Tour de France - Drei Dinge, die auffielen: Ein Sahnetag für Red Bull mit Lipowitz und Roglic, Vingegaard auf Augenhöhe
VonFelix Mattis
Publiziert 22/07/2025 um 22:02 GMT+2 Uhr
Die 16. Etappe der Tour de France hat überrascht: Tadej Pogacar holte sich nicht, wie von vielen erwartet, den prestigeträchtigen Sieg am Observatorium, sondern Soudal-Quick-Step gewann die Bergankunft drei Tage nach dem Aus von Remco Evenepoel. Außerdem überzeugte Red Bull-Bora-hansgrohe mit einer überragenden Mannschaftsleistung und sicherte den Podestplatz ab. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights: Paret-Peintre jubelt, Top-Favoriten eine Klasse für sich
Quelle: Eurosport
Mit seinem Sieg am Mont Ventoux erlöste Valentin Paret-Peintre (Soudal-Quick-Step) nicht nur seine Mannschaft nach dem Tiefschlag durch das Evenepoel-Aus, sondern auch ganz Radsport-Frankreich, indem er für den ersten französischen Tageserfolg bei dieser 112. Tour de France sorgte.
Dabei profitierte das Leichtgewicht nicht nur von seinem starken Punch in steilen Schlussrampen, sondern auch von hervorragendem Teamwork.
Das zeigte auch Red Bull-Bora-hansgrohe. Die deutsche Mannschaft führte den vorher geschmiedeten Plan perfekt aus und am Ende distanzierten Primoz Roglic und Florian Lipowitz gemeinsam all ihre Gegner im Kampf um den dritten Podestplatz hinter den Überfliegern Tadej Pogacar (UAE-Emirates-XRG) und Jonas Vingegaard (Visma-Lease a Bike).
Diese Beiden wiederum wirkten am 'Giganten der Provence' ebenbürtig.
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Vingegaard greift Pogacar erneut an – und wird von Fan gestört
Quelle: Eurosport
Drei Dinge, die auf der 16. Etappe auffielen:
1. Sahnetag für Red Bull
Das gesamte Team Red Bull-Bora-hansgrohe hatte oben auf dem Gipfel des 'Weißen Riesen der Provence' Grund zur Freude. Denn die 16. Etappe dieser Tour de France ist genau so gelaufen, wie man es sich vorher ausgemalt hatte – und am Ende gewannen sowohl Florian Lipowitz als auch Primoz Roglic Zeit auf alle Kontrahenten um den dritten Podestplatz hinter den Überfliegern Pogacar und Vingegaard. In der Gesamtwertung hat Lipowitz nun 2:01 Minuten Vorsprung auf Oscar Onley, der wiederum nur noch 38 Sekunden vor dem auf Platz fünf vorgerückten Roglic liegt.
"Wir haben unser Spiel genau so gespielt, wie wir es wollten", bestätigte auch der Sportliche Leiter Enrico Gasparotto am Eurosport-Mikrofon nach der Etappe den Eindruck, dass seine Fahrer den eigenen Plan perfekt umgesetzt hatten.
Als Jonas Vingegaard knapp zehn Kilometer vor dem Ziel die erste Attacke aus der Favoritengruppe ritt und Tadej Pogacar sofort am Hinterrad des Dänen war, stieg auch Roglic zunächst mit etwas Abstand hinterher. Damit setzte er den Gesamtvierten Onley unter Druck, an dessen Hinterrad Florian Lipowitz abwartete. Der Schotte schloss die Lücke zu Roglic anschließend und dann griff Lipowitz an. Onley musste tiefgehen, um dem Mann im Weißen Trikot zu folgen und anschließend kam auch Roglic zum Duo wieder vor – alle anderen Kontrahenten waren abgehängt.
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Ullrich lobt Lipowitz: "Richtig, dass er nicht gleich mitgegangen ist"
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Es ging am Chalet-Reynard vorbei in die Geröllwüste und inzwischen hatte das Trio den aus der Ausreißergruppe zurückfallenden Mick van Dijke eingeholt, der im etwas flacheren Anstieg aus dem Wald heraus für seine Teamkollegen nochmal Führungsarbeit leistete. Und als der Niederländer dann ausscherte, nahmen Roglic und Lipowitz endgültig auseinander.
Wieder attackierte Roglic und fuhr allein weg. Onley musste erneut nachführen, um seinen vierten Gesamtrang zu verteidigen, und als der Schotte sich müde gefahren hatte, griff auch Lipowitz nochmal an und ließ ihn stehen. Wann der Deutsche dann zu seinem slowenischen Kapitän aufschloss, war in den TV-Bildern nicht zu sehen, doch als die Beiden die letzte steile Rampe zum Zielstrich hinauffuhren, waren sie beisammen und Roglic drehte noch ein paar Mal nach dem 24-Jährigen um – schien tatsächlich zu warten.
"Primoz ist ein ganz Großer der Szene. Man sieht hier genau seine Klasse, und Klasse vergeht nicht. Er hat enorme Erfahrung und wirkte heute wirklich sehr stark", lobte Team-Manager Ralph Denk seinen Kapitän am Eurosport-Mikrofon und auch Lipowitz freute sich bei der ARD über die Zusammenarbeit: "Primoz und ich haben uns heute super ergänzt."
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Lipowitz über Kampf am Mont Ventoux: "Nicht allzugute Beine"
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Gasparotto war daher besonders froh: "Wie sie heute das Finale gefahren sind, bedeutet mir sehr viel. Denn es zeigt, dass sie zuhören, wenn wir mit ihnen im Bus sprechen. Ich bin heute wirklich glücklich", sagte der Italiener und deutete an: "Primoz will bei dieser Tour noch etwas machen."
Da Lipowitz am Ventoux gestehen musste, dass er "nach dem Ruhetag, ehrlich gesagt, noch ziemlich k.o." gewesen sei, scheint die Reihenfolge des Red-Bull-Duos für Paris vielleicht doch noch nicht ganz so festgezurrt zu sein, wie viele in den Pyrenäen schon glauben wollten. Doch selbst wenn am Ende Roglic Dritter und Lipowitz im Weißen Trikot Vierter werden sollte, wäre das fürs Team und die neue deutsche Klassementhoffnung gleichermaßen ein riesiger Erfolg.
2. Vingegaard auf Augenhöhe und trotzdem mit Dämpfer
Als sich die rund 35-köpfige Spitzengruppe des Tages nach etwa 72 Kilometern endlich vom Hauptfeld löste und UAE den Abstand danach immer größer werden ließ, deutete sich an: Pogacar wollte den Sieg am legendären Mont Ventoux doch nicht um jeden Preis erzwingen. Mit rund sechseinhalb Minuten Rückstand fuhr das Peloton in Bedoin in die 21 Kilometer lange Schlusssteigung hinein, und trotzdem fehlten Pogacar und Vingegaard am Ende nur 43 beziehungsweise 45 Sekunden zum Tagessieger Paret-Peintre. Das Duo war den Anstieg in Rekordzeit hochgefahren.
Grund dafür war das Höllentempo, dass Visma schon unten hinein in den Schlussanstieg anschlug – und die relativ frühe Attacke von Vingegaard knapp zehn Kilometer vor dem Ziel. Insgesamt drei Mal griff der Däne den Mann im Gelben Trikot an, der im Gegenzug auch zwei Mal selbst attackierte. Bis zu den letzten 20 Metern am Observatorium aber konnten sich die beiden Überflieger nie distanzieren. Immer klebte der Angegriffene am Hinterrad des Angreifers, und danach übernahm Vingegaard wieder die Tempoarbeit.
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Ullrich analysiert: "Um Pogacar zu testen kann man, früher angreifen"
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Bedenkt man, dass in der Geröllwüste oberhalb des Waldes leichter Gegenwind herrschte, so unterstreicht das vor allem den starken Auftritt des Herausforderers. "Ich fühlte mich heute sehr gut. Ich bin zufrieden über meine Beine und die Attacken. Ich habe zwar keine Zeit gewonnen, dafür aber Motivation", sagte Vingegaard anschließend am Eurosport-Mikrofon, bemerkte aber auch: "Er (Pogacar) konnte bei jeder meiner Attacken mitgehen und ich konnte ihm folgen, als er angriff. Ich denke nicht, dass ich heute irgendwelche Schwächen bei ihm gesehen habe."
Trotzdem ist klar: Vingegaard und sein Visma-Team werden auch auf den zwei verbleibenden Hochgebirgsetappen zum Col de la Loze und nach La Plagne das Rennen so schwer wie möglich machen, um Pogacar mit seiner angeblich verstopften Nase noch in Schwierigkeiten zu bringen.
"Es gab natürlich ein paar Punkte, an denen ich gelitten habe. Aber es war heute nur ein Berg, ein Effort – Vollgas von unten bis oben", sagte der Slowene jedenfalls. "Die nächsten Tage werden ermüdender für den Körper."
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Ullrich von Pogacar-Aussage überrascht: "Das wundert mich"
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Ob Vingegaard und sein Team den Slowenen bei den hochintensiven Alpenetappen mit deutlich mehr Steigungskilometern zum Explodieren bringen können oder ob dieses Terrain dann doch wieder besser für Pogacar ist, wird sich zeigen. Jedenfalls wurde am Ventoux deutlich: Pogacar ist nicht dauerhaft so überlegen, wie 2024. Und hätte Vingegaard seine zwei schwarzen Tage im Zeitfahren von Caen und in Hautacam nicht gehabt, es wäre richtig, richtig spannend.
Einen Dämpfer musste Vingegaard am Ventoux allerdings auch noch hinnehmen: Im Zielbereich kollidierte er mit einem Fotografen, kam zu Fall und beklagte anschließend Schulterschmerzen.
3. Soudal reißt das Ruder mit Teamwork herum
Drei Tage nach dem Ausstieg von Remco Evenepoel hat das Team des Belgiers am Mont Ventoux auf Etappe 16 dieser Tour seinen vierten Etappensieg gefeiert. Abgesehen davon, dass das große Ziel, mit Evenepoel ums Podium zu fahren, in den Pyrenäen geplatzt ist, kann man bei Soudal-Quick-Step sehr glücklich mit dieser Frankreich-Rundfahrt sein – so glücklich wie Etappensieger Paret-Peintre es auf dem 'Giganten der Provence' war.
"Es ist natürlich Wahnsinn. Es war für uns alle ein Schlag, dass Remco die Tour aufgegeben hat. Aber die gute Stimmung ist am Ruhetag zurückgekommen und ich freue mich einfach riesig für Valentin. Ich war viel mit ihm im Trainingslager auf dem Zimmer und er ist ein geiler Typ – das ist einfach geil", strahlte Maximilian Schachmann am Eurosport-Mikrofon und der neue Teamchef Jurgen Foré meinte bei Sporza:
"So ist das Leben, so ist der Radsport. Man muss mit Rückschlägen umgehen und dann zurückschlagen können. Meine Glückwünsche an das Team, dass sie so aus der Enttäuschung herausgekommen sind."
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Ullrich begeistert von Sieg für Gastgeber: "Freue mich für Franzosen"
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Eigentlich hatte man auch bei Soudal damit gerechnet, dass sich Pogacar den prestigeträchtigen Ventoux-Sieg würde holen wollen. Trotzdem aber wollte man zur Sicherheit eins, zwei Fahrer in die Ausreißergruppe des Tages schicken – und als die 99 Kilometer vor Schluss dann in beeindruckender Größe von rund 35 Mann wegfuhr, war man sogar zu dritt. "Und die haben es perfekt gemacht", lobte Schachmann.
Sie blieben cool, als ein Sextett mit den starken Kletterern Enric Mas und Thymen Arensman sich absetzte, Pascal Eenkhoorn fuhr dahinter Tempo und ließ den Abstand nicht zu groß werden – und am Ventoux dann attackierte Paret-Peintre mehrmals, um gemeinsam mit Ben Healy und Santiago Buitrago schließlich nach vorne aufzuschließen und die bereits verausgabteren Kletter-Asse von Movistar und Ineos zu bezwingen.
Der Schlüssel zum Sieg aber war wohl der Kampfgeist von Teamkollege Ilan van Wilder. Der nämlich war zwar recht früh abgehängt, zog aber sein Tempo weiter durch und kam auf den letzten zwei Kilometern wie aus dem Nichts von hinten wieder an die Spitze heran, um dort noch einmal Vollgas Tempo zu bolzen und die Paret-Peintre-Gruppe vor der Einholung der gefährlich nah kommenden Top-Favoriten zu bewahren.
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Paret-Peintre erlöst Frankreich - Pogacar widersteht Vingegaard-Attacken
Quelle: Eurosport
"Wir hatten zuletzt wirklich ein paar Scheißtage, aber heute haben wir gezeigt, was wir können, nachdem wir als Mannschaft viel Kritik bekommen hatten", freute sich Van Wilder am Eurosport-Mikrofon, dass man gemeinsam die perfekte Antwort auf das Evenepoel-Aus gefunden hatte. Und die Erfolgsstory der Etappenjäger in Dunkelblau muss noch längst nicht vorbei sein.
"Morgen ist gleich das nächste Ziel für uns mit Tim (Merlier)", sagte Schachmann mit Blick auf die vermeintliche Sprintetappe nach Valence. "Jetzt sind Motivation und Stimmung auf einem Hoch und ich glaube Tim kann morgen ein weiteres Mal zeigen, dass er der schnellste Sprinter ist."
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