Drei Dinge, die auf der 4. Etappe der Tour de France auffielen: Primoz Roglic und Red Bull mit dem Rücken zur Wand

Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard haben sich am letzten Anstieg der 4. Etappe der Tour de France 2025 einen echten Kampf geliefert, der Slowene gewann das Teilstück und sicherte sich damit seinen 100. Sieg. Die beiden Stars zeigten auch, dass sie die Konkurrenz kaum fürchten müssen. Im Kampf um die Plätze dahinter musste auch Red Bull-Bora-hansgrohe Federn lassen. Drei Dinge, die uns auffielen.

Analyse zum Rouen-Sieg: "Für Pogacar ist es perfekt gelaufen"

Quelle: Eurosport

"Vor dem Rennen haben wir mit Wout van Aert ein bisschen gelacht, als wir auf die Streckenkarte geguckt und festgestellt haben, dass das heute fast wie ein Cyclocross-Parcours ist", sagte Victor Campenaerts nach der 4. Etappe nach Rouen. Das Finale war gespickt mit technischen Abschnitten, steilen Anstiegen und Abfahrten.
Es wurde zum Showdown der Superstars. An der Rampe Saint-Hilaire trat Pogacar an - und außer dem großen Rivalen Vingegaard konnte keiner folgen. Kurz sah es so aus, als ob sich der Weltmeister kurz vor der Bergwertung fünf Kilometer vor dem Ziel absetzen könnte, aber der Däne kämpfte sich zurück.
Zuvor schlugen nacheinander UAE Emirates-XRG und Visma-Lease a Bike ein brutales Tempo an, um das Feld zu dezimieren. Zu den Leidtragenden im Finale zählte auch das Team Red Bull-Bora-hansgrohe. Florian Lipowitz ließ schon vor dem letzten Anstieg abreißen, Primoz Roglic verlor von der steilen Rampe bis ins Ziel 30 Sekunden auf seine großen Konkurrenten ums Podium.
Drei Dinge, die auf der 4. Etappe auffielen:
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Pogacar setzt erstes Ausrufezeichen im Zweikampf mit Vingegaard

Quelle: Eurosport

1. Red Bull muss den Anschluss wiederherstellen

1:27 Minuten. So groß ist der Rückstand von Primoz Roglic auf Tadej Pogacar nach vier Etappen dieser Frankreich-Rundfahrt. Edelhelfer und "Joker" Florian Lipowitz ist schon 1:49 Minuten zurück. Beide verloren in den anspruchsvollen Finals weitere Zeit auf die großen Favoriten Pogacar und Vingegaard.
Roglics Zeitrückstand nach Rouen konnte durch ein technisches Problem nach einer Sturzfolge - in die der Slowene selbst nicht verwickelt war - nur noch das große Kettenblatt benutzen. Das machte Rampen mit 15 Prozent und mehr zu einer noch größeren Herausforderung als ohnehin schon und es nahm ihm sicher die Möglichkeit, auf Attacken antworten zu können.
Der Zeitverlust steht trotzdem in der Ergebnisliste, auch für Lipowitz, dem das Finale gar nicht lag. "Mir haben etwas die Beine gefehlt", sagte er im Ziel gegenüber "radsport-news.com". "Ich glaube, ich habe zu viele Körner verschwendet, hinten die Lücke zuzufahren. Normalerweise liegt mir das Explosive nicht so. Das hat man heute, glaube ich, auch gesehen. Mit so viel Laktat in den Beinen steht man oben am Berg und kann fast nicht mehr treten, deshalb war ich jetzt auch froh, im Ziel zu sein."
Das deutsche Team steht nun dennoch vor einem handfesten Problem. Auf der ersten Etappe verloren sie an der Windkante 39 Sekunden auf Pogacar und Vingegaard. Nach Rouen waren es weitere 32 beziehungsweise 54 Sekunden. Diesmal aber eben nicht nur auf die großen Favoriten - die wohl ohnehin in einer Liga für sich agieren - sondern auch auf deren "Adjutanten" Joao Almeida und Matteo Jorgenson, sowie auf Remco Evenepoel (Soudal-Quickstep) und andere Podiumskandidaten wie Oscar Onley (Picnic-PostNL) oder Mattias Skjelmose (Lidl-Trek).
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Aldag: "Roglic hatte nur noch das große Kettenblatt"

Quelle: Eurosport

Das Tour-Aufgebot des Raublinger Rennstalls war eigentlich darauf ausgerichtet, um genau dies in der ersten Tour-Woche zu verhindern. Im Gegenteil, idealerweise wollte man sogar das Heft des Handelns in die Hand nehmen.
Das ging schon auf beim Tour-Auftakt um Lille schief und noch dazu sind Teile des Teams vom Sturzchaos auf der 3. Etappe schwer gebeutelt. Jordi Meeus und Laurence Pithie schleppten sich mit Verletzungen über die 174 Kilometer nach Rouen. Rolf Aldag und Co. hoffen, dass sie sich über das Zeitfahren erholen können.
Das Zeitfahren wird klischeehaft oft als "Stunde der Wahrheit" bezeichnet. Für die Red Bull-Akteure gilt das in diesem Jahr umso mehr: Roglic muss, wenn er seine Podiumshoffnungen am Leben halten will, eine Zeitfahr-Performance aus seiner besten Zeit abliefern. Im Idealfall würde er nur Zeit auf Weltmeister und Olympiasieger Remco Evenepoel verlieren, mindestens sollte er den weiteren Schaden gegenüber Vingegaard und Pogacar in engen Grenzen halten.

2. Pogacar vs. Vingegaard: Es bleibt eng

Für Red Bull-Bora-hansgrohe und die anderen Teams der Klassement-Favoriten dürfte nach dem heutigen Tag - Stürze und sonstige Unglücke ausgenommen - klar sein, dass es bei dieser Tour um Platz drei gehen wird. Pogacars Attacke und Vingegaards Antwort fünf Kilometer vor dem Ziel zeigten den Klassenunterschied zum Rest der Konkurrenz.
Mathieu van der Poel, Evenepoel, Romain Gregoíre, Skjelmose - sie alle konnten nur zusehen, wie die beiden Topfavoriten ihr Feuerwerk abbrannten. Das Bild sah ähnlich aus zu den vergangenen Jahren und - im Falle Pogacars - wie im gesamten Frühjahr.
Aber es gibt einen Unterschied: Der Weltmeister musste ebenfalls ans Limit gehen. Hätte er gekonnt, als die Lücke zum Dänen kurz vor der Kuppe aufging, hätte er durchgezogen und einen Solo-Sieg eingefahren. Aber auch sein Pulver war kurz darauf verschossen, Vingegaard konnte aufschließen.
"Ich denke, das war einer der besten einminütigen "Power-Efforts" meiner Karriere", sagte der Visma-Kapitän. "Ich bin wirklich glücklich mit meiner Leistung. Ich habe einmal mehr gezeigt, dass ich explosiver geworden bin."
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Von 0 auf 100 in sechs Jahren: Pogacars Meilensteine

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Für Pogacar war die Anstrengung laut eigener Aussage eine "12 von 10" - selten sah der Slowene in den vergangenen zwölf Monaten so aus, als wäre er auch nur in der Nähe dieser Skala gewesen.
Vingegaard scheint stärker zu sein als im vergangenen Jahr, der Abstand zu Pogacar mindestens geringer zu sein als 2024 - und das, obwohl die Etappe heute dem Titelverteidiger auf den Leib geschneidert schien. Der Kampf um das Gelbe Trikot in Paris verspricht Spannung - und der Verlierer des Duells wird wohl Zweiter werden.

3. UAE vs. Visma: Die Superteams dominieren

Das Duell der Topstars ist auch ein Duell der Superteams - und auch diese ließen sich während der 4. Etappe erstmals so richtig aus der Reserve locken. UAE Emirates übernahm im Finale zuerst die Tempoarbeit - dann folgte der große Auftritt von Victor Campenaerts.
Elf Kilometer vor dem Ziel setzte er sich an die Spitze des Feldes und führte die Favoriten in den Schlussanstieg. "Wir wussten, dass es gut wäre, in den technischen Abfahrten die Führung innezuhaben", sagte der Belgier am Eurosport-Mikrofon. "Das haben wir geschafft. Das hat etwas Druck auf die Konkurrenz gelegt. Tadej lässt sich aber leider nicht so leicht überraschen."
Sein Name wurde nur selten unter den großen Stars beider Teams genannt, aber der einstige Zeitfahrspezialist hat sich bewiesen - und wird von seiner eienen Motivation geleitet: "Ich wollte den Ansatz meiner Karriere verändern. Ich wollte ein Helfer in Grand Tours sein und wollte das genau das tun: bei meinem Kapitän sein, entscheidende Attacken und Tempoverschärfungen fahren, den Druck auf andere Kapitäne erhöhen."
Das ist ihm gelungen, auch wenn Pogacar und UAE (mit Almeida) Schritt halten konnten. "Dieser Kurs war perfekt auf Pogacar zugeschnitten", sagte Campenaerts, "aber das heißt nicht, dass wir einfach die Waffen strecken sollten. Wir haben heute getan, was wir konnten."
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Rache für Etappe zwei: Pogacar schlägt van der Poel im Sprint

Quelle: Eurosport

Visma-Lease a Bike kann mit der Ausgangssituation nach vier Renntagen zufrieden sein. Für Vingegaard waren diese Etappen "Auswärtsspiele" im Vergleich zu Pogacar - und doch liegt er nur durch Zeitbonifikationen acht Sekunden hinter dem Slowenen.
Das Team aus den Emiraten liegt seinerseits ebenfalls im Soll. Pogacar gewann die Etappe und liegt gleichauf mit dem Gesamtführenden Mathieu van der Poel - aber noch ohne den Druck des Gelben Trikots. Auch Edelhelfer Almeida zeigte eine starke Leistung für seinen Kapitän - auch in der ungewohnten Rolle des Anfahrers im Sprint.
"Es war Vollgas auf den letzten Kilometern", sagte der Portugiese gegenüber Eurosport. "Das war mein Job und Tadej hat gewonnen, also lief es sehr gut. Visma hat uns ein bisschen Arbeit abgenommen, wir wollten am Ende des letzten Anstiegs Vollgas geben und das war gut für uns. Am Ende haben wir den Plan perfekt durchgeführt. Wenn man einen Plan hat, kann man gut reagieren, es ist dann ganz natürlich."
In Teams voller potenzieller Häuptlinge haben sich Vingegaard und Pogacar durch ihre Stärke die bedingungslose Loyalität ihrer Mitfahrer gesichert. Sie werden sie im weiteren Verlauf der Grand Boucle brauchen. Im Einzelzeitfahren rund um Caen sind sie aber auf sich allein gestellt.
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Tour-Strecke, 5. Etappe: Der Kurs des Zeitfahrens um Caen

Quelle: Eurosport


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