Mark Cavendish exklusiv: "Der Sprint ist eine gefährdete Disziplin"

Sprintstar Mark Cavendish sorgt sich um seine Disziplin: Im Eurosport-Interview beklagt er, dass viele Rennveranstalter die Zahl der Massensprints reduzieren würden. Außerdem spricht der 30-fache Etappensieger bei der Tour de France über Rivalen, seine neue Mannschaft, den deutschen Teamkollegen Phil Bauhaus - und darüber, wie sehr er seinen engsten Freund im Peloton, Bernhard Eisel, vermisst.

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Fotocredit: Eurosport

Nach mehreren von Stürzen, Verletzungen und Krankheiten geprägten Jahren will es Mark Cavendish 2020 noch einmal wissen. Mit seinem neuen Team Bahrain McLaren will er an alte Erfolge anknüpfen und hat den Rekord an Etappensiegen bei der Tour de France weiter im Hinterkopf: Mit bislang 30 Erfolgen liegt er nur noch hinter Eddy Merckx (34 Siege), doch die Tour de France 2020 bietet den Sprintern nur verhältnismäßig wenige Chancen.
Eine Entwicklung, die der 34-Jährige kritisch sieht:
An seinem Ehrgeiz ändert das aber nichts. Siege waren, sind und bleiben seine große Motivation: "Seit dem Start meiner Karriere habe ich nichts anders als Siege gekannt, war immer Teil eines Teams mit vielen Erfolgen. Aber ich habe die letzten drei Jahre aufgrund diverser Probleme verpasst. Ich liebe es, zu siegen - nicht nur auf dem Rad, sondern bei allem was ich tue. Ich habe diese Leidenschaft und egal ob ich oder ein Teamkollege als Erster über die Linie fährt - genau um diese Momente geht es mir."
Bei seinem ersten Rennen bewies Cavendish gleich, dass es ihm mit dieser Aussage ernst war, mit einem cleveren Manöver verhalf er Phil Bauhaus bei der Saudi Tour zum Etappensieg:
Bauhaus war danach begeistert vom Manöver des Routiniers, er habe "noch nie so viel Cleverness in einem Sprint erlebt", lobte er den Briten für seine Vorarbeit. Cavendish fand seinerseits höchst lobende Worte für den 25-Jährigen: "Phil ist ein unglaublich talentierter Fahrer, der weitaus vielseitiger ist als ich. Er kommt über Anstiege, die ich wahrscheinlich nicht unbedingt meistern würde. Wir sind schon gut miteinander ausgekommen, bevor wir überhaupt Teamkollegen wurden. Wir arbeiten sehr gut zusammen und was ein gutes Team ausmacht, ist das Ziel, als Team zu gewinnen, mehr noch denn als einzelner Fahrer. Denn am Ende ist der Radsport ein Mannschaftssport:
Der Weltmeister von 2011 ist für seine intensive Beobachtung der Konkurrenz bekannt, doch aus der Riege der vielen jüngeren Topsprinter will er keinen Rivalen herausheben. "Es ist mein Job, andere Fahrer und ihre Teams zu studieren und aus der Analyse ihrer Taktik Vorteile zu ziehen. Aber man darf sich keine Sorgen wegen einzelner Fahrer machen, das kostet einen nur den Fokus auf das große Ziel, den Sieg. Wenn sich A und B belauern, holt sich sonst vielleicht C den Sieg."
Cavendish kann bei seiner Jagd nach Siegen im neuen Rennstall auf ein erstklassiges Setup bauen: Sein langjähriger Coach Rod Ellingworth heuerte ebenfalls dort an, und in Marcel Sieberg, Heinrich Haussler, Marco Haller und Bauhaus hat der "Manxman" eine erstklassige Sprinttruppe an seiner Seite. "Wir sind viele Fahrer, die man alt nennen könnte - ich würde uns eher als erfahren bezeichnen. Wir kennen uns sehr genau - Heinrich Haussler etwa war jahrelang ein großer Rivale", so Cavendish, der die Mannschaft in höchsten Tönen lobt:
"Die Stimmung ist richtig gut, nicht nur auf dem Rad, sondern auch drumherum. Wir haben eine enge Verbindung miteinander hier - nicht nur ein paar Leute untereinander, sondern das ganze Team. Das macht mich unglaublich glücklich, dass wir hier als Freunde unterwegs sind."
Sein engster Weggefährte im Peloton ist allerdings in der Saison 2020 nicht mehr an Cavendishs Seite: Der Österreicher Bernhard Eisel beendete seine Karriere und verfolgt die Auftritte seines Trauzeugen nun aus Distanz statt aus nächster Nähe:
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