Giro d'Italia 2026: Sturz-Chaos auf Ansage - Fahrer kritisieren Streckenwahl im Finale der 6. Etappe in Neapel
VonFelix Mattis
Publiziert 14/05/2026 um 22:12 GMT+2 Uhr
Der Giro d'Italia und Neapel haben eine besondere Beziehung: Zwischen 1979 und 2022 war die Italien-Rundfahrt nur zwei Mal zu Gast. Seit 2022 aber erlebt die Pizza-Hauptstadt beim 'Corsa Rosa' eine Renaissance: Sie war nun beim 109. Giro zum fünften Mal in Folge Etappenziel. Doch die Ankunft auf Etappe 6 hat nicht unbedingt dazu beigetragen, dass sich der Ruf der Stadt im Peloton verbesserte.
Highlights: Regentropfen verhindern Sprinter-Showdown in Neapel
Quelle: Eurosport
"Neapel ist vielleicht die Sprinter-Hauptstadt, aber wohl auch bekannt als die Sturz-Hauptstadt", sagte Tobias Lund Andresen (Decathlon-CMA CGM) bereits vor dem Start in Paestum am Eurosport-Mikrofon.
Der Däne konnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, was am Spätnachmittag passieren würde. Klar. Doch es zu erahnen, das war alles andere als schwer.
Beim Blick auf die Übersichtskarte für die Zielankunft im 'Garibaldi', dem Roadbook des Giro d'Italia, mussten sich die Nackenhaare unweigerlich aufstellen:
Anstatt, wie in den Vorjahren, das Ziel direkt ans Hafenbecken auf eine lange Gerade zu legen, ging es auf den letzten 700 Metern um zwei enge Kurven und auf Kopfsteinpflaster sowie dann hinauf zur Piazza del Plebiscito.
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Zu viel Spektakel? Kritik an Streckenführung im Finale
Quelle: Eurosport
"Jeder weiß: Die Straßen in Neapel sind brutal glatt. Jetzt haben wir auf den letzten 400 Metern noch Kopfsteinpflaster und eine 180-Grad-Kurve. Heute hofft jeder, dass es trocken bleibt", warnte auch Pascal Ackermann (Jayco-AlUla) bereits vor dem Start. Und die Liste derer, die sich sorgten, ging unendlich weiter.
Drama für Unibet und Groenewegen in der letzten Kurve
Was dann rund dreieinhalb Stunden später passierte, durfte niemand überraschen: Während das Peloton am Hafenbecken entlang rauschte, begann es leicht zu tröpfeln.
Und als Elmar Reinders das Rennen dann über das leicht angefeuchtete Pflaster in den U-Turn am Fuße der ansteigenden Zielgeraden hineinführte, passierte, was passieren musste: Der Sprint-Anfahrer von Dylan Groenewegen rutschte weg, auch sein Kapitän kam direkt hinter ihm zu Fall und als Kettenreaktion erging es vielen weiteren genauso.
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Sturz-Drama um Groenewegen im Kopfsteinpflaster-Finale
Quelle: Eurosport
"Es war ein bisschen glatt, denke ich", lachte Groenewegen später am Eurosport-Mikrofon leicht sarkastisch auf die Frage, was passiert sei. Für den Niederländer war es extrem bitter: Sein Team hatte ein perfektes Leadout gefahren und Groenewegen wäre als Erster auf die ansteigende Zielgerade eingebogen.
Ob er gewonnen hätte, das steht auf einem anderen Blatt, wenn man bedenkt, wie stark Paul Magnier zu Platz drei spurtete, obwohl er wegen des Sturzes stark bremsen und über Groenewegen drüberhüpfen musste, bevor er wieder neu beschleunigen konnte. Besonders frustriert zeigte sich Jonathan Milan, der hinter Groenewegen ebenfalls zu Fall kam und sich nur gerade so noch abfangen konnte, um nicht ebenfalls aufs Pflaster zu stürzen.
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Milan: "Verstehe wirklich nicht, warum wir solche Ankünfte suchen"
Quelle: Eurosport
Scharfe Kritik von Milan und Ackermann
"Es war nicht ihr Fehler", nahm er Reinders und Groenewegen sofort aus der Verantwortung und kritisierte die Giro-Organisatoren:
"Wir wissen, dass es auf dieser Art Kopfsteinpflaster bei Regen extrem rutschig werden kann. Ich weiß wirklich nicht, warum wir so komplizierte Ankünfte aufsuchen müssen. Ich verstehe es wirklich nicht! Man wusste, dass es regnen könnte und um sicherzugehen, hätten wir vielleicht wie vor einigen Jahren auf einer Geraden ankommen können. Aber so haben zwei Tropfen Wasser ein großes Chaos verursacht. Vielleicht wird das für etwas Hype gemacht - ich kapiere es wirklich nicht."
Dem schloss sich auch Ackermann an: "Eigentlich wussten wir vorher schon: Es ist 70 zu 30, dass wir nicht durchkommen. Wir haben alle schon gefragt, ob das sein muss", meinte er im Gespräch mit dem Eurosport-Experten Jens Voigt. "Aber das Spektakel ist wieder da - sie haben uns stürzen sehen. Ich weiß nicht, ob wir das brauchen."
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Ackermann: "Spektakel - ich weiß nicht, ob wir das brauchen"
Quelle: Eurosport
Chaos auf Ansage war das, was der Giro in Neapel erlebte. Die Straßen der Region sind bekannt dafür, dass sie selbst im Trockenen glatt sind und im Nassen eben umso schlimmer werden - und die in der Stadt selbst erst recht.
Immer wieder Chaos in Neapel
2024 sorgten die schlechten Straßen auf einigen Hügeln auf einer Schlussrunde in Neapel, selbst im Trockenen für Chaos. Und im vergangenen Jahr kam es auf dem Weg nach Neapel im Regen zum Massensturz, der das Ende der Karriere als Straßenprofi für Juri Hollmann bedeutete. Unter Berücksichtigung dieser Geschichte auf eine Sprintankunft auf Kopfsteinpflaster zu setzen, war eine riskante Wette.
"Der Platz hier oben ist natürlich sehr schön und ich verstehe daher schon, warum sie das Ziel hier haben wollten", meinte Voigt in seiner Etappen-Analyse und versuchte etwas Verständnis für die Veranstalter aufzubringen. "Es ist immer eine Gratwanderung, eine Abwägung zwischen den touristischen Attraktionen, um die Stadt von der schönsten Seite zu zeigen, und der Sicherheit der Fahrer."
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Voigt-Analyse zur 6. Etappe: "Man hätte einen Plan B haben können"
Quelle: Eurosport
Gleichzeitig aber befand auch er: "Es ist nicht das erste Mal, dass wir in Napoli ankommen und auch nicht das erste Mal, dass wir im Regen ankommen - man hätte schon einen Plan B haben können. 1,5 oder 2 Kilometer vor dem Ziel war diese wunderbare alte Burg oder der Wachturm, direkt an der Straße. Man hätte ja sagen können: Wenn es regnet, machen wir da das Ziel."
Ob das so kurzfristig noch hätte umgesetzt werden können, ist fraglich. Doch dann hätte das Ziel an der Piazza del Plebiscito wohl auch gar nicht erst Plan A sein dürfen.
Es ist schon ironisch, dass ausgerechnet am "Platz der Volksabstimmung" - hier wurde am 21. Oktober 1860 für den Beitritt zum Königreich Italien gestimmt - so wenig aufs Volk, das Peloton, geachtet wurde.
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Velo Club: So ist das Protokoll bei Kopfverletzungen
Quelle: Eurosport
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