Tour de France - Remco Evenepoel begeistert Legende Jan Ullrich: "Das hat er geschafft und das war die Überraschung"
Remco Evenepoel ist einer der großen Gewinner der Tour de France. Der Belgier galt zuvor als Wundertüte, musste sich im Gesamtklassement allerdings nur Tadej Pogacar geschlagen geben. Eines aber ist Evenepoel sicher nicht: Everybody's darling. Der 26-Jährige hat Ecken und Kanten, schlägt auch im eigenen Team teils harsche Töne an. Für Jan Ullrich ist er "die Überraschung" der Frankreich-Rundfahrt.
Evenepoel zieht Fazit vor Tour-Finale: "Wundervolle drei Wochen"
Quelle: Eurosport
Olympiasieger, Weltmeister, Diva, Leader, Lautsprecher. Es war klar, dass Red Bull-Bora-hansgrohe mit der Verpflichtung von Remco Evenepoel ab dieser Saison eine der schillerndsten Figuren des Radsports in seinen Reihen haben würde.
Unklar war dagegen, ob der Belgier bei der Tour de France 2026 im Kampf ums Podest eingreifen kann, zumal er noch nicht einmal intern als Nummer eins gesetzt war.
Nach drei Wochen Tour sind die Zweifel beseitigt: Evenepoel ist der hellste Stern bei Red Bull-Bora-hansgrohe - und hinter Dominator Tadej Pogacar der zweitbeste Klassement-Fahrer im gesamten Peloton.
"Bei Remco wusste man vorher nicht, ob er durchhalten und die großen Berge bewältigen kann. Das hat er geschafft und das war die Überraschung", lobte Jan Ullrich den 26-Jährigen im Podcast "ULLE & RICK", in dem er mit Ex-Profi Rick Zabel die Frankreich-Rundfahrt analysiert.
Ullrich lobt Evenepoels Alpe-d'Huez-Auftritt
Evenepoel bewältigte die harten Klettereien nicht nur, er fuhr die Krallen aus. Bei der Bergankunft auf dem Plateau de la Solaison (15. Etappe) gewann er vor Pogacar.
Vier Tage später brannte er beim berühmten Anstieg hinauf nach Alpe d'Huez (19. Etappe) in 37:55 Minuten die siebtschnellste Zeit der Geschichte in den Asphalt. Zudem habe er "noch ein paar Sekunden zwischen sich und Isaac Del Toro und Paul Seixas gesetzt", betonte Ullrich.
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Remco Evenepoel während der Tour de France 2026
Fotocredit: Getty Images
Zwischendrin spielte der "Kannibaal van Schepdaal" seine Kernkompetenzen aus und gewann das Einzelzeitfahren (16. Etappe) in überlegener Manier. "Bei Remco wusste man nicht, wie er in Form sein würde, weil er vorher so viele Wochen kein Rennen gefahren ist", so Ullrich.
Tatsächlich stammte Evenepoels letzter Arbeitsnachweis vor der "Grande Boucle" aus dem April. Platz drei bei der Ronde van Vlaanderen und Lüttich-Bastogne-Lüttich, ein Sieg beim Amstel Gold Race. Danach? Mehr als zwei Monate kein Rennen. Der Mann aus Ostflandern war schwer einzuschätzen.
Evenepoel: Kritik an Lipowitz, Groll auf Pressesprecher
Bei der Tour war er aber wieder da, mit allem was bei Evenepoel dazugehört. Nach der 6. Etappe kritisierte er seinen Teamkollege Florian Lipowitz, der die Tour später nach einem Sturz abbrechen musste, öffentlich. Er sei "wütend - und das mit Recht", polterte der Belgier und bemängelte die aus seiner Sicht fehlende Unterstützung durch Lipowitz in der Schlussphase der Etappe.
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Evenepoel äußert sich: "Wenn alle mitgearbeitet hätten ..."
Quelle: Eurosport
Nach der Königsetappe (20.) bekam schließlich Team-Pressesprecher Gabriele Uboldi den Groll des Ausnahmefahrers zu spüren. "Hör auf mit dem Theater. Ich habe nicht gewonnen, ich bin Zweiter", herrschte Evenepoel den Mann - obwohl der ihm nur zur starken Leistung gratuliert hatte.
Rang zwei auf der Königsetappe? Zu wenig für Evenepoel
Man könne vom einstigen Vuelta-Sieger (2022) halten, was man wolle, so Zabel - und "natürlich ist der Mann eine kleine Diva und hat ein großes Ego. Aber er ist eben auch ein Star und hat auch allen Grund dazu."
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Florian Lipowitz und Remco Evenepoel haben bei der Tour de France 2026 eine Doppelspitze bei Red Bull-Bora-hansgrohe gebildet
Fotocredit: Getty Images
Die verbale Entgleisung gegenüber Uboldi erklärte Evenepoel denn auch damit, dass er "unbedingt gewinnen" wollte. Rang zwei, darf man frei interpretieren, ist eben genau ein Platz zu schlecht für die eigenen Ansprüche.
Genau darauf zielt der einzige Vorwurf ab, den man Evenepoel nach einer famosen Frankreich-Rundfahrt machen könnte. Zumindest sieht das Ex-Profi und Eurosport-Experte Rolf Aldag so.
Evenepoels famose Tour - nur ein Kritikpunkt bleibt stehen
Obwohl der Red-Bull-Profi "überzeugend und selbstbewusst gefahren" sei, habe er sich "sehr schnell auf Platz zwei festgelegt. Remco hat nicht geglaubt, dass er Pogacar schlagen kann und hat es nicht probiert", unterstrich der 57-Jährige. Am Ende betrug der Rückstand auf den Slowenen satte 6:26 Minuten.
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Demonstration im Zeitfahren! Evenepoel schlägt Pogacar deutlich
Quelle: Eurosport
Auf der Königsetappe sei Evenepoel indes "nicht im Reinen" mit sich gewesen und habe den möglichen Sieg verpasst. Solche Momente seien "Remco-untypisch - und vielleicht kriegt er das im kommenden Jahr hin", so Aldag. Sollte ihm das gelingen, darf man 2027 auf einen engen Kampf um das Gelbe Trikot hoffen ...
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Titel Nummer fünf für Pogacar: Siegerehrung des Tour-Podiums
Quelle: Eurosport
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