Tour de France - Drei Dinge, die auffielen: Jonas Vingegaard macht im Zeitfahren sein Meisterstück
VonFelix Mattis
Publiziert 18/07/2023 um 22:33 GMT+2 Uhr
Mit dem Zeitfahrsieg in Combloux hat Jonas Vingegaard die Tour de France auf der 16. Etappe möglicherweise vorentschieden. Der Titelverteidiger aus Dänemark holte 1:38 Minuten auf Tadej Pogacar heraus. Da half dem Slowenen auch ein Radwechsel nicht. Spannend wird es im Kampf ums Podium hinter den großen Zwei - aber wohl ohne Bora-Kapitän Jai Hindley. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights Zeitfahren: Vingegaard schockt die Konkurrenz
Quelle: Eurosport
Vom Start weg war Jonas Vingegaard im Zeitfahren zwischen Passy und Combloux am Fuße des Mont Blanc der Stärkste.
Als der Däne den ersten Messpunkt nach 7,1 Kilometern passierte, war es - Zitat Tadej Pogacar - "ein Schock", wie viel Vorsprung sich der Titelverteidiger da bereits herausgefahren hatte.
Über die insgesamt 22,4 Kilometer baute Vingegaard seine Führung dann kontinuierlich aus - was ihn sogar selbst überraschte. "Mein Radcomputer hat mir so hohe Werte angezeigt dass ich dachte, er funktioniert nicht richtig", schilderte der 26-Jährige.
Dadurch wurden auch alle Spekulationen um einen möglichen Sekunden-Gewinn durch den geplanten Radwechsel von Pogacar am Fuß der Schlusssteigung Makulatur. Im Ziel zog nicht nur Teamkollege Wout van Aert (3.) den Hut.
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Pogacar beinahe eingeholt: Vingegaard überragt im Zeitfahren
Quelle: Eurosport
Drei Dinge, die auffielen:
1. Vingegaard fährt Pogacar davon
Als der auf dem Hot Seat des Führenden sitzende van Aert seinen Teamkollegen aus Dänemark ins Ziel fahren sah, zog er sein Baseball-Cap vom Kopf und verneigte sich mit dieser Geste vor dem Mann des Tages. Van Aert hatte am Ruhetag bereits angekündigt, auf Sieg zu fahren, meinte aber gleichzeitig auch, dass Vingegaard und Pogacar kaum schlagbar seien.
Der Belgier fuhr ein starkes Zeitfahren, hielt an der steilen Cote de Domancy die gesamte restliche Konkurrenz in Schach und setzte eine starke Bestzeit. Hinter ihm ging es eng zu – mit Sekundenabständen bis ans Ende der Top Ten.
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Teamfunk-Highlights: "Hier wird die Tour de France gewonnen"
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Pogacar aber fuhr 1:13 Minuten schneller als van Aert. Das hätte die gesamte Radsport-Welt als großen Sieg des Slowenen gefeiert – wenn es denn einer gewesen wäre. Denn Vingegaard pulverisierte Pogacars Bestzeit noch einmal. Beinahe hätte der Däne den zwei Minuten vor ihm gestarteten Slowenen sogar eingeholt, am Ende fuhr der 26-Jährige beeindruckende 98 Sekunden Vorsprung heraus.
Das lag weniger daran, dass Pogacar schlecht fuhr - auch wenn seine blasse Gesichtsfarbe und seine Augenringe ihn nicht allzu stark wirken ließen -, sondern viel mehr daran, dass Vingegaard unfassbar stark fuhr. "Heute habe ich sogar mich selbst überrascht. Dass ich so gut sein würde, hätte ich nicht erwartet", sagte er im Ziel.
Dazu konnte auch Pogacars Teamchef José Antonio "Matxin" Fernandez am Eurosport-Mikrofon "nur gratulieren". Pogacar selbst wirkte ratlos: "Ich habe alles gegeben, mehr ging nicht. Vielleicht war es nur nicht mein bester Tag?"
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Vingegaard jubelt: "Nicht gedacht, dass ich so gut bin"
Quelle: Eurosport
Vingegaard war aber auch in einer anderen Liga unterwegs - auf der gesamten Strecke. Schon auf den ersten Metern wirkte er enorm spritzig. In der Abfahrt nach der ersten Steigung ging er viel Risiko, ließ sich aus dem Teamfahrzeug "steuern", vertraute beinahe blind auf die im Vorfeld erarbeitete Ideallinie.
"Das war das beste Zeitfahren, das ich jemals gemacht habe. Ich bin echt stolz auf diesen Sieg", bilanzierte er hinterher. Was aber nicht bedeutet, dass das Rennen bereits entschieden ist, stellte der Däne klar.
Da reicht schon die Erinnerung an die ersten Pyrenäen-Etappen, als Vingegaard Pogacar am Col de Marie-Blanque abhängte und im Ziel in Laruns 1:04 Minuten vor ihm ankam. Tagsdrauf schlug dann aber der Slowene zurück. Entschieden, und da sind sich alle einig, ist dieser Tour daher auch bei nun 1:48 Minuten Vorsprung für Vingegaard noch nicht.
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"Pogacar hat noch nicht aufgegeben": Analyse zum Duell um Gelb
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2. Pogacar-Radwechsel wirkungslos
Im Vorfeld des Zeitfahrens machten sich die Teams viele Gedanken: Lohnt es sich, für die sechs Kilometer lange Schlusssteigung mit 2,5 Kilometern bei 9,4 Prozent aufs leichtere Straßenrad zu wechseln?
Unter den Top-Fahrern entschieden sich fast alle dazu, auf dem Zeitfahrrad zu bleiben. Doch UAE-Manager Mauro Gianetti hatte schon vor der Etappe am Eurosport-Mikrofon angekündigt, Pogacar werde wechseln. Man habe das genau berechnet, so wäre er fünf Sekunden schneller.
Bei UAE ging man davon aus, dass fünf Sekunden tatsächlich darüber entscheiden könnten, wer am Abend das Gelbe Trikot überstreift. Doch der taktische Kniff des Tour-Siegers von 2020 und 2021 ging nicht auf.
Pogacar stand acht Sekunden still, wurde dann vier Sekunden von seinem Mechaniker auf dem leichteren Bergrad angeschoben und büßte so durch den Wechsel - den durch das Abbremsen vorher verlorenen Schwung mit eingerechnet - erstmal rund 15 Sekunden ein. Ob er das anschließend wieder rausfuhr, bleibt ein Rätsel.
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Pogacar wechselt im Zeitfahren das Rad - Experten skeptisch
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"Ich denke es war eine gute Entscheidung, das Rad zu wechseln. Ich sitze auf dem Straßenrad besser. Aber ich denke es hat auch nur ein paar Sekunden ausgemacht", meinte Pogacar nach dem Rennen betont lapidar.
Fakt ist: In der steilen 2,5-Kilometer-Rampe war der Slowene insgesamt 34 Sekunden langsamer als Vingegaard. Auf den flacheren 3,5 Kilometern danach bis zum Ziel, auf denen das Zeitfahrrad aerodynamisch stark im Vorteil war, fuhr Vingegaard sogar nochmal 43 Sekunden schneller als er.
Unterm Strich büßte Pogacar 98 Sekunden auf den 22,4 Kilometern des Tages ein, also 4,375 Sekunden pro Kilometer. Da waren die "fünf Sekunden", die man zu sparen erhofft hatte, ohnehin nur Nebensache.
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Experten zur Königsetappe: Das ist Pogacars einzige Chance
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3. Hindleys Podiumshoffnung stirbt
Nachdem Jai Hindley auf der 5. Etappe nach Laruns als Ausreißer knapp zwei Minuten auf seine größten Kontrahenten im Kampf um das Tour-Podium herausgeholt hatte, träumte man bei Bora-hansgrohe davon, das große Ziel erreichen zu können. Doch der Sturz des Australiers zu Beginn der 14. Etappe nach Morzine sorgte für einen herben Rückschlag und lässt den Traum nun immer mehr verblassen.
Im Zeitfahren von Combloux war Hindley der Schlechteste der aktuellen Top Ten. Als Fünfter hat er nun 11:15 Minuten Rückstand aufs Gelbe Trikot, ihm fehlen bereits 2:23 Minuten auf den Podestplatz, den Adam Yates dem Spanier Carlos Rodríguez am Dienstag abgenommen hatte.
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Yates als Trumpf für Pogacar: Risiko oder "Bausparplan"?
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“Ich kämpfe immer noch mit den Sturzverletzungen und habe Probleme, die Kraft aufs Pedal zu bringen. Wir haben den Ruhetag gestern für Therapie genutzt, daher war das Training weniger im Fokus und es war heute schwierig für mich, den Rhythmus zu finden", musste Hindley nach dem Zeitfahren zugeben.
Dass er das Ruder auf der Königsetappe am Mittwoch herumreißen kann, scheint unwahrscheinlich. Stattdessen gilt nun eher, Rang fünf gegen Sepp Kuss (+1:41 Min.), Pello Bilbao (+1:51) und Simon Yates (+2:31) abzusichern.
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Stage 17 profile and route map: Saint-Gervais Mont-Blanc - Courchevel
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