Flandern-Rundfahrt: Wout Van Aert sucht die Form - wo steht er im Vergleich mit Mathieu van der Poel und Tadej Pogacar
VonJan Zesewitz
Update 02/04/2025 um 10:21 GMT+2 Uhr
Wout Van Aert gilt als die ultimative "eierlegende Wollmilchsau" im Radsport. Er gewinnt im Zeitfahren, im Sprint, in Klassikern, im Hochgebirge - der Belgier kann alles. In dieser Saison hat er diese Qualität noch nicht gefunden, während seine Konkurrenten Topleistungen abliefern. Vor den Höhepunkten des Frühjahrs kehrt er zum Rennen seines schweren Sturzes aus dem Vorjahr zurück.
Fataler Sturz im Favoritenfeld! Van Aert schwer gezeichnet
Quelle: Eurosport
Bei Dwars door Vlaanderen zog sich Van Aert ein gebrochenes Schlüsselbein, gebrochene Rippen und ein gebrochenes Brustbein zu. Neben einer langen Pause zerstörte der Sturz seine Saisonhöhepunkte: Flandern-Rundfahrt, Paris - Roubaix, das geplante Debüt beim Giro d'Italia - der Visma-Lease a Bike-Allrounder konnte bei all diesen Rennen nur zusehen.
In diesem Frühjahr war der Belgier nicht verletzt und doch war er bisher mehr Zuschauer bei den großen Shows seiner Konkurrenten wie Tadej Pogacar, Mathieu van der Poel und zuletzt Mads Pedersen.
Bei einigen dieser Gala-Auftritte war Van Aert gar nicht an der Startlinie. Sein Team und er entschieden sich nach seiner kurzen Cyclocross-Saison für ein Höhentrainingslager. Er verpasste die Strade Bianche und Mailand - Sanremo - Rennen, die er in der Vergangenheit gewann - und konzentrierte sich im Höhentrainingslager voll auf die Kopfsteinpflaster-Klassiker.
Bisher ohne Erfolg: Bei den beiden Rennen über das "Openingsweekend" wurde er Elfter (Omloop Nieuwsblad) und 75. (Kuurne - Brüssel - Kuurne). Während der E3 Classic war er von der Entscheidung mit Van der Poel, Filippo Ganna und Pedersen weit entfernt. Er erreichte das Ziel als 15. mit fast drei Minuten Rückstand auf seinen großen Rivalen aus den Niederlanden.
Der Traum vom Monument-Sieg rückt in weitere Ferne
Dwars door Vlaanderen (Mittwoch, 14:15 Uhr live auf Eurosport und discovery+) ist traditionell das letzte Vorbereitungsrennen auf die Flandern-Rundfahrt am Sonntag (9:45 Uhr live auf Eurosport und discovery+), eine Woche darauf folgt Paris - Roubaix. Van Aert ist keiner der am häufigsten genannten Namen auf einen Sieg bei einem der beiden Monumente.
Auch nicht bei Johan Museeuw, selbst je dreifacher Sieger der "Ronde" und von Roubaix. "Roubaix liegt ihm besser als Flandern", sagte er gegenüber der belgischen "Wielerrevue". "Van der Poels Explosivität ist aktuell viel höher als Van Aerts, aber das ist in Roubaix nicht so wichtig. Aber darüber sollten wir noch gar nicht sprechen, wenn Wout bei der Ronde nicht in Topform ist, dann ist aus Sicht von Visma-Lease a Bike etwas schiefgelaufen.
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Wout Van Aert wartet noch auf seinen ersten Sieg in dieser Saison
Fotocredit: Getty Images
Das Fazit der belgischen Radsportlegende fiel daher ernüchtert aus: "Da es im Radsport keine Wunder gibt, glaube ich nicht, dass Van Aert innerhalb von einer Woche viel besser wird." Also: Wer auf den großen Rivalen zehn Tage vor dem wichtigsten Rennen drei Minuten verliert, dreht dieses Verhältnis nicht so schnell um, auch nicht ein Superstar wie Wout Van Aert.
"Jeder hofft darauf, ein Monument zu gewinnen, aber bald wird er froh sein, Zweiter oder Dritter zu werden", sagte Ex-Profi Thomas Dekker über den Belgier im "Live Slow, Ride Fast"-Podcast. "Und wenn das zur Gewohnheit wird, hat sich seine Karriere in eine andere Richtung bewegt.
Nur noch zweite Geige bei den großen Duellen
Aktuell sieht es so aus, als ob der 30-Jährige einen Schritt hinter seinen Konkurrenten zurück ist. Die lange propagierte Rivalität zwischen ihm und Van der Poel verlief zuletzt arg einseitig, das Aufkommen von Pogacar bei Eintagesklassikern rückte Van Aert weiter in den Hintergrund.
Der Niederländer gewann in seiner Karriere bisher sieben Monumente, Van Aert nur eines. Auch bei den Cross-Weltmeistertiteln wurde der Belgier abgehängt, da steht es sieben zu drei für Van der Poel. Das letzte Mal, dass das Ergebnis bei einem Eintagesrennen umgekehrt wurde, war bei der E3 Classic 2023, da gewann "WVA" einen Sprint gegen den Niederländer und den Pogacar.
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Fataler Sturz im Favoritenfeld! Van Aert schwer gezeichnet
Quelle: Eurosport
Zur Wahrheit gehört auch, dass die Karriere Van Aerts eine andere Richtung eingeschlagen hat als jene von Van der Poel. Die Verletzung im vergangenen Jahr nahm ihn aus der Verlosung für die Frühjahrsklassiker, bei der Tour de France war er noch nicht in Bestform und sammelte trotzdem eine Reihe von Top-Platzierungen ein, wenn auch ohne Etappensieg.
Bei der Vuelta a Espana erreichte er im Herbst wieder seine endgültige Form. Er gewann drei Etappen, zerlegte die Konkurrenz fast nach Belieben und war auf dem besten Weg, sowohl das Punkte- als auch das Bergtrikot zu gewinnen. Es folgte der nächste schwere Sturz wenige Tage vor dem Ende der Rundfahrt und eine damit verbundene verspätete Vorbereitung auf die Cross- und Straßenradsaison.
Van Aert hat sein Ausnahmekönnen schon bewiesen
Bei der Vuelta hat Van Aert gezeigt, dass noch immer auf jedem Terrain mit ihm zu rechnen ist. Sein Palmarès sieht auf seine Weise einzigartig aus: Er gewann das Grüne Trikot bei der Tour de France mit Rekordpunktzahl. 2021 gelang ihm das Kunststück, erst die Etappe über den Mont Ventoux zu gewinnen, dann ein Einzelzeitfahren und einen Tag später den Sprint auf den Champs-Elysées.
Er gewann neun Tour-Etappen, ist einer der besten Zeitfahrer der Welt - schon mit 30 Jahren gehören die letzten sechs Jahre der Karriere des Belgiers recht weit oben auf den Radsport-Olymp. Nur bei den Kopfsteinpflaster-Klassikern in seiner Heimat wollte ihm der große Coup noch nicht gelingen.
"Ich weigere mich, ihn abzuschreiben", sagte Ex-Profi und Trainingspartner Jan Bakelants gegenüber "Het Laatste Nieuws". "Mir ist positiv aufgefallen, dass er einen sehr entspannten Eindruck macht, während der Druck um ihn herum zunimmt. Zwei Tage nach einem Höhentrainingslager konnte er bei E3 noch nicht in Topform sein. Das sollte sich für die Flandern-Rundfahrt ändern."
Wird das reichen, um gegen die Überform von Van der Poel und Pogacar zu bestehen? Bei seinem Schicksalsrennen Dwars door Vlaanderen hat Van Aert eine erste Chance zur Rehabilitation. Und wenn er heil im Ziel ist, lebt auch der Traum vom Gewinn eines Monuments auf heimischen Boden.
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Highlights: Pedersen macht früh ernst und siegt nach langem Solo
Quelle: Eurosport
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