Bradley Wiggins verteidigt Dylan Gronewegen nach Crash mit Fabio Jakobsen

Der ehemalige Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins hat Dylan Groenewegen nach dessen folgenschwerer Kollision mit Fabio Jakobsen auf der ersten Etappe der Polen-Rundfahrt verteidigt. "Viele Sprinter kreuzen nicht absichtlich. Es ist ein natürlicher Instinkt, wenn jemand von der Seite kommt", erklärte der 40-Jährige exklusiv im Eurosport-Podacast "The Bradley Wiggins Show".

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"Als ich die Szene gesehen habe, dachte ich sofort an ein 100-Meter-Rennen in der Leichtathletik. Viele Sprinter laufen dort mit gesenktem Kopf und sind sich ständig bewusst, dass ein Konkurrent auftauchen könnte. Manchmal neigt man auf natürliche Weise dann dazu, leicht zur Seite abzudriften - so wie es Groenewegen getan hat", führte der fünffache Olympiasieger in seinem Podcast weiter aus.
Dylan Groenewegen hatte Landsmann Fabio Jakobsen auf der ersten Etappe der Polen-Rundfahrt im Zielsprint bei einer Geschwindigkeit von über 80 km/h ins Absperrgitter gedrückt. Der 23-Jährige stürzte daraufhin schwer und musste aufgrund seiner schweren Verletzungen mehr als fünf Stunden operiert werden. Zwei Tage später erwachte Jakobsen schließlich aus dem künstlichen Koma.

Wiggins: "Es muss etwas getan werden"

Bradley Wiggins sieht nach dem folgenschweren Unfall akuten Handlungsbedarf. "Es muss etwas getan werden, anstatt nur die Fahrer zu disqualifizieren. Jemand wie Groenewegen muss jetzt mit den Konsequenzen leben, obwohl niemand im Peloton einem anderen Fahrer so etwas mit Absicht antut", bekräftigte er.
Der 40-Jährige hat dabei seinen ganz eigenen Lösungsansatz, wie etwaige Stürze in Zukunft verhindert werden könnten.
"Es wäre hilfreich, besonders auf den letzten 50 Metern, eine Art Markierung auf der Straße anzubringen, damit die Sprinter wissen, wo Sie sich befinden. Wenn sie wüssten, dass sich Linien unter ihrem Lenkrad befinden und sie disqualifiziert werden, wenn sie diese passieren, würden sie wahrscheinlich zurückziehen", so Wiggins.

Wiggins kritisiert Weltverband UCI scharf

Indes hat der Weltverband UCI unlängst Maßnahmen gegen den Unfallverursacher eingeleitet und den Niederländer für sein Vorgehen scharf attackiert. Der Fall sei zudem sofort für weitere Sanktionen an die Disziplinar-Kommission weitergeleitet worden.
Zuletzt kursierten sogar Gerüchte, dass Groenewegen auf Lebenszeit vom Radsport ausgeschlossen werden könnte. Wiggins kritisierte jenen Vorschlag genauso wie das Statement des Weltverbandes.
"Wie wäre es mit ein bisschen Empathie vonseiten der UCI, bevor sie anfangen, sich mit diesem und jenem zu beschäftigen", polterte der Eurosport-Experte und ergänzte:
"Diese Aussagen waren einfach lächerlich. Als ob sich Groenewegen nicht schlecht genug fühlen würde. Immerhin lag ein anderer Fahrer im Koma. Wenn die UCI die beste Entscheidung für alle gefällt hat, denke ich, dass auch ein wenig Mitgefühl zeigen und die Sache für eine Weile ruhen lassen wird."

"Gronewegen hatte nicht die Absicht, jemanden zu verletzen"

Der Tour-de-France-Sieger von 2012 hat auch für jene Problematik einen Ansatz: "Das Beste für den Radsport wäre, wenn beide bei voller Gesundheit auf einer Rennstrecke starten und sich vor dem Hauptfeld die Hände schütteln würden. Das ist, was der Sport in der aktuellen Situation braucht."
Auch die Radsport-Moderatorin Laura Winter zeigte im Eurosport-Podcast "The Bradley Wiggins Show" sowohl für Jakobsen als auch für Unfallverursacher Gronewegen Mitgefühl.
"Jakobsen muss sich jetzt mit den Verletzungen auseinandersetzen und hat einen langen und beschwerlichen Weg zur Genesung vor sich. Es tat mir aber für beide Fahrer wirklich leid, weil Groenewegen nicht absichtlich rausgegangen ist, um einen anderen Fahrer zu verletzen. Ja, er ist von seiner Linie abgewichen, aber er hatte nicht die Absicht, jemandem Schaden zuzufügen", sagte die Journalistin und betonte:
"Groenewegen muss nun für den Rest seines Lebens mit diesem Vorfall leben. Dieser Vorfall wird für immer eine Fußnote in seiner Karriere sein. Er wird für immer derjenige sein, der diesen Unfall bei der Polen-Rundfahrt verursacht hat. Dies wird von nun an immer ein Teil seines Lebens sein und er muss sich damit abfinden."
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