Wout van Aert fehlt das letzte Quäntchen: Visma-Star besticht nach schwierigem Start mit Geduld und Hartnäckigkeit
Update 02/04/2026 um 13:47 GMT+2 Uhr
Wout van Aert hat den Sieg bei Quer durch Flandern nur knapp verpasst, auf den letzten Metern wurde der belgische Radstar noch abgefangen. Ein Sieg mag dem 31-Jährigen in dieser Saison noch fehlen, nach schwierigen Saisonstart kommt er jedoch rechtzeitg zurück zu alter Stärke - einzig das berühmte letzte Quäntchen fehlt. Geduld und Hartnäckigkeit zeichneten van Aert aber schon immer aus.
Highlights: Van Aert belohnt sich nicht, Ganna nach Defekten eiskalt
Quelle: Eurosport
Manchmal muss der Konjunktiv eben doch herhalten. "Es wäre natürlich schön gewesen, wenn das Rennen 150 Meter kürzer gewesen wäre", meinte Wout van Aert (Team Visma-Lease a Bike) im Interview nach seinem zweiten Platz bei Quer durch Flandern. "Ich habe alles versucht, am Schluss war ich aber leer."
Lange Zeit hatte der Belgier wie der sichere Sieger ausgesehen, zehn Kilometer vor Schluss wagte er eine Solo-Fahrt - und wurde auf den letzten Metern des Eintagesrennens noch von Filippo Ganna (Ineos Grenadiers) abgefangen.
Hinter van Aert liegen nun drei bemerkenswerte Auftritte bei Mailand-Sanremo (3.), In Flanders Fields (30.) und nun Quer durch Flandern (2.). Aufgrund des ausgebliebenen Sieges bleibt jedoch ein bitterer Nachgeschmack.
"Das Ergebnis ist wichtiger, weil wir Rennen gewinnen wollen", hob Visma-Sportdirektor Grischa Niermann im Interview mit "Cyclingnews" hervor. Doch der deutsche Ex-Profi weiß auch: Van Aert hat sein Maximum noch nicht erreicht.
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Dramatisches Finish: Ganna kocht van Aert auf der Schlussgerade ab
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Van Aert und sein schwieriger Saisonstart
"Am Ende können wir sehr zufrieden damit sein, in welcher Form sich Wout zurzeit befindet", merkte Niermann an. "Wir wollen immer ganz vorne sein, aber wir müssen auch auf unsere Entwicklung achten, wir müssen in einer Topform sein."
Dass van Aert bereits dieser Tage auf allerhöchstem Niveau mitwirken kann, ist alles andere als selbstverständlich. Anfang Januar zog sich der 31-Jährige im Schneetreiben beim Exact Cross in Mol eine Knöchelfraktur zu, dann musste er seine Teilnahme am Omloop Nieuwsblad krankheitsbedingt absagen - empfindliche Rückschläge zum Saisonstart.
So ist es allemal erstaunlich, dass van Aert bereits wieder um die prestigeträchtigen Siege mitfährt und sich selbst detailverliebte Beobachter bei der Suche nach Fehlern des belgischen Radstars schwertun.
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Van Aert attackiert am Eikenberg und fährt Lücke zum Spitzenduo zu
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"Wout hat genau das gemacht, was er sich vorgenommen hatte", analysierte Niermann die Fahrt seines Schützlings bei Quer durch Flandern. Im Kampf um den Sieg am Mittwoch gab es keine offensichtliche Alternative, die zum Sieg geführt hätte.
"Am Eikenberg wollte er attackieren und er hat zu den Ausreißern aufgeschlossen - das war perfekt", so Niermann weiter. Natürlich wäre es "von Vorteil gewesen, wenn jemand an seiner Seite gefahren wäre. Dann hätten sie es bis ins Ziel geschafft. Aber Wout musste sich von den anderen Ausreißern Niklas Larsen und Romain Grégoire lösen, weil sie eventuell nicht stark genug gewesen wären."
Van Aert fehlt das letzte Quäntchen
Und selbst eine solche Zweckgemeinschaft für den Schlussakt garantiert keinen Sieg. "In solchen Momenten werden oft irgendwelche Spielchen gespielt", gab Niermann zu bedenken. "Also glaube ich, dass die Solo-Fahrt die beste Option war."
Dass es wie im vom Visma-Sportchef beschriebenen Szenario laufen kann, erfuhr van Aert nur wenige Tage zuvor am eigenen Leib. In Wevelgem wurde der Sanremo-Sieger von 2020 ebenso kurz vor dem Ziel noch abgefangen, weil sich sein Fluchtkollege Mathieu van der Poel (Alpecin-Premier Tech) absichtlich zurückhielt und somit den Grundstein für den späteren Sieg seines Teamkameraden Jasper Philipsen in der Verfolgergruppe legte.
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Van Aert und van der Poel eingeholt: Philipsen siegt im Endspurt
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"Die Zusammenarbeit mit Mathieu war zwar gut, aber gegen Ende konnte er aufgrund dieser Konstellation etwas defensiver fahren", sagte van Aert anschließend.
Vor Topfavorit van der Poel, aber ebenfalls nicht ganz oben auf dem Podium, landete van Aert bei Mailand - Sanremo: Sein Sturzpech dort war besonders ärgerlich, weil er sich dabei noch größeren Rückstand einhandelte als der ebenfalls gestürzte Sieger Tadej Pogacar. Dessen spektakuläre Aufholjagd wurde mit Recht gefeiert - fast noch eindrucksvoller war aber eigentlich das Comeback des Belgiers, der sich auf Rang drei kämpfte.
So fehlte van Aert in den vergangenen Rennen stets das berühmte letzte Quäntchen, um letzten Endes ganz oben auf dem Podest zu stehen.
Geduld und Hartnäckigkeit: Van Aert wird nur noch gefährlicher
Am Ostersonntag wird der Belgier bei der Flandern-Rundfahrt zu den Favoriten zählen, eine Woche später bei Paris - Roubaix ebenso (jeweils live im Stream bei HBO Max). Bei beiden Monumenten landete er jeweils schon einmal auf dem zweiten Rang, im Vorjahr reichte es "nur" zu zwei vierten Plätzen.
Was ist für den Routinier im Schlagabtausch mit den ganz großen Namen wie Tadej Pogacar, Mathieu van der Poel oder Remco Evenepoel aber überhaupt noch drin? Nicht nur die Erfahrungen der zurückliegenden Woche offenbaren, dass van Aert noch lange nicht abzuschreiben ist und sich seine Geduld und Hartnäckigkeit bezahlt machen.
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Finale Furioso: Van Aert schlägt Pogacar in Paris
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Das beste Beispiel dafür liefert die Schlussetappe der Tour de France 2025. Damals konterte van Aert einen Angriff von Pogacar im Anstieg zum Montmartre und setzte sich entscheidend vom bereits feststehenden Gesamtsieger ab. Mit diesem Gala-Auftritt machte er eine bis dahin für ihn enttäuschende Tour doch noch zu einem Erfolg.
Ein schillernder Triumph für den dreimaligen Cross-Weltmeister an einem Tag, an welchem Superstar Pogacar nur allzu gerne selbst im Rampenlicht gestanden hätte. Gleichzeitig war jener Sieg auch sein bislang letzter auf der UCI World Tour.
Befindet sich van Aert wieder bei 100 Prozent, dürfte es aber nicht mehr lange dauern, bis der Knoten endlich platzt. Vielleicht ja schon am kommenden Wochenende.
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Pogacar vs. van der Poel: So liefen ihre drei Duelle in Flandern
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