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Tom Pidcock verlässt Ineos Grenadiers - Jens Voigt erklärt Hintergründe der Trennung: "Dann läuft etwas massiv falsch"
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Update 05/12/2024 um 18:35 GMT+1 Uhr
Tom Pidcock verlässt die Ineos Grenadiers trotz laufenden Vertrages zum Saisonende. Eurosport-Experte Jens Voigt erklärt im exklusiven Interview den Abgang des Briten und gibt Einblick in die Hintergründe der Trennung. Zudem spricht der zweimalige Sieger einer Tour-de-France-Etappe über die Zukunft Pidcocks und schätzt einen möglichen Wechsel zu Red Bull-Bora-hansgrohe ein.
Highlights: Pidcock siegt in dramatischem Duell mit Koretzky
Quelle: Eurosport
Spätestens mit der Streichung aus dem Aufgebot für die Lombardei-Rundfahrt hatte es sich abgezeichnet, nun ist es offiziell: Tom Pidcock und Ineos Grenadiers gehen zukünftig getrennte Wege.
Immer wieder waren zuletzt Gerüchte aufgekommen, wonach eine Auflösung des eigentlich bis 2027 laufenden Vertrags des Mountainbike-Olympiasiegers von Paris bei den Briten kurz bevorstehe, am Mittwoch folgte die Verkündung.
Mit dem 25-Jährigen verliert das Team, das in den 2010er Jahren gleich siebenmal die Tour de France gewinnen konnte, eines seiner Gesichter, während der Cross-Weltmeister von 2022 sich kurzfristig nach einem neuen Team umsehen muss.
Eurosport-Experte Jens Voigt schätzt Pidcocks vorzeitigen Abgang im exklusiven Interview ein.
Eurosport.de: Am Mittwoch wurde verkündet, dass mit Tom Pidcock ein prominenter Fahrer das Team Ineos Grenadiers verlässt. Was ist da Ihrer Meinung nach passiert?
Jens Voigt: Es ist sehr viel schiefgegangen in der Beziehung zwischen Ineos Grenadiers und Tom Pidcock. Bei Ineos hatte ich den Eindruck, dass sie in diesem Jahr versuchen wollten, mit Pidcock auf das Gesamtklassement der Tour de France zu fahren. Bei aller Klasse, die er als Doppel-Olympiasieger hat: Das ist einfach nichts für ihn. Er ist zu offensiv und zu spektakulär, um sich zu verstecken und erst dann Gas zu geben, wenn die anderen Favoriten anziehen. Er könnte sicherlich in den nächsten Jahren zehn Tour-Etappen und ein paar Klassiker gewinnen, aber es passt nicht zu seinem Fahrerprofil, eine Grand Tour auf dem Treppchen zu beenden.
Außerdem möchte Tom nach wie vor neben der Straße auch Mountainbike- und Cross-Rennen bestreiten. Das ist aber nicht das, was Ineos als Straßenteam möchte. Deswegen haben die beiden Seiten, glaube ich, einfach grundsätzlich nicht übereingestimmt. Außerdem wurde der sportliche Leiter Steve Cummings vor der Vuelta a España entlassen, weil es offenbar eine Meinungsverschiedenheit mit Pidcock gab. Im Prinzip war da schon abzusehen, dass es kein Happy End mehr gibt. Denn wenn ein Fahrer entscheiden darf, wer in einem Team arbeitet, dann läuft etwas massiv falsch.
Ineos gehört längst nicht mehr zu den Top-Teams in der WorldTour. Ich bin seit zwei Jahren immer wieder überrascht, dass die Mannschaft am 1. Januar weitermachen kann. Man kann irgendwie kein Konzept erkennen.
Pidcocks Vertrag bei Ineos lief noch bis 2027 - jetzt die Auflösung. Ein eher ungewöhnlicher Vorgang. War die Lage wirklich so schlimm?
Voigt: Es ist im Radsport immer noch selten, dass Verträge einfach aufgelöst werden. Aber wenn ein Fahrer gehen will, ergibt es keinen Sinn, ihn zum Bleiben zu zwingen. Ein fauler Apfel verdirbt den ganzen Korb. Vielleicht konnte man sich so einigen, dass er sich aus seinem Arbeitspapier herauskauft und die Restlaufzeit abbezahlt oder das neue Team einen Teil davon übernimmt. Vielleicht hat Ineos aber auch gesagt: "Tom, das Tischtuch ist zerschnitten, lass uns den Vertrag zerreißen und wir können unserer Wege gehen."
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Tom Pidcock ist auf der Straße, im Cyclocross und mit dem Mountainbike erfolgreich
Fotocredit: Getty Images
Was bedeutet der Abgang von Pidcock für Ineos?
Voigt: Ineos gehört längst nicht mehr zu den Top-Teams in der WorldTour. Seit Jahren haben sie keine große Rundfahrt mehr gewonnen und kämpfen jetzt um ihre Neuausrichtung. Ein Großteil der sportlichen Verantwortlichen hat die Mannschaft verlassen und ist zu dem Fußballverein Manchester United gewechselt, nachdem Jim Ratcliffe (Gründer des Konzerns Ineos Grenadiers, Anm. d. Red.) sich dort eingekauft hat. Im Moment scheint Ineos Grenadiers bei den Geldgebern ein bisschen das Stiefkind zu sein, dass in der Ecke sitzt und mit dem niemand spielen möchte.
Ich bin seit zwei Jahren immer wieder überrascht, dass die Mannschaft am 1. Januar weitermachen kann. Man kann irgendwie kein Konzept erkennen. Wollen sie große Rundfahrten gewinnen oder Tagesrennen? Das ist eine gute Mannschaft, aber kein Top-Team. UAE Team Emirates, Visma-Lease a bike und Soudal Quick-Step mit Remco Evenepoel sind da vorbei gezogen. Das hat auch Tom Pidcock erkannt.
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Tour de France 2025: Die Strecke der 21 Etappen bis nach Paris
Quelle: Eurosport
Was bedeutet der Abgang für die Karriere von Pidcock? Was wäre für ihn der richtige nächste Schritt?
Voigt: Tom Pidcock muss sich ein Team suchen, wo er - wie Mathieu van der Poel bei Alpecin-Deceuninck - der alleinige König ist. Er braucht eine Mannschaft, die ihn über seinen Kalender bestimmen lässt. Das ist bei einem großen Rennstall anders. Die sagen: Wir bezahlen dich und sagen dir, wann du fährst. Er wird wahrscheinlich zu einem kleineren Team wechseln müssen, das aber immer noch finanzstark genug ist, um sich ihn leisten zu können. Er wird sehr stark mit Q36.5 in Verbindung gebracht, wo Vincenzo Nibali als Berater arbeitet. Da hätte er sicherlich die Freiheiten zu entscheiden, was er möchte. Aber die Auswahl, die er hat, ist klein. Es gibt nicht mehr viele Mannschaften, die noch Platz im Kader und die Mittel haben, um ihn unterzubringen.
Bobby Julich und ich hatten Tom einmal in unserem Podcast. Er hat ein gesundes Selbstbewusstsein, ohne arrogant zu sein. Er weiß einfach, wie gut er ist. Er hat uns gesagt, dass er der erste Fahrer werden möchte, der in einem Jahr Weltmeister im Mountainbike, Cross und auf der Straße ist. Und das ist keine Idiotie, sondern er hat tatsächlich eine realistische Chance, das zu schaffen. Er ist vielleicht nicht immer einfach, aber Genie und Wahnsinn gehen eben oftmals Hand in Hand. Es ist stets ein Balanceakt, wenn man einen so starken Sportler holt.
Wäre Pidcock ein Kandidat für Red Bull-Bora-hansgrohe?
Voigt: Pidcock fährt auch mit dem Red-Bull-Helm, deswegen ist es logisch, über diese Verbindung nachzudenken. Aber bei Red Bull-Bora-hansgrohe würde er nicht die Freiheiten bekommen, die er braucht, um neben der Straße auch Cyclocross und Mountainbike zu fahren.
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Vuelta a Espana 2025 to begin in Italy as first three stages revealed
Quelle: Eurosport
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