Paris-Roubaix 2024 - Debatte um Schikane vor Wald von Arenberg: Mathieu van der Poel irritiert - Jens Voigt reagiert
Bereits am Mittwoch hatten es die Veranstalter angekündigt, jetzt ist es offiziell: Die Einfahrt in die berühmt-berüchtigte Kopfsteinpflaster-Passage des Waldes von Arenberg beim Klassiker Paris-Roubaix wird entschärft. Eine Schikane soll die Geschwindigkeit der Fahrer vor dem Teilabschnitt verringern. Doch wird das Rennen dadurch wirklich weniger gefährlich? Eurosport-Experte Jens Voigt reagiert.
Paris-Roubaix: Geschichte(n) aus der Hölle des Nordens
Quelle: Eurosport
Mit der Schikane ist eine 180-Grad-Kurve um die Spitze einer Verkehrsinsel direkt vor der Einfahrt in den Sektor gemeint.
Sie soll dafür sorgen, dass die Fahrer, die sich zu diesem Teil des Rennens meist noch in einer großen Gruppe befinden, nicht mit Geschwindigkeiten von 60 km/h auf den Pavé-Abschnitt schießen. Dadurch soll "das Risiko von Stürzen auf dem Kopfsteinpflaster" verringert werden, wie die Veranstalter in den sozialen Medien mitteilten.
Mit dem Wald von Arenberg, einem 2400 m langen und schnurgeraden Kopfsteinpflaster-Abschnitt, beginnt rund 95 km vor dem Ziel die entscheidende Phase der "Hölle des Nordens".
In der Einfahrt spitzt sich der Positionskampf erfahrungsgemäß besonders zu. Kommt es dort nämlich zu einem Sturz, können alle, die hinter den Gefallenen liegen, meist nicht mehr um den Sieg in Roubaix mitkämpfen. "Deshalb wollen alle so schnell fahren und nach vorne kommen", erklärt Eurosport-Experte Jens Voigt im exklusiven Interview: "Denn umso weiter vorne du bist, umso sicherer ist es."
Van der Poel: "Ist das ein Witz?"
Doch nicht bei allen Profis scheint die Maßnahme gut anzukommen. Mathieu van der Poel, Sieger der Flandern-Rundfahrt am vergangenen Sonntag und Vorjahressieger in Roubaix, kommentierte ein Videoaufnahme von der Schikane auf "X" mit den Worten: "Ist das ein Witz?"
Kritik, die viele User in den sozialen Netzwerken teilen.
"Die vorherrschende Meinung ist, dass das Sturzrisiko vom Pavé-Stück einfach in die Schikane vorverlegt wurde", so Voigt: "Ob die jetzt alle darum kämpfen, unter den Top Ten in den Arenberg reinzufahren oder in die Schikane reinzufahren? Es wird trotzdem enger."
Voigt: "Verstehe die Intention"
Dennoch kann der 52-jährige Ex-Profi, der in seiner Karriere mehrfach die "Königin der Klassiker" fuhr, den Schritt verstehen. "Es ist vielleicht nicht perfekt umgesetzt, aber ich verstehe die Intention."
Voigt selbst erlebte an dieser Stelle schon Dramatisches.
"Ich bin einmal im Regen in den Wald von Arenberg gefahren. Da waren wir unfassbar schnell, das war fast wie ein Zielsprint. Ich dachte, naja wir sind hier 30 Fahrer, was drängeln die denn alle so? Es ist doch Platz für alle", erzählt Voigt: "Ich fahre also circa an Position 20 rein. Vor mir stürzt an Position zehn Philippe Gaumont und zieht sich einen Oberschenkelhalsbruch zu. Ich wollte mit meinem Rad in der Hand über sein kaputtes Rad hinüberklettern, schaue dabei nach unten und Gaumont schreit. Der Winkel, in dem sein Oberschenkel stand, sah nicht normal aus. Das war krass."
Schwere Stürze schocken Radsport-Welt
Adam Hansen, Präsident der Fahrervereinigung CPA (Cyclistes Professionnels Associés), betonte zudem, dass der Antrag für die Maßnahme auf Wunsch der Fahrer gestellt wurde.
Jüngst war im Radsport aufgrund einer Reihe von heftigen Unfällen wieder verstärkt über das Thema Sicherheit diskutiert worden. Bei einem bösen Massensturz bei "Quer durch Flandern", das auch teilweise auf Kopfsteinpflaster ausgetragen wird, hatte sich Wout van Aert schwer verletzt, mit multiplen Knochenbrüchen fällt er für den Rest der Frühjahrs-Klassiker aus.
Bei der Baskenland-Rundfahrt waren zudem die Top-Stars Primoz Roglic, Jonas Vingegaard und Remco Evenepoel in einen heftigen Crash verwickelt.
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Schwerer Massensturz mit Vingegaard, Evenepoel, Roglic
Quelle: Eurosport
Vingegaard erlitt dabei ein gebrochenes Schlüsselbein, mehrere gebrochene Rippen, eine Lungenquetschung sowie einen Pneumothorax. Evenepoel brach sich das rechte Schlüsselbein und Schulterblatt. Roglic kam ohne Brüche glimpflich davon.
Weitere Fahrer erwischte es teilweise noch heftiger.
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Fataler Sturz im Favoritenfeld! Van Aert schwer gezeichnet
Quelle: Eurosport
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