Jens Voigt vor Tour de France: "Das ist ein Szenario, bei dem Red Bull von Gelb träumen darf"
Red Bull-Bora-hangrohe fährt mit jeder Menge Rückenwind zur Tour de France 2026. Nicht zuletzt dank des Erfolges von Florian Lipowitz, dem Vorjahresdritten der Frankreich-Rundfahrt, bei der Tour of Slovenia. Ein Fragezeichen steht dagegen noch hinter der Form von Remco Evenepoel. Eurosport-Experte Jens Voigt bewertet im Vorfeld der Tour Red Bulls Chancen auf das Podium oder gar den Gesamtsieg.
Highlights: Lipowitz mit unwiderstehlicher Attacke zum Gesamtsieg
Quelle: Eurosport
Das größte Radrennen der Welt wirft bereits seine Schatten voraus. Am 4. Juli fällt der Startschuss für die 113. Tour de France.
Mittendrin ist das Team Red Bull-Bora-hansgrohe, das nach dem dritten Gesamtrang im Vorjahr von Florian Lipowitz Blut geleckt hat. Bei der diesjährigen Ausgabe setzt das oberbayerische Team auf eine Doppelspitze mit Lipowitz und Olympiasieger Remco Evenepoel.
"Prinzipiell schätze ich Red Bull-Bora-hansgrohe sehr stark ein. Die entscheidende Frage ist die Doppelspitze", erklärt Eurosport-Experte Jens Voigt.
"Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Eine Doppelspitze hast du meistens nur dann, wenn du selbst nicht fest an den Sieg glaubst und sie bedeutet, dass man eher auf Platz zwei, drei oder vier schielt - was immer noch ein riesiges Ergebnis wäre", mutmaßt der 54-Jährige.
Dabei ist der Sieg bei der Grand Boucle das selbsterklärte Ziel von Teamchef Denk. "Ich habe noch nie einen Hehl daraus gemacht, dass es mein persönlicher Wunsch ist, irgendwann die Tour de France zu gewinnen", betonte er auf einer Medienrunde am Dienstag.
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Größter Sieg der Karriere: Hier bekommt Lipowitz seine Trophäe
Quelle: Eurosport
Voigt: "Die große Unbekannte ist Evenepoel"
Gegen Dominator Tadej Pogacar sei dies aber sehr schwierig. "Wenn alles normal läuft aus seiner Sicht, wird es verdammt schwer, ihn überhaupt da herauszufordern", räumte Denk ein.
Genau dies schaffte Lipowitz jedoch sowohl in diesem Jahr bei der Tour de Romandie, als er hinter Pogacar starker Zweiter wurde und sogar vereinzelt Attacken gegen den Topfavorit setzte. Bereits bei seiner Podestfahrt im Vorjahr verdiente sich der Ulmer den Respekt von Pogacar.
"Ich glaube auch, dass er dieses Resultat wiederholen kann", prophezeit Voigt, betont jedoch: "Die große Unbekannte ist allerdings Remco Evenepoel."
Dass der Belgier seit seinem dritten Platz bei Lüttich-Bastogne-Lüttich Ende April kein Rennen mehr bestritten hat, macht die Sorge durchaus nachvollziehbar. Auch die nationalen Meisterschaften am kommenden Wochenende wird Evenepoel auslassen, weshalb ihm sogar eine Strafe droht.
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Remco Evenepoel bei Lüttich - Bastogne - Lüttich Ende April
Fotocredit: Getty Images
Evenepoel fehlt möglicherweise die Rennhärte
"Wenn er zur Tour kommt, hat er seit mehr als zwei Monaten kein Radrennen mehr bestritten. Körperlich wird er stark sein und mental ausgeruht, aber ihm fehlt möglicherweise die Rennhärte", erläutert Voigt.
Gerade nach so einer langen Pause müsse er sich wieder an die Positionskämpfe und die Duelle Ellbogen an Ellbogen gewöhnen.
"Der Radsport ist inzwischen so unerbittlich geworden, dass höchstens Pogacar und Vingegaard noch ein kleines bisschen Respekt genießen", verrät Voigt.
"Deshalb wird spannend sein, wie schnell Evenepoel wieder in diesen Rhythmus findet. Körperlich wird er ohne Probleme mithalten können. Die Frage ist eher, ob er sich sofort wieder in diesen Positionskämpfen behaupten kann", blickt der Eurosport-Experte voraus.
Voigt sieht Lipowitz im Hochgebirge im Vorteil
Im Kampf um den Gesamtsieg rechnet Voigt daher Lipowitz deutlich bessere Chancen aus.
"Sobald es ins Hochgebirge geht, halte ich Lipowitz aktuell für den stärkeren und verlässlicheren Fahrer. Das ist keine Kritik an Evenepoel. Er ist Doppel-Olympiasieger und ein Ausnahmekönner. Aber in diesem Jahr hat sich gezeigt, dass Lipowitz im Hochgebirge Vorteile besitzt", analysiert Voigt.
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Experten-Talk: Klartext zum Duo Lipowitz und Evenepoel bei der Tour
Quelle: Eurosport
Bereits bei der Katalonien-Rundfahrt deutete sich diese Rollenverteilung an. Am Ende wurde Lipowitz dort Dritter, auch dank der Unterstützung von Evenepoel als Edelhelfer.
"Die entscheidende Frage wird sein, welche Rolle Evenepoel im weiteren Rennverlauf einnimmt. Sollte er bereits Rückstand haben, könnte er entweder auf Etappensiege fahren oder sich komplett in den Dienst von Lipowitz stellen. Dann wäre das natürlich eine starke Kombination", sagt Voigt.
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Lipowitz im Siegerinterview: "Beeindruckende Woche"
Quelle: Eurosport
Voigt: "Das wäre das Traumszenario für Red Bull"
Der zweimalige Träger des Gelben Trikots malt darüber hinaus eine Blaupause, wie es unter Umständen sogar mit dem Gesamtsieg für die Raublinger klappen könnte.
"Das Traumszenario für Red Bull wäre, wenn Lipowitz und Evenepoel in der entscheidenden Phase rund um die Plätze fünf und sechs liegen und nur drei Minuten Rückstand haben. Dann könnte einer der beiden auf einer schweren Bergetappe schon am vorletzten Berg mit allem losfahren, was er hat, nach dem Motto: Barfuß oder Lackschuh - entweder ich gewinne alles oder ich gehe unter", so Voigt.
Beispielsweise die schwere 14. Etappe über 3800 Höhenmeter von Mülhausen nach Le Markstein würde sich für einen solchen Angriff eignen.
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Florian Lipowitz (l.) und Remco Evenepoel (r.) vom Team Red Bull-Bora-hansgrohe
Fotocredit: Getty Images
Voigt: So darf Red Bull vom Gelben Trikot träumen
"Wenn ein Lipowitz oder ein Evenepoel in Topform attackiert, kann kein Helfer der Welt mehr einfach das Loch zufahren. Dann müssen Pogacar oder Vingegaard selbst reagieren und fahren, statt zu taktieren", führt Voigt den Plan aus.
Der zweimalige Tour-Etappensieger weiter: "Gerade bei Evenepoel gilt: Wenn er einmal eine Minute Vorsprung hat, musst du die erst einmal wieder aufholen. Er ist schließlich einer der besten Zeitfahrer der Welt."
Schließlich steht nach den beiden beinharten Etappen 14 und 15 das erste und einzige Einzelzeitfahren von Évian-les-Bains nach Thonon-les-Bains auf dem Programm.
"Das wäre für mich das Szenario, in dem Red Bull tatsächlich vom Gelben Trikot träumen darf - und zwar nicht nur kurzfristig nach dem Mannschaftszeitfahren, sondern wirklich mit Blick auf Paris", ist Voigt überzeugt.
Tour-Sieg? Voigt: "Man muss alles auf eine Karte setzen"
Andernfalls wird der Traum vom ersten Tour-Sieg wohl unerfüllt bleiben.
"Sonst landen beide am Ende zwar in den Top Ten, aber eben nicht ganz vorne. Wer die Tour gewinnen will, muss irgendwann bereit sein, alles auf eine Karte zu setzen und die Favoriten mit einem 50- oder 60-Kilometer-Solo auf einer schweren Bergetappe herauszufordern", fasst Voigt zusammen.
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Zweimal Alpe d'Huez: Die Tour-Strecke 2026 von Barcelona nach Paris
Quelle: Eurosport
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