Cambridge-Absolventin, promovierte Mathematikerin der Polytechnischen Universität Katalonien, amtierende österreichische Meisterin im Zeitfahren und jetzt Olympiasiegerin.
Anna Kiesenhofer hat sich im Laufe ihres Lebens viele Titel verdient. Nicht zuletzt mit ihrem sensationellen Erfolg im Straßenradrennen bei den Olympischen Spielen in Tokio.
"Es ist noch schwer zu begreifen. Wenn man bei den Interviews wiederholt, dass man Olympiasiegerin ist, dann wird es ein bisschen mehr wahr. Ich glaube, das ist die schwerste Medaille, die ich jemals um meinen Hals hatte", sagte die 30-Jährige dem "ORF" und fügte hinzu: "Heute hat einfach alles gepasst. In einem Straßenrennen spielt immer der Faktor Glück eine große Rolle. Ich hatte den Mut zu attackieren und war am Ende die Stärkste unter den Ausreißerinnen."
Olympia - Radsport
Nach 6176 Tagen: Kiesenhofer holt Gold für Österreich
25/07/2021 AM 08:24
Der Triumph der Außenseiterin kam völlig unerwartet. Kiesenhofer hat seit 2017 keinen Profivertrag mehr und trainiert ohne Coach.

Olympia 2021: Kiesenhofer litt unter Depressionen

2016 konnte sie die Radsport-Öffentlichkeit erstmals auf sich aufmerksam machen. Damals kam sie mit einem frisch abgeschlossenen Studium aus Cambridge nach Barcelona, wo sie in angewandter Mathematik promovierte.
Kiesenhofer gewann als Amateurradfahrerin mit ihrem damaligen Team "Frigoríficos Costa Brava-Naturalium" den spanischen Pokal und schaffte mit einem Sieg auf der Etappe des legendären Mont Ventoux bei der Tour International de l'Ardeche den Sprung zu einem neuen Team (Lotto Soudal) und damit zu den Profis.
Nach nur einer einzigen Saison bei Lotto Soudal entschied sich die heutige Olympiasiegerin dafür, sich auf unbestimmte Zeit vom Radsport zurückzuziehen. Die extrem hohen Anforderungen des Leistungssports bestärkten eine wachsende Depression. Physisch hatte Kiesenhofer mit einer Amenorrhö und Osteoporose zu kämpfen.
Daher entschied sich die Österreicherin dafür, ihre andere Leidenschaft Mathematik weiter zu verfolgen. Sie nahm ihr Studium wieder auf und wurde sogar Universitätsdozentin.

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Olympia 2021: Kiesenhofer kämpft sich zurück aufs Rad

Den Radsport gab die spätere Olympiasiegerin allerdings nie auf und konnte ihren Lehrberuf mit Radtouren in ihrer Freizeit verbinden. Neben der Organisation von einigen Touren in Lausanne (Schweiz) ging ihr Weg allmählich wieder in Richtung Profikarriere.
Kiesenhofer begann damit, ihre beiden Leidenschaften zu verbinden. Sie wollte ihr volles Potenzial ausschöpfen.
Mit langen Trainingstagen auf dem Zeitfahrrad und aufwendigen Datenanalysen schaffte es die Österreicherin, ihre ganz eigene Karriere abseits der Elite aufzubauen. 2019 sollte es dann endlich wieder in einen Wettkampf gehen. Kiesenhofer kehrte auf die Bühne des Radsports zurück und holte sich als erste Amtshandlung die Österreichische Meisterschaft im Zeitfahren und im Straßenrennen.
Beflügelt durch diese Erfolge konnte sie den Titel im Zeitfahren 2020 und 2021 verteidigen und konnte sich kaum vor Angeboten der Profi-Teams retten.

Anna Kiesenhofer bejubelt ihren Gold-Coup im Straßenrennen

Fotocredit: Getty Images

Olympia 2021: Kiesenhofer feiert ihr Meisterwerk

Doch Kiesenhofer hatte nur ein Ziel: Die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.
Die Österreicherin erkannte im Olympischen Straßenradrennen der Frauen 40 Kilometer vor dem Ziel ihre Chance und setzte zum Angriff an. Niemand konnte ihr folgen. Die vielen Trainingseinheiten auf dem Zeitfahrrad zahlten sich anschließend aus, Kiesenhofer stürmte als Solistin zur Goldmedaille.
Völlig erschöpft, weinend und lachend auf dem Boden liegend, feierte Kiesenhofer nach der Ziellinie der Fuji-Rennstrecke ihr Meisterwerk. Die 30-Jährige konnte nicht glauben, was sie geleistet hatte.
Trotz vieler gesundheitlicher Rückschläge hat Kiesenhofer ihren Olympischen Traum immer weiter verfolgt. Am Ende krönte die Radsport begeisterte Universitätsprofessorin diesen mit dem Olympiasieg.

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Highlights: So stürmte Kiesenhofer zum Sensationsgold

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