Tour de France: Tim Melier und Soudal-Quickstep erobern Sprinter-Thron mit Teamwork zurück - Drei Dinge, die auffielen

Tim Merlier feierte in Chalon-sur-Saône einen Sieg-Hattrick bei der diesjährigen Tour de France. Nach dem womöglich letzten Massensprint der Frankreich-Rundfahrt setzte er sich damit eindeutig auf den Thron der Sprinter: Drei von fünf dieser Ankünfte entschied der Belgier für sich - auch dank seines überragenden Teams. Die deutschen Sprinter gehen dagegen leer aus. Drei Dinge, die auffielen.

Highlights: Sprintstars müssen Attacken im Finale abwehren

Quelle: Eurosport

Zum ersten Mal bei dieser Tour de France kam es im Etappenfinale zu einem folgenschweren Massensturz, als Fernando Gaviria von Vlad van Mechelem touchierte wurde und zu Fall kam. Dabei riss der Kolumbianer unbeabsichtigterweise zahlreiche andere Fahrer mit. Einige Profis mussteb die Tour mit Knochenbrüchen und anderen Verletzungen beenden.
Die meisten Top-Sprinter kamen durch - und wieder setzte sich Tim Merlier durch. Seine Hauptkontrahenten Jasper Philipsen und Olav Kooij konnten der Endgeschwindigkeit des Belgiers einmal mehr nichts entgegensetzen.
Die deutschen Sprinter hatten bei dieser Etappe wieder einmal keine Chance - der zweite Platz von Max Kanter auf der 5. Etappe bleibt das beste Ergebnis der einstigen Sprinter-Nation.
Drei Dinge, die auf der 12. Etappe auffielen:

1. Soudal und Merlier erobern den Sprinter-Thron

In Chalon-sur-Saône feierte Merlier seinen zehnten Grand-Tour-Etappensieg, den sechsten bei der Tour. Sein dritter Erfolg bei der Tour 2026 gelang auch dank der Extra-Motivation durch die Familie, die zum Zielort gereist war.
"Mein Sohn und meine Frau sind da und das gab mir extra Motivation", sagte er im Sieger-Interview. "Er ist zwar noch jung, aber vielleicht wird er sich später hier mal dran erinnern. Ich wollte für sie gewinnen. Das ist etwas Besonderes für mich. Es ist nicht einfach genau an diesem Tag zu gewinnen, deswegen freue ich mich sehr."
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Süßes Siegerinterview: Merlier lässt Söhnchen staunen

Quelle: Eurosport

Seine Überlegenheit in den Sprints hat er auch seinem Team zu verdanken. Jahrzehntelang trug der beste Sprinter der Welt traditionell das Trikot von Quick-Step: Tom Boonen, Mark Cavendish, Marcel Kittel, für eine Zeit auch Fernando Gaviria, Sam Bennett und Elia Viviani - sie alle feierten ihre größten Erfolge im Trikot des "Wolfpacks".
Mit dem Fokus auf Remco Evenepoel und seine Klassement-Ambitionen verlor die belgische Equipe diesen Anspruch aus den Augen. Nun ist der Superstar weg, Soudal verstärkte sich mit dem erfahrenen Anfahrer Jasper Stuyven - und schon ist die Sprint-Dominanz der Belgier wieder da. Von dieser profitierte auch schon Paul Magnier beim Giro d'Italia.
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Heftiger Sturz überschattet Sprint-Finale in Chalon-sur-Saône

Quelle: Eurosport

Stuyven versteht es, einen Sprint zu lesen wie kein Zweiter: "Wir wussten, dass keine Mannschaft zu früh in Führung gehen wollte", analysierte Stuyven gegenüber "Wieleflits". "Wir hatten heute ein bisschen darauf gesetzt, dass die anderen Teams abwarten würden. Wir wollten Tim hinter Alpecin-Premier Tech positionieren, und das hat auf der linken Seite funktioniert. Dort würde sich die Lücke ergeben, das hatten wir schon gesehen."
Wenn man dann noch die schnellsten Beine hat, wie Merlier, hat man in diesem Team beste Aussichten.

2. Die deutschen Sprinter: Kanter und viel Frust

Phil Bauhaus war im Ziel bedient. Der Bahrain-Victorious-Sprinter wurde am Vorabend von seinem Team zum Anfahrer für Vlad van Mechelem degradiert, am Eurosport-Mikrofon verabschiedete er sich schon halb von der Tour.
"Die Ergebnisse sprechen für sich, es ist nicht so, dass in Zukunft kein Weg an mir vorbeiführt", sagte er niedergeschlagen. Seine Analyse steht stellvertretend für die einstige Sprinter-Nation Deutschland. Die Zeiten der Seriensiege von Erik Zabel, André Greipel oder Marcel Kittel sind Geschichte.
Bauhaus konnte einen Top-Ten-Platz herausfahren, genauso viele wie Pascal Ackermann, der heute dem Sturz nur knapp entrinnen konnte. Max Kanter ist der einzige Lichtblick, auch wenn sein zweiter Platz in Pau ein Ausreißer nach oben war, den er nicht mehr bestätigen konnte.
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Kanter zögert zu lange: Der Sprint in der Analyse

Quelle: Eurosport

Der Astana-Sprinter zeigte sich in den Zwischensprints und im Finale mit seiner Mannschaft aktiv. Kanter hat bei dieser Tour den Vorteil, dass sich sein Team komplett auf ihn konzentriert bei den wenigen Sprint-Ankünften der Grand Boucle. Er konnte in Ansätzen zeigen, dass diese Vertrauen gerechtfertigt ist, wie auch sein fünfter Platz in der Punktewertung zeigt.
Für Bauhaus und Ackermann gilt das als "Solo-Kämpfer" nicht. Soudal zeigte, wie viel ein Sprintzug mit starken Fahrern wert sein kann. Die Umstellung bei Bahrain hat sich übrigens nicht gelohnt. Van Mechelem war nach Ansicht der Jury für Gavirias Sturz verantwortlich und wurde vom 17. auf den 144. Platz zurückgesetzt.
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Schonungslose Analyse: Bauhaus über seinen "vielleicht letzten Tour-Sprint"

Quelle: Eurosport


3. Ausreißer wittern Chance auf Flachetappen

Bis vor wenigen Jahren war es quasi Gesetz, dass eine Ausreißergruppe auf Flachetappen keine Chance hat. Das Drehbuch lief allzu oft nach dem gleichen Muster ab: Ein Grüppchen mit Fahrern kleiner Mannschaften setzte sich ab, wurde vom Feld an der langen Leine gehalten und wenige Kilometer vor dem Ziel nach tapferem Kampf eingeholt.
Sobald die Einholung erfolgt ist, setzen sich die Sprinterteams an die Spitze des Feldes und rasen Richtung Finale - Attacken zwecklos.
In der Ära Pogacar wandelte sich das Blatt. Angesichts der Überlegenheit des Dominators sieht die Konkurrenz ihre eigene Chance auf weniger profilierten Etappen - den Rest holt sich der Slowene ohnehin.
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Während Angriff am Berg: Simmons gibt seinem Vater ein High Five

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Das ändert die Taktik - und macht das Rennen spannender. Der erste Teil des Drehbuchs bleibt gleich, doch gerade die Männer von EF Education-EasyPost und Lidl-Trek sorgten heute auf den letzten 30 Kilometern für Action. Selbst der Mann in Grün, Mads Pedersen, ließ es nicht selbstverständlich auf einen Sprint ankommen.
Das Finale ähnelte eher einem Eintagesklassiker. Dass es am Ende doch zum Sprint kam - geschenkt. Attacken und Mut machen ein Radrennen aus, insbesondere bei einer Grand Tour und noch einmal mehr bei der Tour. Danke an die Fahrer, die sich nicht einfach dem Unausweichlichen stellen.
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Tour-Vorschau, 13. Etappe: Kletterpartie im Elsass lockt Ausreißer

Quelle: Eurosport


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