Tour de France - Drei Dinge, die auf der 11. Etappe auffielen: Doppelter Warnschuss für Pogacar und Abrahamsens Krönung
VonFelix Mattis
Update 16/07/2025 um 23:53 GMT+2 Uhr
Tadej Pogacar hatte auf der 11. Etappe Glück im Unglück, dass er bei seinem Sturz glimpflich davonkam. Doch nicht nur dort wurde der Slowene daran erinnert, dass man bei der Tour de France zu jedem Zeitpunkt auf der Hut sein muss. Den Tagessieg errang Jonas Abrahamsen mit all seiner Ausreißer-Power und Mathieu van der Poel fehlte nicht nur der Funk zum Sieg. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights: Pogacar stürzt - Abrahamsen gewinnt wilde Etappe
Quelle: Eurosport
In Toulouse hat zum dritten Mal bei dieser Frankreich-Rundfahrt die Stunde der Ausreißer geschlagen:
Jonas Abrahamsen (Uno-X Mobility) und Mauro Schmid (Jayco-AlUla) fuhren vom Startschuss bis zum Zielstrich an der Spitze des Rennens und machten den Sieg schließlich unter sich aus. Dabei hielten sie auch Verfolger Mathieu van der Poel (Alpecin-Deceuninck) im Finale hinter sich.
Und im Kreis der Favoriten versuchte Visma-Lease a Bike erneut Tadej Pogacar (UAE-Emirates-XRG) unter Druck zu setzen, was zwischenzeitlich sogar ganz kurz erfolgreich war – und schließlich mit dem Sturz des Slowenen und dem fairen Warten der Konkurrenz endete.
Drei Dinge, die auf der 11. Etappe auffielen:
1. Doppelter Warnschuss für Pogacar
Tadej Pogacar gilt spätestens seit seinem großen Zeitgewinn auf Jonas Vingegaard im Einzelzeitfahren der 5. Etappe auch bei dieser 112. Tour de France als großer Top-Favorit auf den Gesamtsieg. Auch wenn der Slowene seinen dänischen Dauerrivalen bislang nie abhängen konnte, erreicht er die Pyrenäen am Donnerstag mit 1:17 Minuten Vorsprung auf ihn und ist so in der Pole Position darauf, das Gelbe Trikot in Hautacam von Ben Healy (EF Education-EasyPost) zu übernehmen und es dann vielleicht auch bis Paris zu tragen.
Doch die vermeintlich ungefährliche 11. Etappe nach Toulouse hat einmal mehr eindrucksvoll unterstrichen, dass bei der Frankreich-Rundfahrt eine Regel über allem steht: Es kann jederzeit von einer auf die anderen Sekunde vorbei sein, und wer gewinnen möchte muss drei Wochen lang hellwach und immer aufmerksam sein.
Das zeigte sich ganz drastisch am Sturz Pogacars rund sieben Kilometer vor dem Tagesziel am Mittwoch. Eine kurze Berührung seines Vorderrads mit dem Hinterrad von Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility) und schon prallte der Weltmeister hart auf den Asphalt, über den er dann auch noch auf den Bordstein zurutschte.
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"Faire Geste": Experten loben Pogacar-Rivalen nach Sturz
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"Glücklicherweise ist nur etwas Haut ab. Ich hatte Angst, als ich den Bürgersteig auf mich zukommen sah, dass ich mit dem Kopf dagegen pralle. Aber glücklicherweise ist meine Haut rauh und hat mich vor dem Randstein gebremst", sagte Pogacar anschließend und durfte sich freuen, dass seine Kontrahenten aus seinem Pech keinen Profit schlagen wollten, sondern auf ihn warteten – Fair Play!
Wie sehr Pogacar seine Abschürfungen und Prellungen an Hüfte und Unterarm am Donnerstag bei der Bergankunft in Hautacam beeinträchtigen werden, bleibt abzuwarten. "Normalerweise ist man am Tag nach einem Sturz nie auf dem besten Level", meinte er. Von einer wirklichen Schwächung bis hin zu einer Trotzreaktion in Form von einem überlegenen Solo-Sieg ist wohl alles vorstellbar.
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Schreck im Finale! Pogacar stürzt - Feld wartet auf Topfavorit
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Doch Pogacars ausführlich besprochener Sturz war nur einer von gleich zwei Warnschüssen für den Slowenen rund um Toulouse. Denn 67 Kilometer vor dem Ziel hatte der 26-Jährige plötzlich im Vollsprint eine Lücke zu schließen, die weit vorne im Feld aufgegangen war und auf deren anderer Seite neben Wout van Aert und 13 weiteren Fahrern auch das Gelbe Trikot von Healy sowie Vingegaard fuhren.
Van Aert hatte einige Kilometer zuvor mit sechs weiteren Fahrern attackiert und in der Verpflegungszone rückten fünf weitere Fahrer zu dem Septett vor, bevor dann auf einer langen Geraden direkt nach der Verpflegung Mathieu van der Poel sowie kurz darauf auch Healy und Vingegaard losfuhren und aus dem Feld nach vorne rauschten.
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Vingegaard überrascht Pogacar und Co. auf Überführungsetappe
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Es dauerte zwar weniger als einen Kilometer, bis Pogacar mit Hilfe von Teamkollege Tim Wellens sowie anschließend Remco Evenepoel (Soudal-Quick-Step) das Loch gestopft hatte und anschließend beruhigte sich das Rennen schnell wieder. Doch die Szene unterstrich ein weiteres Mal, dass Visma-Lease a Bike bei dieser Tour nichts unversucht lassen wird, um den Titelverteidiger unter Druck zu setzen.
Was erst später durch die Kommentare einiger Fahrer deutlich wurde: Das Peloton hatte sich vor dieser Szene wohl vor allem deshalb so in die Länge gezogen, weil vorne Vollgas gefahren wurde, während hinten sehr viele für eine Pinkelpause gestoppt hatten.
2. Abrahamsen krönt seine Vorjahrestour
Im vergangenen Jahr war Jonas Abrahamsen der Shootingstar der Tour de France. Der Norweger begeisterte durch zahlreiche Ausreißversuche, wurde schon auf der 2. Etappe in Bologna Zweiter, trug lange das Bergtrikot und fuhr insgesamt sechs Mal in der Spitzengruppe des Tages. Einzig das Glück des Tüchtigen in Form eines Sieges blieb ihm verwehrt. Abrahamsen erzählte stolz, dass die Abkehr von einem Schlankheitswahn aus seinen ersten Profijahren, ihm die nötige Power für seine Spitzenfahrten gegeben und ihn zu einem viel stärkeren Fahrer gemacht habe.
Ein Jahr später nun schlug der 29-Jährige zu. Bei seiner zweiten langen Flucht dieser Tour war Abrahamsen in Toulouse der Stärkste und feierte quasi einen Start-Ziel-Sieg. Denn Abrahamsen gehörte gemeinsam mit dem nur um wenige Zentimeter schwächeren Schmid sowie dem Italiener Davide Ballerini (XDS-Astana) gleich bei Kilometer 0 zu den ersten Ausreißern der Etappe.
Und auch wenn der Vorsprung lange Zeit gering blieb, weil im Hauptfeld immer weiter attackiert wurde, hielt sich das Trio eindrucksvoll an der Spitze – später noch in Begleitung der nach vorne gesprungenen Mathieu Burgaudeau (TotalEnergies) und Fred Wright (Bahrain Victorious).
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Voigt feiert Ausreißer: "Abrahamsens Motor war am wenigsten kaputt"
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Während hinten Hektik herrschte und immer wieder verlangsamt und neu beschleunigt wurde, fuhren die Spitzenreiter konstant ihren Stiefel, auf den Abrahamsen und Schmid dann in der vorletzten Steigung 14 Kilometer vor Schluss nochmal eine Schippe drauflegten. Und dann bezwang der Norweger den Schweizer im Sprintduell knapp.
"Letztes Jahr war ich viel in Ausreißergruppen und habe um Punkte für das Bergtrikot gekämpft. Nach zwei Wochen im Bergtrikot war ich ziemlich ausgelaugt und ich wollte diesmal etwas smarter sein. Denn mein großer Traum war ein Etappensieg bei der Tour. Dass ich es jetzt geschafft habe, ist so, so schön", strahlte er im Sieger-Interview in Toulouse und sein Teamkollege Tobias Halland Johannessen lobte nach dem ersten Tour-Etappensieg in der Geschichte des Uno-X-Teams:
"Ich kann das Gefühl im Team gar nicht beschreiben, es ist absolut verrückt. Wenn es einen Fahrer auf der Welt gibt, der das schaffen konnte, dann ist es Jonas. Auch die Art und Weise, wie er es erreicht hat, ist Wahnsinn!"
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"Es tut mir leid für ihn": Johannessen über Pogacar-Sturz
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Dazu gehörte nicht nur die Fahrweise am Tag X selbst, sondern auch die Vorgeschichte. Denn bei der Belgien-Rundfahrt Mitte Juni war Abrahamsen auf der 1. Etappe gestürzt und hatte sich das Schlüsselbein gebrochen. Auf den Tag genau vier Wochen später ist er Tour-Etappensieger.
3. Van der Poel falsch informiert
Mathieu van der Poel hat seine Chance auf den zweiten Etappensieg bei dieser 112. Frankreich-Rundfahrt um sieben Sekunden verpasst – und das, obwohl der Niederländer acht Kilometer vor dem Ziel dachte, er würde das Rennen nach Toulouse nun allein anführen.
Probleme bei der Funk-Kommunikation mit seinem Mannschaftswagen sorgten wohl dafür, dass van der Poel nach seiner Attacke aus der Verfolgergruppe heraus an der bis zu 20 Prozent steilen Cote de Pech David, dem letzten Anstieg des Tages, kurz desinformiert war.
"Ich dachte einen Moment, dass ich an der Spitze fahre. Die Kommunikation über den Funk verläuft wegen der ganzen Sender hier schon eine ganze Weile schwierig. Ab und zu hapert die Verbindung", sagte der Ex-Weltmeister im Ziel.
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Van der Poel gesteht: "Dachte kurz, ich wäre an der Spitze"
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"Ich dachte, dass die Gruppe, die ich eingeholt hatte, die Spitzengruppe war. Aber dann sah ich wegen der Motorräder in der Ferne, dass noch Fahrer vor mir waren. Also bin ich dann Vollgas zum Ziel gefahren."
Van der Poel hatte in der steilen letzten Rampe aus der Verfolgergruppe heraus angegriffen und war bergauf an drei Mann vorbeigefahren: Fred Wright (Bahrain Victorious), Quinn Simmons (Lidl-Trek) und Mathieu Burgaudeau (TotalEnergies). Dass ihnen wiederum am Anstieg zuvor bereits Abrahamsen und Schmid weggefahren waren, wusste er offensichtlich nicht.
Doch ob van der Poel ohne die Kommunikationsprobleme noch um den Sieg gekämpft hätte, ist trotzdem Spekulation. Schließlich lag er 8,5 Kilometer vor dem Ziel, als es nur noch bergab und flach durch Toulouse ging, noch 25 Sekunden hinter dem Spitzenreiterduo. Und wirklich verlangsamt hatte er nach seiner Attacke auch nicht.
Wout van Aert (Visma-Lease a Bike), der in van der Poels Gruppe in den letzten Anstieg hineigefahren war, dessen Attacke dort aber nicht folgen konnte, meinte jedenfalls im Gespräch mit Sporza: "Ich konnte gerade so nicht mitgehen. Das war schade, zusammen hätten wir den Sprung nach vorn vielleicht geschafft. Die Chance haben wir in den Kilometern davor aber liegenlassen."
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Van der Poel attackiert, Pogacar stürzt, Flitzer: Verrücktes Finish in Toulouse
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Denn nachdem sich das Verfolgerquintett um die beiden ewigen Rivalen knapp 65 Kilometer vor dem Ziel aus dem Hauptfeld gelöst hatte, brauchte es sehr lange, um die Lücke zu den fünf Spitzenreitern des Tages zu verkleinern. Von ursprünglich 50 Sekunden standen 15 Kilometer vor Schluss immer noch 20 auf der Uhr, und über den vorletzten Anstieg bis an den Fuß des letzten Anstiegs verlor man sogar wieder etwas an Boden – offenbar auch durch nicht ideale Zusammenarbeit.
Trotzdem war van der Poels Auftritt am Ende beeindruckend, vor allem wenn man bedenkt, dass er vor dem Start der Etappe laut Teamchef Christoph Roodhooft etwas am kränkeln war und das auch im Ziel selbst bestätigte: "Ich hatte einen schweren Kopf, aber es wurde im Lauf der Etappe besser." Das erklärte auch, warum der Niederländer in den rund 100 Kilometer andauernden Angriffsreigen zu Etappenbeginn erst sehr spät eingegriffen hatte.
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