Tour de France 2020: Kritik an Tour-Austragung wird immer heftiger

Überall fallen Großveranstaltungen dem Coronavirus zum Opfer, am Freitag traf es auch die Tour de Suisse. Doch ausgerechnet die Macher eines der weltweit größten Sportereignisse, der Tour de France, halten unerschütterlich an ihrem ursprünglichen Termin Ende Juni fest. Dabei befindet sich Frankreich im Ausnahmezustand. Die Kritik am Verhalten der ASO wird nicht nur lauter, sondern auch heftiger.

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Vive le Tour? Vive le Tour! Zumindest für Christian Prudhomme lebt der Traum von der Frankreich-Rundfahrt 2020 weiter.
Auch wenn ringsherum alle Pläne für die wichtigsten Sportereignisse des Sommers angesichts der Coronakrise implodiert sind und auch die Einschläge im Radsport näher kommen, hält der mächtige Boss der Tour de France weiter mit gallischer Treue am Riesenereignis fest. Und das soll nach Prudhommes Willen mit voller Kapelle durchs Land ziehen.
"Die Tour wird nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden", sagte Prudhomme in einem Interview mit dem Portal "Sports Auvergne" mit großer Nachdrücklichkeit und wischte damit eines der Gedankenspiele vom Tisch. Wenn es also eine Tour gibt, und davon scheint Prudhomme überzeugt, soll sie das gewohnte Spektakel werden.

Tour-Direktor Prudhomme: "Termin bleibt vorerst unverändert"

Dabei musste Prudhomme am Mittwoch die ebenfalls von seiner ASO veranstaltete Tour-Generalprobe Criterium de Dauphine (31. Mai bis 7. Juni) unterminiert verschieben, zwei Tage später sagten die Organisatoren der Tour de Suisse (6. bis 14. Juni) den zweiten traditionellen Härtetest komplett ab. Und die Frankreich-Rundfahrt selbst? "Der Termin für die Tour bleibt vorerst unverändert", sagte Prudhomme. Der Termin soll bleiben, die Zuschauer sollen bleiben.
Einmal ganz abgesehen davon, dass eine "Geistertour" angesichts eines Betriebs von in Nicht-Krisen-Zeiten zehn Millionen Zuschauern und 29.000 Sicherheitskräften über drei Wochen ohnehin kaum realisierbar wäre: Dass die Tour wie geplant am 27. Juni in Nizza startet, wird angesichts von schon mehr als 5000 Toten in Frankreich - alleine am Donnerstag mehr als 1300, so viele wie nirgends sonst auf der Welt - immer unwahrscheinlicher.

Entscheidung bis 15. Mai

Doch anders als beispielsweise die Organisatoren in Wimbledon will Prudhomme weiterhin nichts von einer Absage wissen. Der 59-Jährige sagte:
Im Umkehrschluss also: Fährt die Tour, dann ist alles gut - die französische Variante von Kopf im Sand.
Prudhomme spielt auf Zeit, womöglich bis zum 15. Mai. Diese Frist soll sich Tour-Organisator ASO gesetzt haben, um über die Große Schleife zu entscheiden. Die Hängepartie stößt in Frankreich auf immer größere Kritik.
Schon die Abhaltung der Kommunalwahlen Mitte März seien eine "Monströsität, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit" gewesen, polterte David Douillet, Ex-Sportminister und als zweimaliger Judo-Olympiasieger ein Volksheld: "Eine Tour unter diesen Umständen zu veranstalten, ist auf dem selben Level. Es ist Irrsinn."

Zumindest eine Verschiebung ist sehr wahrscheinlich

Douillet spricht einem Großteil seiner Landsleute aus der Seele, wenn er sagt:
Zwar betont auch Prudhomme, dass es bei allen Entscheidungen "auf die gesundheitliche Situation im Land ankommt". Doch noch handelt er nicht danach. Zumindest um eine Verschiebung wird Prudhomme allerdings nicht herumkommen. Renato Di Rocco, Vizepräsident des Radsport-Weltverbandes UCI, brachte als mögliche neue Termine bereits den 1. Juli, den 15. Juli und den 1. August ins Spiel. Doch ob diese kurze Galgenfrist Prudhommes Probleme löst, erscheint fraglich.
(SID)
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