Fehlende Zuschauer-Einnahmen, wenig globale Präsenz und geringe Preisgelder: Red-Bull-Teammanager Denk fordert Umdenken
VonThomas Gaber
Update 28/06/2026 um 14:38 GMT+2 Uhr
Wenn am 4. Juli in Barcelona die 113. Ausgabe der Tour de France beginnt, werden weltweit wieder über drei Milliarden Menschen zumindest einmal während der drei Rennwochen die "Grand Départ" im TV ansehen. Doch die globale Präsenz des Radsports lässt zu wünschen übrig - meint zumindest Ralph Denk, Teammanager von Red Bull-Bora-hansgrohe. Dies sei aber nur ein Problem von vielen im Radsport.
Zweimal Alpe d'Huez: Die Tour-Strecke 2026 von Barcelona nach Paris
Quelle: Eurosport
Das lange Warten der Radsport-Fans auf die großen direkten Duelle der Superstars hat in Kürze endlich ein Ende: Tadej Pogacar, Jonas Vingegaard, Florian Lipowitz, Remco Evenepoel und Paul Seixas - die Haute Volée des Radsports wird bei der 113. Tour de France (vom 4. - 26. Juli live bei Eurosport und HBO Max) die Klingen kreuzen.
Geht es nach Ralph Denk, müsste das Kräftemessen der Besten häufiger stattfinden. "Die Topstars sollten nicht nur bei der Tour gegeneinander fahren. Warum soll es das nicht öfter im Jahr geben? Jeder Radsport-Fan würde sich freuen, wenn er nicht jedes Jahr bis zum Sommer warten muss", sagte der Teammanager von Red Bull-Bora-hansgrohe in einer Medienrunde, bei der auch Eurosport mit am Tisch saß.
Das "Sich-gegenseitig-aus-dem-Weg-gehen" stört Denk und sorgt seiner Meinung dafür, dass der professionelle Radsport global nicht so richtig aus dem Quark kommt.
"Wir, die Teams, wollen den Radsport größer machen. Er findet nach wie vor vor allem in Europa statt, wir sind wenig präsent auf dem amerikanischen Markt, wo ich persönlich sehr viel Potenzial sehe. Es wird wahnsinnig viel Rennrad gefahren, unser Sport ist Lifestyle geworden. Es gibt viele Länder, die eine große Rad-Community haben, wo aber keine Rennen auf hohem Niveau stattfinden. Ich wünsche mir ein globaleres Produkt", verdeutlicht Denk.
"Irgendeiner muss die Party bezahlen"
Die Gleichung ist einleuchtend: Mehr globale Präsenz bedeutet mehr potenzielle Geldgeber. Doch gleichzeitig ist dies laut Denk das große Dilemma des Radsports.
"Der Wunsch der Teams ist, - und da kann ich für alle meine Kollegen sprechen - dass wir nicht zu 95 Prozent von Partnerschaften abhängig sind", sagte der 52-Jährige.
Sollte sich daran in Zukunft nichts ändern, gehe es vielen Mannschaften an den Kragen. Denk: "Am Ende muss irgendeiner die Party bezahlen. Im Radsport haben viele Teams wirklich zu kämpfen, dass sie das benötigte Budget an den Start kriegen. Aktuell ist es so, dass wenn große Partnerschaften zu Ende gehen, schwitzt man als Betreiber schon, um die Lücke wieder zu füllen."
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Lipowitz im Exklusiv-Interview: "Rechne mit anderem Pogacar"
Quelle: Eurosport
Zuschauer-Einnahmen als mögliche Quelle
Doch woher soll das Geld kommen? Ein Ansatz wäre, künftig Zuschauer-Einnahmen zu generieren - zumindest teilweise. "Der Radsport ist eine der wenigen Sportarten, wo man so nah hinkommt, ohne etwas zu bezahlen", sagt Denk und schlägt einen Mix vor: "Man könnte gewisse Strecken frei zugänglich machen, andere Zugänge aber monetarisieren."
Ein paar Euros zu bezahlen, um die Sprinter den Champs-Élysées entlanghetzen oder die Bergspezialisten den Mont Ventoux hinaufknüppeln zu sehen, sollte nicht weniger Menschen an die Strecken locken.
Beim Vergleich mit anderen vergleichbaren Sportveranstaltungen kommt der Radsport-Fan ohnehin gut davon. Denk nennt hier das Beispiel Hahnenkammrennen in Kitzbühel: "Da stehst du 40, 50 Meter von der Strecke entfernt. Nicht am Start, nicht am Ziel, sondern irgendwo an der Strecke im Wald. Da nehmen sie dir schon 30 Euro ab, damit du einen Skirennfahrer von 50 Meter Entfernung siehst. Da muss man sagen, dass der Radsport-Fan schon einen großen Genuss hat."
Denk fordert Erhöhung der Preisgelder
Auch hinsichtlich der Preisgelder müsse sich der Radsport an anderen Sportarten orientieren. "Wenn ich mir das Preisgeld anschaue, das bei der Tour de France ausgeschüttet wird und man das mit Tennis oder Golf vergleicht, dann tun mir die Jungs schon leid", sagt Denk und gibt an, dass das Preisgeld bei der Tour 2026 reduziert wurde.
Tatsächlich handelt es sich um einen marginalen Wert: Statt 2,577 Millionen Euro Gesamtpreisgeld 2025 sind es in diesem Jahr 2,574 Millionen - eine Reduzierung um 0,1 Prozent.
Die Fahrer für ihre Strapazen und die grandiose Show, die sie bieten, besser zu entlohnen, ist für Denk auch eine Herzensangelegenheit: "Wir wollen keinem etwas wegnehmen, das ist der engstirnige falsche Ansatz. Wir wollen einfach den Kuchen größer machen und da hoffe ich für alle Rennfahrer, dass das Preisgeld steigt."
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Quelle: Eurosport
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