntag mit ordentlicher Vorbelastung, so etwas habe ich bisher in meiner Karriere noch nicht geleistet", sagte er am Montag und bestätigte auf Nachfrage, dass er sich in der besten Form seines Lebens befinde.
Eine Form, die ihn am Ende des Giros in Rom aufs Podium hievt? Momentan sieht viel danach aus. 27 Sekunden fehlen Gall nach zehn von 21 Etappen auf den dritten Gesamtrang von Arensman und beim aktuellen Spitzenreiter Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) geht man davon aus, dass er sich nicht bis zum Schluss in den Spitzenrängen hält.
Vingegaard scheint mit 1:57 Minuten Vorsprung auf den Österreicher bereits weit weg - doch auch das ist nicht unmöglich, sollte der Däne ins Straucheln kommen.
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Gall im Interview nach Bergankunft: "Sehr, sehr zufrieden"
Quelle: Eurosport
Die Bergankunft am Blockhaus am vergangenen Freitag und auch jene am Sonntag am Corno alle Scale haben jedenfalls gezeigt: Wenn Vingegaard Gas gibt, kann nur einer auf Tuchfühlung bleiben - Gall.
Bei den harten Beschleunigungen des Top-Favoriten ging der Österreicher zwar nicht mit, danach aber hatte er das Kletter-Grundtempo des Dänen durchaus drauf und fuhr schneller bergauf als alle anderen.
"Mehr Höhentrainingslager, weniger Rennen und immer gesund"
"Ich bin schon ein bisschen überrascht und glaube, dass ich nochmal einen Schritt gemacht habe in meiner Leistungsentwicklung. Woran es genau liegt, weiß ich auch nicht", so Gall und überlegte: "ich habe mehr Höhentrainingslager gemacht, bin weniger Rennen gefahren und war immer gesund."
Angesichts der schweren Hochgebirgsetappen, die gegen Ende des Giros häufiger werden, braucht sich Gall daher nicht fürchten. Je länger, höher und steiler die Berge, desto besser für ihn. Das unterstreicht auch sein Tour-de-France-Etappensieg 2023, als es über den brutalen Col de La Loze zum Altiport von Courchevel ging.
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Mühlberger von Gall begeistert: "Er kommt immer näher"
Quelle: Eurosport
Besonders die Etappen 14 nach Pila, 16 nach Cari, 19 nach Alleghe und 20 nach Piancavallo kommen dem Kletterspezialist daher entgegen.
Kritischer wird es dagegen auf Teilstücken wie dem elften am Mittwoch: Das wird nach dem Zeitfahren gleich die nächste unangenehme Prüfung für den 28-Jährigen, mit kürzeren Steigungen auf technischen Sträßchen vorbei an La Spezia durch die Cinque Terre nach Chiavari.
Und auch die 13. Etappe am Freitag nach Verbania könnte zur Stolperfalle werden mit ihrer einem Sprintfinale ähnlichen Anfahrt auf zwei kurze Rampen im Finale am Lago Maggiore.
Enger Kampf um die Podestplätze
Das alles gilt für die anderen "Bergflöhe" in den Top 10 dieses Giros genauso. Gall ist mittendrin im Kampf ums Giro-Podium, hat aber mit Arensman, O'Connor, Gee-West, Jai Hindley, Giulio Pellizzari (beide Red Bull-Bora-hansgrohe) und Michael Storer sowie Mathys Rondel (beide Tudor) eine ganze Armada an Fahrern gegen sich, deren Stärken ähnlich gelagert sind.
Arensman auf Platz drei und Pellizzari auf Rang neun der Gesamtwertung trennen dabei aktuell nur 1:39 Minuten - eine Winzigkeit bei einer dreiwöchigen Rundfahrt.
"Es ist noch eine Momentaufnahme, wir haben nicht mal die Hälfte geschafft", sagte Gall schon am Montag mit Blick auf seine gute Platzierung - und daran hat sich auch am Dienstag nichts geändert. "Aber es läuft sehr, sehr gut."
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Giro-Strecke: Profil der 11. Etappe - eine Chance für die Ausreißer
Quelle: Eurosport
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