Tour de France 2024 - Drei Dinge, die auffielen: Evenepoel will mehr und UAE schwächelte auf Etappe 17, oder doch nicht?

Am Ende der 17. Etappe in Superdévoluy hat mit Richard Carapaz endlich wieder ein Ausreißer triumphiert. Doch auch acht Minuten hinter dem Ecuadorianer entbrannte das Rennen ums Podium in der Gesamtwertung nochmal neu - und es ergab sich ein neuer Trend, der auf den Etappen 19 und 20 für große Spannung sorgen könnte. Greift Remco Evenepoel noch nach Rang zwei? Drei Dinge, die auffielen.

Highlights: Carapaz klettert zum Coup - Pogacar setzt sich ab

Quelle: Eurosport

Durch den Sieg von Richard Carapaz in Superdévoluy haben nun elf Mannschaften eine Etappe bei der Tour de France 2024 gewonnen.
Doch an den Vorzeichen für die nächste mögliche Ausreißer-Etappe am Donnerstag dürfte das wenig ändern: Auch dort wird wild attackiert werden.
Der 17. Renntag der 111. Frankreich-Rundfahrt warf aber auch auf den Kampf ums Podium wieder ein neues Licht - sowohl was die Kräfteverhältnisse unter den Kapitänen betrifft, als auch beim Blick auf die Teams. Oder gab das einen falschen Eindruck?
Drei Dinge, die auf der 17. Etappe auffielen.

1.) Evenepoel will mehr, aber sagt es nicht

Zwölf Sekunden hat Remco Evenepoel Jonas Vingegaard in Superdévoluy abgenommen. Das ist keine Welt, aber es ist ein Anfang. Und vor allem war es ein Zeichen, was am Mittwoch beim Einstieg in die Alpen passiert ist.
Denn das Loch vom Belgier zum Dänen hätte wohl durchaus noch weiter aufgehen können, wenn Vingegaards Team nicht drei Mann in der großen Gruppe vor dem Feld platziert hätte: Schon an der Kuppe des Col du Noyer hatte der Titelverteidiger den Anschluss an den Mann im Weißen Trikot verloren und kam wohl in der Abfahrt nur zurück, weil Christophe Laporte für ihn Vollgas gab.
Und nachdem Evenepoel dann in der 3,8 Kilometer langen Schlusssteigung zur Ski-Station attackierte, halfen Vingegaard sowohl Wout van Aert als auch Tiesj Benoot. "Wenn Jonas seine Teamkollegen nicht vorne gehabt hätte, hätten wir noch mehr Druck auf Jonas machen können. Vielleicht wäre dann noch etwas anderes herausgekommen", sagte Pogacar im Ziel.
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Etappe 17: Pogacar kann's nicht lassen und Evenepoel imponiert

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Wir? Das klang schon fast nach einer Allianz zwischen dem Gelben und dem Weißen. Evenepoel aber wiegelte Anspielungen darauf ab: "Ich denke Tadej hätte auf meinen Angriff reagieren können, aber da ich fünf Minuten hinter ihm bin, kann er mir etwas Spielraum lassen. So konnte er Visma und Jonas die Arbeit machen lassen", erklärte der Belgier. Schließlich war es auch in Pogacars Interesse, dass Vingegaard und sein Team noch ein paar Kräfte lassen.
"Das kann auch noch zu meinem Vorteil werden", gestand aber auch Evenepoel, dass ihn die Entwicklungen von Etappe 17 natürlich freuten - auch wenn er ganz brav weiter mehr vom Verteidigen des Podestplatzes sprach, als von einem Angriffsplan auf Gesamtrang zwei von Vingegaard.
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Pogacar greift am Berg an - Evenepoel zieht Vingegaard davon

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"Das ist alles gut, aber besonders wichtig sind heute die zweieinhalb Minuten, die ich auf die Leute hinter mir herausgeholt habe", betonte der Tour-Debütant. "Zunächst möchte ich aber bei unserem Plan bleiben: Podium und Weißes Trikot."
Dass Evenepoel sich so ausdrückt, ist verständlich. Er ist mit Zurückhaltung in der Zielsetzung in den letzten zweieinhalb Wochen gut gefahren und kommt aus einem Land der Radsport-Verrückten, Belgien. Der Druck von außen ist dort ohnehin groß genug - und da jetzt offensiv den Angriff auf Platz zwei anzukündigen, würde nur für Unruhe sorgen.
Dass im stillen Kämmerlein aber die Lust darauf gewachsen ist, das dürfte klar sein. "Ich hatte das Gefühl, dass Vingegaard ein bisschen am Limit war", gab er zumindest zu, dass er die Lunte gerochen hat.

2.) UAE schwächelt - oder spart?

Der High-Speed-Auftakt - oder besser: Die High-Speed-Etappe von Saint-Paul-Troix-Chateaux in Richtung Alpen hat nahegelegt, dass das Superteam von UAE um Pogacar Schwächen hat. Schon auf der Windkante von Dijon an Tour-Tag Nr. 6 zeigte sich, dass der Slowene auf Flachetappen nicht die beste Mannschaft um sich hat - im Gegensatz zum Hochgebirge, wo seine Mannen das Rennen dominieren.
Auf der 17. Etappe nun war es meist hauptsächlich Nils Politt, der mit Pogacar beim ständigen Gespringe und Attackieren in hohem Tempo vorne dabei bleiben konnte. Politt war es auch, der anschließend, als sich das Peloton nach rund 125 völlig verrückten Kilometern endlich beruhigte, die Kontrolle übernahm und das Feld durch Gap und über den Col Bayard führte.
Der Rest des UAE-Teams war in der Hektik wild versprengt und teilweise oft im hinteren Teil des Feldes zu finden. Einzig Tim Wellens konnte manchmal noch mitmischen.
"UAE war lange Zeit unsichtbar und in keinster Weise in der Lage, das Rennen zu kontrollieren. Es war nur Nils Politt zuverlässig an der Seite vom Gelben. Das ist zu wenig in der Tour de France", urteilte Eurosport-Experte Jens Voigt und Bernhard Eisel fügte im Velo Club hinzu: "Sie haben viel riskiert und keine Stärke bewiesen. Das kann schnell nach hinten losgehen, wenn die Gruppe reißt - und vor allem: Es gibt den anderen Teams Hoffnung!"
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Nur Politt richtig da: UAE schwächelt und macht anderen Teams Hoffnung

Quelle: Eurosport

Marc Soler, der auch viel hinten mitschwamm, gab im Ziel gegenüber Eurosport zu, dass er keinen guten Tag hatte - und auch Adam Yates schien zu leiden, konnte auch am Col du Noyer nur noch schwer der Favoritengruppe folgen. Sein siebter Gesamtrang schien sogar kurz in Gefahr. Doch Soler erklärte auch, dass man den Anspruch das Rennen zu kontrollieren, in der Hektik des anfänglichen Angriffshagels auch gar nicht gehabt hatte: "Wir wollten heute, dass die Fluchtgruppe durchkommt, die Lücke ging nur lange Zeit nicht auf", so der Spanier.
Die Frage ist daher, ob UAE am Mittwoch wirklich so viel Schwäche gezeigt hat, oder ob man den Kletter-Spezialisten auch bewusst die Marschroute mitgab, sich auf dem für sie schweren Terrain mit nur leicht ansteigender Straße und Wind nicht übermäßig zu verbiegen. Denn: Ihre Kraftreserven am Ende von drei Wochen Frankreich-Rundfahrt braucht Pogacar am Freitag und Samstag auf den beiden Hochgebirgsetappen, um dort etwaige Angriffe von Vingegaard und Visma abzuwehren.
Auf dem Weg nach Superdévoluy brannte für den Slowenen mit Hilfe von Politt und teilweise Wellens letztlich ohnehin nichts an.
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Der Tank ist leer: Bennett steigt auf 17. Etappe vom Rad

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3.) Das Peloton bezahlt für wenig Zugeständnisse an Ausreißer

Acht Massensprints gab es bei dieser Tour de France. Nicht auf all diesen Etappen, aber durchaus auf einigen war das Tempo im Peloton relativ ruhig. Dazu kommt, dass durch die vielen Massenankünfte und die Dominanz der großen Favoriten auf den Tour-Sieg bei fast allen anderen Teilstücken die Ausreißer wenig zu melden hatten.
Dafür bezahlen die Profis nun in der Schlusswoche! Der Kampf um die Plätze in der Spitzengruppe des Tages wurde auf der 17. Etappe einmal mehr extrem hart ausgefochten - mit unglaublich hohen Geschwindigkeiten auf welligem, tendenziell leicht ansteigendem Terrain in Richtung Alpen.
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Voigt lobt Carapaz: "Selten so einen verdienten Sieger gesehen"

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Zwölf Mannschaften waren vor der 17. Etappe noch ohne Tageserfolg und sie alle brennen natürlich auf ihre wohl letzten Chancen, die der Mittwoch und auch der Donnerstag darstellten beziehungsweise darstellen.
"Fast alle Teams haben sich diesen Tag heute dick markiert", sagte Magnus Cort (Uno-X Mobility) im Ziel zu Eurosport. Der Däne war wie Bob Jungels (Red Bull-Bora-hansgrohe) einer der vier Fahrer, die sich nach gut 60 Kilometern endlich etwas absetzen konnten, aber lange Zeit auch nicht mehr als 30 Sekunden Vorsprung hatten. Und auch Jungels bestätigte gegenüber radsport-news.com: "Wir alle wussten, dass das eine von zwei Etappen wäre, in der die Fluchtgruppe eine Chance hat. Da war es sehr schwer, die Gruppe zu bilden."
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Allez, Primoz, Allez! Fans grüßen Roglic auf der Couch

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Der große Andrang auf die Ausreißer-Plätze, verbunden mit starkem Wind in der Anfangsphase, sorgte für ein sehr hartes Rennen in Richtung Superdévoluy. "Ich weiß nicht, ob ich sowas schon mal erlebt habe - 125 Kilometer Vollgas, Gespringe, Attackiererei, das war echt krass", bilanzierte John Degenkolb (dsm-firmenich-PostNL) anschließend im Ziel bei der "ARD" und prophezeite schon mal: "Wenn man gesehen hat, wie scharf heute alle auf die Gruppe waren, dann wird das morgen nicht viel anders werden. Da muss man Geduld und den richtigen Riecher haben, um den passenden Move zu erwischen."
Immerhin: Durch den Sieg von Richard Carapaz ist eines der Teams, das in den vergangenen Wochen mit zu den größten Unruheherden gehörte, nämlich EF Education-EasyPost, nun befriedigt. Elf weitere Teams ohne Tagessieg oder Wertungstrikot bleiben aber trotzdem noch.
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Geschke vor seinen letzten Tour-Tagen: "Ich probier's zu genießen"

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De Florence à Nice : le parcours complet du Tour de France 2024

Quelle: Eurosport


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