Tour de France 2024 - Drei Dinge, die auffielen: Mit Erfahrung wird Mark Cavendish vom Kotzenden zum Rekordsieger

Als Mark Cavendish beim Auftakt der Tour de France 2024 gleich am ersten Berg abgehängt wurde, völlig kraftlos wirkte und sich in der anschließenden Abfahrt sogar übergab, sorgten sich seine Fans. Vier Tage später ist der 39-Jährige alleiniger Rekordhalter in Sachen Etappensiege. Für den Mann in Gelb dagegen hätte der Tour-Traum plötzlich enden können. Drei Dinge, die auf Etappe fünf auffielen.

Rekord-Etappensieger: Das zeichnet Mark Cavendish aus

Quelle: Eurosport

Die 35 ist geschafft. Drei Jahre nachdem Mark Cavendish in Carcassonne mit dem scheinbar ewigen Etappensieg-Rekord von Eddy Merckx gleichzgezogen war, und vier Tage nachdem er auf der 1. Etappe in Italien für das erste Drama dieser Tour sorgte, hat sich der Brite mit einem Paukenschlag zurückgemeldet und zum alleinigen Rekordhalter gemacht.
In Saint-Vulbas schaffte der Manxman das, was in den vergangenen Monaten nicht mehr viele für möglich gehalten hatten.
Doch das Sprinterfeld bei der 111. Frankreich-Rundfahrt ist ausgeglichen wie selten und Cavendish spielte all seine Erfahrung aus.
Und apropos Erfahrung: Eine ganz wertvolle musste auch Tadej Pogacar in seinem Gelben Trikot am Mittwoch machen.
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Watch every single one of Cavendish's 35 Tour de France wins

Quelle: Eurosport

Drei Dinge, die auf der 5. Etappe auffielen:

1. Cavendishs Erfahrung hilft vom Kotzen zum Rekord

Die Tour de France 2024 war keine 50 Kilometer alt, da konnte man den Eindruck bekommen, Mark Cavendish werde bald aufgeben müssen. Als die Sprint-Legende von der Isle of Man am Samstag am Col de Valico Tre Faggi das Hauptfeld ziehen lassen musste, schien er regelrecht stehen zu bleiben. Cavendish litt beim Tour-Auftakt unter der Hitze, war dehydriert und musste sich in der anschließenden Abfahrt sogar übergeben.
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Pure Qual für Cavendish: Sprint-Star leidet schon am ersten Berg

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Trotzdem erreichte er das Tagesziel in Rimini - zwar erst 39 Minuten nach den Besten, aber immer noch zehn Minuten innerhalb des Zeitlimits - und konnte die Aufregung um seine Person dort gar nicht verstehen.
"Ja, das war heute nicht einfach. Aber wir wissen, was wir tun. Wir können abschätzen, was die Jungs an der Spitze tun und danach teilen wir uns das Rennen ein", sagte Cavendish dort am Mannschaftsbus. Er habe mit seinen Helfern im Gruppetto alles im Griff gehabt. Auch tagsdrauf wurde er bei ähnlichen Temperaturen auf dem Weg nach Bologna mehrmals abgehängt.
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'It was so hot' - Cavendish says heat caused Stage 1 struggles

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Doch der Sieg am Mittwoch in Saint-Vulbas hat gezeigt: Bei all seiner Erfahrung aus 14 Frankreich-Rundfahrten vor 2024 ist Cavendish am Auftakt-Wochenende wohl tatsächlich "mit Auge" gefahren.
"Es war nicht das erste Mal, dass ich am ersten Tag eines Radrennens schlecht war. Es ist die Tour de France und ich brauche normalerweise ein paar Tage, um reinzukommen. Aber ich weiß, wie es läuft und auch mein Zug und die Leute um mich herum wissen es", sagte er nun nach dem großen Sieg.
"Ich bin jetzt in meiner 15. Tour de France und natürlich mag ich schlechte Tage nicht und leide nicht gern. Aber ich weiß auch, dass es nur im Kopf ist und man da durchkommt und dann nochmal eine Möglichkeit bekommen kann", meinte der Brite.
Der alte Mann - Cavendish ist mit 39 Jahren und 43 Tagen nun der zweitälteste Tour-Etappensieger der Geschichte - biss sich also durch, hatte die anstehenden Sprints immer im Kopf und vermied es an den Anstiegen zu tief zu gehen, um nun im Flachland die nötige Energie für den großen Coup zu haben.
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Cavendish-Sieg analysiert: "Philipsen trotz Windschatten chancenlos"

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Der aber gelang natürlich trotzdem nicht von selbst. In Saint-Vulbas hat Cavendish auf seine alten Tage nochmal ein wahres Meisterstück des Sprints abgelegt. Der Brite traf eingebaut im Pulk zwei goldrichtige Entscheidungen und hatte dann auch noch den besten Punch, um im Gegenwind am schnellsten zu sprinten.
"Jasper Philipsen hat trotz Windschatten keine Chance. Das zeigt die schiere Schnelligkeit", war Cavendishs langjähriger Teamkollege und Kumpel Bernie Eisel im Velo Club begeistert.
Robert Bengsch zählte auf, was für Cavendishs Sieg maßgeblich war: "Er ist bereit das Risiko einzugehen und fährt in zwei Lücken, wo eigentlich keine sind. Diese Bereitschaft, auch bei 80 km/h zu stürzen, musst du mitbringen", meinte der Eurosport-Experte.
Bengsch betonte: "Es war alles fair, ein sauberer Sprint. Aber einfach auch diese Erfahrung, sich an Philipsens Hinterrad zu positionieren und dann die Entscheidung zu treffen, innerhalb einer Millisekunde, links rauszugehen – das war entscheidend. Diese Erfahrung und der Kopf, die Nerven, das zeichnet ihn aus."
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Rekord-Etappensieger: Das zeichnet Mark Cavendish aus

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Cavendish stimmte da im Sieger-Interview mit einem Lächeln zu: "Besonders wenn man physisch nicht so gut ist, wie alle anderen, hilft es auf jeden Fall, seinen Kopf benutzen zu können."

2. Power-Ranking der Sprinter: Alles eng beisammen

In den letzten Jahren war oft ein einzelner Sprinter der überragende Mann bei den Massenankünften der Tour de France. Nach zwei Sprints bei der Tour 2024 könnte die Lage offener kaum sein: Biniam Girmay gewann in Turin, wurde in Saint-Vulbas aber nur Neunter. Cavendish siegte nun auf der 5. Etappe, konnte zwei Tage zuvor in den Sprint aber gar nicht eingreifen – genau wie der Zweite vom Mittwoch, Philipsen. Dagegen wurde der Zweite vom Montag, Fernando Gaviria, diesmal nur Elfter.
Auf diese Weise kann man fast die komplette Sprinterriege durchgehen: Mads Pedersen (4. + Sturz), Dylan Groenewegen (5. + 12.), Phil Bauhaus (6. + 171./Relegation), Alexander Kristoff (83. + 3.), Pascal Ackermann (14. + 6.) und so weiter. Einzig Arnaud De Lie (3. + 4.) fuhr zwei Top-5-Ergebnisse ein und ist damit schon der Top-Kandidat auf den nächsten Sprintsieg.
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"Kann es nicht glauben": Cavendish überwältigt - Girmay gratuliert

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Wie die Kräfteverhältnisse zwischen den schnellen Männern bei der 111. Frankreich-Rundfahrt wirklich sind, lässt sich noch kaum einschätzen. Klar ist nur: Mit den beim Giro d'Italia je drei Mal erfolgreichen Jonathan Milan und Tim Merlier sowie dem Niederländer Olav Kooij fehlen die drei in dieser Saison bislang schnellsten Männer in Frankreich.
Lidl-Trek setzte statt Milan auf Pedersen und Soudal-Quick-Step sowie Visma-Lease a Bike verzichteten auf ihre Top-Sprinter, weil sie sich mit Remco Evenepoel beziehungsweise Jonas Vingegaard voll auf den Kampf um Gelb konzentrieren.
Ob einer der drei zum Tour-Überflieger geworden wäre, ist Spekulation. Fakt dagegen ist, dass die anwesenden Sprinter in Frankreich für sehr spannende Massenankünfte sorgen. Bei mindestens zehn Mann dürfte es niemand überraschen, wenn sie im Verlauf der kommenden zwölf Tage – die letzte mögliche Sprintankunft dieser Tour wartet schon auf Etappe 16 - einen Sieg feiern würden.
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Emotionaler Jubel: Cavendish feiert Rekord mit seinen Kindern

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Allerdings: So richtig eng war nur der Sprint in Turin, der durch den Massensturz dort 2,5 Kilometer vor dem Ziel durcheinander gewürfelt worden war. In Saint-Vulbas dagegen schienen Cavendish und Philipsen doch klar schneller als der Rest – zumindest jener Rest, der überhaupt sprinten konnte, was zum Beispiel für Bauhaus nicht galt.
Der Donnerstag wird weiteren Aufschluss geben, ob es so eng bleibt, oder sich doch jemand absetzen kann. Dass auf Cavendishs 35. Sieg auch gleich der 36. folgt, ist jedenfalls alles andere als ausgeschlossen. Es würde passen, wenn er wieder zur Siegesserie ansetzt – genau wie 2021: Auch damals traute es ihm vor der Tour nach vier schweren Jahren kaum noch jemand zu, dann aber gewann er vier Etappen.
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"Er gibt niemals auf!" Lefevere von Cavendish beeindruckt

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3. Es kann ganz schnell vorbei sein

Während Cavendish seinen Sieg in Saint-Vulbas seiner großen Erfahrung zu verdanken hatte, machte ein 15 Jahre jüngerer Überflieger eine ganz wertvolle solche. Tadej Pogacar, am Dienstag noch überlegener Sieger in den Alpen und für viele bereits der angehende Tour-Gewinner 2024, musste in einer Schrecksekunde lernen: So souverän du die Konkurrenz im Griff haben magst, der Traum vom Tour-Sieg kann auf jedem der 3498 Kilometer platzen.
Gut 60 Kilometer vor dem Ziel nämlich teilte sich vor dem Mann in Gelb plötzlich das Fahrerfeld, wie vor Moses das Meer. Doch im Fall des Slowenen war nicht die Hand Gottes der Grund, sondern eine Verkehrsinsel, der alle auswichen. Pogacar bemerkte das erst spät, setzte zur Vollbremsung an und rutschte quer auf den Fahrbahnteiler zu, um dann im letzten Moment mit all seiner Steuerkunst auszuweichen. Ein paar Zentimeter fehlten und er wäre gegen ein Schild geprallt.
Hinter ihm kamen dafür andere Fahrer zu Fall.
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Bengsch zu Beinahe-Sturz von Pogacar: "Da fehlte ein Streckenposten"

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Pogacar nahm es zumindest nach außen locker. Er sprach im Ziel von einem "ruhigen Tag" und lediglich ein paar "kniffligen Stellen".
Innerlich aber dürfte die Szene trotzdem ein Denkzettel gewesen sein – für ihn und auch alle anderen, quasi ein "friendly reminder": Obacht, Konzentration in jeder Sekunde bitte! Denn es kann schnell vorbei sein.
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Ullrich freut sich für Cavendish: "Ein Gänsehaut-Moment"

Quelle: Eurosport


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