Tour de France 2026: Drei Dinge, die auffielen - Richard Carapaz zeigt Willensleistung, Sonderwertungen sorgen für Würze
VonJan Zesewitz
Update 23/07/2026 um 21:22 GMT+2 Uhr
Der Auftakt zu drei Alpenetappen als Schlussakkord der Tour de France 2026 bot noch kein Feuerwerk der Favoriten. Es waren die Ausreißer, die den Weg zur Bergankunft nach Orcières-Merlette nach langem Kampf um die Gruppe prägten, während sich die Klassement-Fahrer belauerten. Mit Richard Carapaz fand die 18. Etappe einen würdigen Solo-Sieger. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights: Ausreißer jubelt auf erster Alpenetappe
Quelle: Eurosport
3,5 Kilometer vor dem Ziel der 185 Kilometer langen Etappe von Voiron nach Orcieres-Merlette legte sich Carapaz seine fünf Mitausreißer zurecht. Er beobachtete sie auf der linken Straßenseite, verlangsamte das Tempo fast bis zum Stillstand - und trat dann an.
Niemand konnte ihm folgen und so feierte der EF-Profi nach 2024 seinen zweiten Etappensieg bei der Tour. Dahinter sprintete ein bei dieser Rundfahrt stark auffahrender Mauro Schmid (Jayco-AlUla) zum zweiten Mal in Folge auf den zweiten Platz.
Während sich die Favoriten belauerten, erlebte das UAE-Team um Tadej Pogacar einen komplizierten Tag. Die Helfer des Gesamtführenden wurden von einer Krankheitswelle lahmgelegt. Adam Yates konnte wie schon am Vortag im Finale nicht mehr eingreifen, Brandon McNulty stieg entkräftet in den Besenwagen und gab auf. Tim Wellens schaffte es geradeso vor dem Zeitlimit ins Ziel.
Wird die Tour aufgrund der UAE-Schwäche noch einmal spannend? Pogacar wirkt dafür nicht nur aufgrund seines Vorsprungs von 4:32 Minuten auf Remco Evenepoel zu gefestigt. Spannender ist der Kampf um die Sonderwertungen.
Drei Dinge, die auf der 18. Etappe auffielen:
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Perfekt getimte Attacke: Carapaz krönt mutige Solo-Flucht
Quelle: Eurosport
1. Carapaz siegt mit Willensleistung und Durchhaltevermögen
Carapaz haben wir an dieser Stelle schon nach der 10. Etappe im Zentralmassiv auf dem Weg nach Le Lioran gelobt. Der Ecuadorianer ließ sich von der Überlegenheit Pogacars nicht entmutigen, attackierte im Finale und musste sich schließlich doch dem Slowenen geschlagen geben.
Weder er noch sein EF-Team gaben während dieser Tour auf. Georg Steinhauser, Alex Baudin, Sean Quinn, Michael Valgren, Ben Healy und Leader Carapaz - alle versuchten sich in wechselnder Besetzung während praktisch jeder Etappe in Fluchtgruppen.
Allen voran Carapaz bewies "Grinta" - italienisch für Kampfgeist, Biss, Willen - und auf der 18. Etappe wurde er endlich belohnt. "Es war nicht einfach, ein wirklich harter Tag", sagte er im Sieger-Interview. "Ich konnte erst spät zur Gruppe hinspringen. Ich war besorgt, als eine größere Lücke da war. Als Quick-Step mit drei Fahrern gefahren ist, konnte ich den Anschluss schaffen. Es war ein sehr schwerer Anstieg, aber ich habe auf den richtigen Moment gewartet."
In den Vogesen wurde er abermals von Pogacar gestellt, heute konnte er in einer sechsköpfigen Ausreißergruppe nicht nur seinen Willen, sondern auch seine Stärke und Cleverness unter Beweis stellen. Der Giro-Sieger von 2019 feierte einen überlegenen Sieg als Solist, belohnte sein Team für die vielen Anstrengungen und sich selbst mit einem Platz unter den ersten Zehn im Gesamtklassement.
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"Hätte das gescheppert!" Carapaz wendet Katastrophe artistisch ab
Quelle: Eurosport
2. Die Sonderwertungen halten die Tour spannend
Auch in der Bergwertung hat der 33-Jährige noch Chancen - die konnte er 2024 bereits gewinnen. Überhaupt sind die Sonderwertungen das besondere Gewürz dieser Tour. Im Kampf um das Gepunktete Trikot duellierten sich auf mehreren Etappen bereits Carapaz und Valentin Paret-Peintre (Soudal-Quickstep).
Aufgrund seiner vier Etappensiege im Gebirge führt die Wertung noch immer Pogacar an. Paret-Peintre verpasste die Übernahme des Trikots, das er aktuell nur in Vertretung trägt, um einen Punkt. Weitere sechs dahinter liegt Carapaz. Auf der 19. Etappe nach Alpe d'Huez kann ein Fahrer 40 Punkte holen, auf dem 20. Teilstück sind es sogar 70.
Pogacars Priorität dürfte das Gelbe Trikot sein, sollte er aber beide Ankünfte im legendären Skiort gewinnen, dürfte er auch das Gepunktete Trikot mit nach Hause nehmen. Aber die beiden tapferen Ausreißer werden ihre Chance in den Alpen suchen.
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"Biest" Pedersen sorgt für Vorentscheidung um Grün
Quelle: Eurosport
Mit einem erneuten Kraftaufwand seines gesamten Teams konnte sich Mads Pedersen 25 Punkte im Kampf ums Grüne Trikot beim Zwischensprint der Etappe sichern. Nachdem ihm Jasper Philipsen am Vortag mit seinem Etappensieg in dieser Sonderwertung extrem nahe gekommen war, dürfte sein Vorsprung von 32 Punkten nun eine Vorentscheidung sein.
Bis zum Finale auf den Champs-Elysées bleibt es aber wohl spannend - außer das "Biest" Pedersen schafft es in den kommenden Tagen auch über die Giganten der Alpen. Ausschließen kann man beim Dänen nichts.
3. Engelhardt als perfekter Ausreißer und Helfer
Lobt man die Teamleistung von EF Education während dieser Tour, muss man auch die Bemühungen der Mannschaft mit dem heutigen Zweitplatzierten hervorheben. Die lila Trikots des australischen Teams sind ebenso oft und zahlreich in Gruppen vertreten wie die pinken von EF.
Die Equipe belohnte sich schon auf der 14. Etappe mit dem Sieg von Schmid, der auf der 17. und 18. Etappe zudem Zweiter wurde. Am Eurosport-Mikrofon lobte der vor allem einen unermüdlichen Teamkollegen: Felix Engelhardt.
"Ich war heute einfach froh, in der Gruppe zu sein"; sagte der Schweizer. "Ich habe es reingeschafft und es war super, Felix vorne zu haben, der mich in eine gute Position gebracht hat, sodass wir einen kleinen Vorteil hatten."
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Carapaz feiert dank Willensleistung - Zweiter Schmid lobt Jayco-Team
Quelle: Eurosport
Der Deutsche Meister repräsentiert das Trikot mit den schwarz-rot-goldenen Streifen bei seinem Tour-Debüt würdig. Individueller Erfolg war ihm bisher nicht vergönnt, aber er ist einer der aktivsten Fahrer dieser Grande Boucle.
Schon auf der zweiten Etappe war er in der Gruppe des Tages, ebenso auf dem Weg nach Le Markstein, auf der 17. Etappe nach Voiron und auf der ersten Alpen-Etappe. Dabei verrichtet er auch auf der Flucht Helferdienste für seine Teamkollegen, die größere Siegchancen haben als er - Michael Matthews, Ben O'Connor oder eben bei dieser Tour Schmid. Der Deutsche Meister ist einer der stillen Helden dieser Tour. Sein Team weiß es zu schätzen.
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"Es war fast peinlich": Aldags besondere Erinnerungen an Alpe d'Huez
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