Tour de France 2025 - Drei Dinge, die auffielen: Milan feiert Meilenstein im Kampf um Grün - Wetter schlägt vor Alpen um
VonJan Zesewitz
Update 23/07/2025 um 21:58 GMT+2 Uhr
Jonathan Milan hat nicht nur die 17. Etappe der Tour de France nach einem chaotischen Sprint gewonnen, sondern ist auch seinem großen Ziel, dem Grünen Trikot, einen großen Schritt näher gekommen. Hauptkonkurrent Tadej Pogacar kann jetzt aber wieder nachziehen. Der Sturz einen Kilometer vor dem Ziel zeigte auch - das neue, nasse Wetter der Tour birgt große Gefahren, auch in den Alpen.
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Vier Etappen stehen bei der Tour noch aus - ein eindeutiger Massensprint ist nicht mehr dabei. Milan nutzte - unter starker Mithilfe des gesamten Lidl-Trek-Teams - seine womöglich letzte Chance auf einen Etappensieg. Und er konnte sich von seinem Konkurrenten Pogacar im Duell um Grün absetzen.
Sein Hauptkonkurrent bei den Massensprints, Tim Merlier von Soudal Quick-Step, konnte ihm den Sieg nicht streitig machen. Bei einem Sturz an der 1000-Meter-Markierung wurde eine Großzahl der Sprinter vom Finale ausgeschlossen, darunter auch der Belgier.
Leider auch die deutschen Sprinter um Phil Bauhaus - damit könnte die beste Chance auf einen deutschen Etappensieg vergangen sein. In den Alpen zählen die neun verbliebenen Akteure aus Deutschland nicht zu den Favoriten - außer Florian Lipowitz, der vor allem Platz drei verteidigen möchte. Dies wird er bei nasserem und kälterem Wetter als in den Pyrenäen schaffen müssen - die 17. Etappe nach Valence gab einen Vorgeschmack auf die neuen Herausforderungen.
Drei Dinge, die auf der 17. Etappe auffielen:
1. Vorentscheidung? Milan darf sich nicht sicher sein
72 Punkte - so groß ist der Vorsprung von Milan auf Pogacar - 61 mehr als noch vor der 17. Etappe. Das war harte Arbeit. Den ganzen Tag musste Lidl-Trek von vorne fahren, um eine überschaubar große Gruppe fahren zu lassen - einerseits für Kontrolle der Etappe, andererseits, um beim Zwischensprint noch Punkte zu sammeln.
Das gelang, Milan wurde Fünfter beim Zwischensprint und holte elf Punkte. Dann wurde es noch einmal brenzlig. Am ersten kategorisierten Anstieg des Tages wurde der Italiener gemeinsam mit vielen anderen Sprintern aufgrund des hohen Tempos abgehängt.
Seine Mannschaft musste nun erneut hart arbeiten, um den Kapitän zurückzubringen. Wieder gelang es dem US-Team. "Geschenkt wurde ihnen nichts", sagte auch Jan Ullrich nach der Etappe im Velo Club.
Schließlich waren alle Helfer von Milan "aufgebraucht" und konnten ihn im Finale nicht mehr helfen. Der Sprinter arbeitete sich von weit hinten nach vorne und schaffte es noch vor dem Sturz in die vorderen Positionen. Im reduzierten Sprinter-Feld war er der Stärkste vor Jordi Meeus.
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Expertenvorschau zur Etappe 18: Wettereinbruch zur Königsetappe
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Bezeichnend für das erfolgreiche Teamwork war die Ehrerbietung, die Quinn Simmons von seinen Lidl-Teamkollegen beim Überqueren der Ziellinie - rund fünf Minuten nach Milan - erhielt.
Nun ist Milan im Kampf um Grün in der Pole Position. Der einzige Konkurrent ist Tadej Pogacar, der auf den kommenden schweren Alpenetappen wohl maximal 40 Punkte holen kann. Geht Milan bei den Zwischensprints leer aus, bleibt ein Vorsprung von 32 Punkten.
Die 20. Etappe nach Pontarlier sollte an eine Ausreißergruppe gehen, aber die große Unbekannte ist die Schlussetappe: Durch den Anstieg von Montmartre auf der Schlussrunde in Paris ist ein "Sprint Royale" keine ausgemachte Sache. Und es ist nie eine ausgemachte Sache, dass Pogacar eine solche Etappe nicht gewinnt. Das läge dann aber nicht mehr in der Hand des Italieners - er hat seine Hausaufgaben gemacht. Das war anstrengend genug.
2. Schlechtes Wetter kann Chaos in den Alpen bedeuten
Rückblick in die Pyrenäen: Die Fahrer kämpfen nach Hautacam und beim Bergzeitfahren nach Peyragudes mit Temperaturen von weit über 30 Grad. Eisbeutel waren die begehrteste Ware im Peloton, im Vorfeld der Tour stand das Hitzetraining hoch im Kurs.
"Alle gewöhnen sich an die Hitze und dann fahren wir bei 10 Grad und Regen durch die Gegend", sagte Pogacar schon vor einigen Tagen. Nun ist das Wetter endgültig umgeschlagen, es geschah irgendwann im Verlauf der 17. Etappe der Tour.
Regen und Kälte sorgen für eine ganz andere Herausforderung als Hitze, aber sie macht die Tour nicht ungefährlicher - wie auch der Sturz kurz vor dem Ziel zeigte, in den unter anderem Biniam Girmay verwickelt wurde.
In den Alpen könnte es bei nassen seifigen Abfahrten um so gefährlicher werden - und womöglich Einfluss auf die Taktik nehmen. Würde es ein Fahrer - etwa Jonas Vingegaard - riskieren, vor dem letzten Anstieg zu attackieren, um eventuell alleine eine regennasse Abfahrt mit schlechter Sicht in Angriff zu nehmen?
Und eines zeigte sich auch in der Geschichte des Radsports bei schlechtem Wetter: Wer die Beine nicht hat, muss dafür umso teurer bezahlen. Die Abstände werden in der Regel größer - das erlebte Pogacar auf der positiven Seite, als er 2021 nach Tignes drei Minuten auf alle anderen Favoriten herausfuhr - und etwa Jan Ullrich auf der anderen Seite. 1998 verlor er die Tour im Regen und Schneechaos vom Col du Galibier und Les Deux Alpes an Marco Pantani.
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Highlights: Übler Crash überschattet Milans Triumph
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3. Meeus holt bestes Red Bull-Ergebnis - keine Chance auf deutschen Sieg?
Für Red Bull-Bora-hansgrohe läuft diese Tour 2025 immer besser. Roglic und Lipowitz überzeugen im Hochgebirge und lassen die deutsche Radsport-Nation von einem Podium bei der Grande Boucle träumen.
Angesteckt davon scheint sich auch der Rest des Teams an den Kapitänen ein Beispiel zu nehmen. Jordi Meeus quälte sich nach einem Sturz in der ersten Woche viele Tage lang nur ins Ziel. An einen echten Eingriff in die Sprintentscheidungen war nicht zu denken.
Sein Leidensweg zahlte sich beim womöglich letzten Massensprint der Tour doch noch aus. Der Belgier überstand den Sturz an der Flamme Rouge und wurde Zweiter hinter Milan. Das beste Ergebnis für den deutschen Rennstall bei dieser Grand Boucle.
Enttäuscht war Meeus trotzdem: "Das ist eine verpasste Chacne", sagte er gegenüber "Sporza" und lamentierte, dass er nach Milan zu spät gestartet sei.
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Ullrich zu Lipowitz: "Roglic ist ein erfahren und wird ihm helfen"
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Red Bull hat noch keinen Tagessieg, aber auch die deutschen Fahrer gingen bis hierhin leer aus. Mit Sprinter Phil Bauhaus wurde die wohl größte Hoffnung auf einen Tagessieg vom Sturz aufgehalten, er konnte aber auf dem Rad bleiben.
"Ich war tatsächlich der Letzte, der noch durchgekommen ist", sagte er im "ARD"-Interview. "Der Sturz war direkt vor mir links, ich hatte Glück, dass dann die Person und die Räder nach links gerutscht sind und ich konnte dann rechts noch vorbei. Es war sehr rutschig. In den Kreisverkehren vorher bin ich auch schon ein bisschen mit dem Hinterrad weggerutscht. Ich hoffe, alle sind gesund und ich bin froh, dass ich auf dem Rad geblieben bin."
In den kommenden beiden Tagen verlegen sich die Hoffnungen wieder auf Lipowitz, der aber wohl die "dritte Kraft" hinter Pogacar und Vingegaard wäre, wenn es um Etappensiege aus einer Fluchtgruppe heraus geht. So ist es nicht unwahrscheinlich, dass Nils Politt 2021 der vorerst letzte deutsche Etappensieger bleibt.
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