Wout van Aert zeigt Größe nach Pleite bei Quer durch Flandern: Egoismus-Geständnis macht ihn zu echtem Champion

Es war eines der größten Desaster für ein Radsport-Team der vergangenen Jahrzehnte. Visma-Lease a Bike hatte eine Drei-zu-Eins-Überzahl in der Spitzengruppe bei Quer durch Flandern - und verlor dennoch. Für die Mannschaft und besonders Kapitän Wout van Aert blieb damit die erhoffte Wiedergutmachung bei diesem Rennen und vor der Flandern-Rundfahrt aus. Aber der Chef zeigte im Anschluss Größe.

Offene Worte: Van Aert nimmt Fehlschlag auf seine Rechnung

Quelle: Eurosport

"Ich war zu egoistisch im Finale", gab der Belgier im Ziel völlig unumwunden zu. "Ich wollte diesen Sieg so sehr, besonders nach der Kritik, die ich ertragen musste und dem ganzen Pech, das ich letztes Jahr hatte."
Ehrliche Worte des 30-Jährigen, die nach seiner Vorgeschichte nur verständlich sind. Sie bieten den Ansatz einer Erklärung für den schwarz-gelben Totalausfall im Finale des Klassikers.
"Ausnahmsweise habe ich an mich gedacht, ich wollte nicht, dass einer meiner Teamkollegen dieses Rennen gewinnt. Das ist ein riesiger Fehler und so bin ich eigentlich nicht. Deshalb bin ich extrem enttäuscht", sagte van Aert. Es ehrt den Belgier, dass er dies so auf sich nimmt, auch wenn die Teamleitung um Grischa Niermann ebenfalls Verantwortung übernahm.

Van Aert in jeder Hinsicht menschlich

Als Gesicht der niederländischen Equipe zeigte er sich in der Vergangenheit fast immer mannschaftsdienlich. Bei der Tour de France fuhr er bis zur Selbstaufgabe für Jonas Vingegaard. Christophe Laporte bekam den Sieg bei Gent - Wevelgem 2023 und in Teilen einen Tour-Etappensieg 2022 von van Aert "geschenkt".
Doch der sowieso hohe Druck auf den Superstar wurde in diesem Jahr immer größer, besonders in seiner belgischen Heimat: Trainingslager statt Mailand - Sanremo, bisher keine Ergebnisse in den Frühjahrsklassikern, der volle Fokus auf Flandern-Rundfahrt und Paris - Roubaix. Das spürte auch das Team und ließ den eigentlichen Teamplayer egoistisch werden. Teamkollege Benoot selbst sagte nach dem Rennen am Mittwoch, dass er lieber einen Sieg van Aerts gesehen hätte, anstatt selbst als Erster die Ziellinie zu überqueren.
Der Tag von Quer durch Flandern zeigt, dass Superstar "WVA" ein Mensch ist: die Krämpfe im Finale aus sportlicher Sicht, der Egoismus aus emotionaler Sicht.
Das Wichtigste aber ist, dass ihn seine Ehrlichkeit und Selbstreflektion zu einem echten Champion macht. Denn dass sich wahre Größe tatsächlich in der Niederlage zeigt, ist keine abgedroschene Phrase, sondern bleibt eine der wenigen Wahrheiten im Sport.
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Quelle: Eurosport


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