Tour de France: Tadej Pogacars große Geste mit klarem Hintergedanken - Drei Dinge, die bei der 2. Etappe auffielen
Das Auftakt-Wochenende der Tour de France in Barcelona sorgte für spektakuläre Bilder vor traumhafter Kulisse und herausragende Auftritte der Topstars. Auf den Sieg von Jonas Vingegaard und seines Visma-Teams im Mannschaftszeitfahren folgte auf der 2. Etappe die Revanche von UAE mit einem Doppelsieg am Olympiaberg: Tadej Pogacar ließ dort Isaac Del Toro den Vortritt. Drei Dinge, die auffielen.
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Quelle: Eurosport
Mehr als ein Vierteljahrhundert gab es keinen mexikanischen Etappensieg bei der Tour de France, nun ist Del Toro die Nachfolge seines Landsmanns Raul Alcala gelungen.
Der junge Kletterer war noch lange nicht geboren, als sein Landsmann bei der Tour de France 1990 im Zeitfahren den zukünftigen Fünffachsieger Miguel Indurain aus Spanien um weit über eine Minute deklassierte.
Am Olympiastadion von Barcelona war es mit Tadej Pogacar ein anderer Tour-Seriensieger, der seinem Teamkollegen den historischen Moment ermöglichte und sich im Ziel überschwänglich mit ihm freute.
Drei Dinge, die auf der 2. Tour-Etappe auffielen:
1. Pogacars große Geste mit Hintergedanken
Für zwei Dinge ist Tadej Pogacar bekannt: Schier unstillbaren Sieghunger und eindrucksvolle Solo-Attacken. Aber auf dieser 2. Etappe hielt er sich gleich doppelt zurück und sorgte damit für einen ersten großen emotionalen Höhepunkt der Rundfahrt. Der dominante Auftritt und ekstatische Jubel des UAE-Duos begeisterte nicht nur mexikanische Radsportfans - auch wenn der allererste Gratulant im Ziel bei Del Toro Rivale Jonas Vingegaard war.
Selbst wenn die Geste Pogacars auch schnell Kritiker fand, zeigt sie doch eine neue Facette beim Weltmeister: Geschenke, auch an Teamkollegen, gab es von ihm in den letzten Jahren fast nie - schon gar nicht bei der Tour. Die erste echte Ausnahme sah man erst nach über 100 Profisiegen im letzten September beim GP Montréal, als er Edelhelfer Brandon McNulty den Sieg überließ. Zuvor blieb in dieser Hinsicht nur das Schnick-Schnack-Schnuck-Spiel mit Rafal Majka um eine Etappe der zweitklassigen Slowenien-Rundfahrt 2022 in Erinnerung.
Wie groß die Geste Pogacars wirklich war, wird mit Blick auf seine Rekordjagd in allen Bereichen des Radsports deutlich: Zu gerne will der vierfache Tour-Triumphator Meister aller Klassen in allen wichtigen Statistiken werden. Doch bei der Gesamtzahl der Tour-Tageserfolge liegt er mit 21 noch weit hinter Sprintstar Mark Cavendish (35) zurück und auch zu Rundfahrt-Kannibale Eddy Merckx (34) fehlt noch ein großes Stück. Einen Tour-Etappensieg abzugeben, muss man dem UAE-Kapitän deshalb wirklich hoch anrechnen.
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"Fantastisch": Ullrich begeistert von UAE-Teamwork
Quelle: Eurosport
Allerdings dürfte Pogacars Entscheidung auch einen Hintergedanken gehabt haben: Der Plan des Titelverteidigers war zwar ganz offensichtlich darauf ausgelegt, der Konkurrenz nach dem Dämpfer zum Auftakt im Mannschaftszeitfahren die Kräfteverhältnisse umgehend wieder deutlich zu machen. Das gelang perfekt, aber eben clever mit angezogener Handbremse.
Überraschender war, dass es sich Pogacar im Unterschied zu so vielen seiner Rennen verkniff, die schweren Schlussrunden zu einer Solo-Attacke als ultimativer Machtdemonstration zu nutzen und der Konkurrenz richtig Zeit abzunehmen.
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Tadej Pogacar jubelt über den Sieg von Teamkollege Isaac del Toro auf der 2. Etappe der Tour de France in Barcelona
Fotocredit: Imago
Grund dafür dürfte die Überlegung sein, sich eben nicht schon jetzt das Gelbe Trikot sichern zu wollen. Immer wieder hatte Pogacar im Vorjahr über die ihn zunehmend störenden Verpflichtungen als Trikotträger gegrummelt: Siegerehrung, Interview-Runde, Zusatzaufgaben - das alles nervte den 27-Jährigen. Das ging so weit, dass letztes Jahr er eine Änderung in der Reihenfolge der Siegerehrungen für die Sonderwertungen forderte, um schneller von den Pflichtaufgaben ins Hotel zu kommen.
Lange wird er sich angesichts seiner Stärke dem Gelben Trikot zwar nicht entziehen können, aber jede gewonnene Stunde Regeneration macht sich auf die Dauer einer GrandTour bezahlt.
2. Erster Deutscher auf Podium
"Eine spontane Idee" sei seine Attacke gewesen, verriet Felix Engelhardt nach der 2. Etappe am Eurosport-Mikrofon - aber sie wurde mit dem ersten Podiums-Auftritt eines Deutschen bei der 113. Tour belohnt.
Zwar war das eigentliche Ziel das Bergtrikot, gestand der Jayco-Profi im Ziel, doch wurde er mit der Auszeichnung als "Kämpferischster Fahrer" belohnt und zeigte sein vor einer Woche erkämpftes Meistertrikot auf der größten Bühne des Radsports.
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Felix Engelhardt in Barcelona auf dem Podium der Tour de France
Fotocredit: Getty Images
Insgesamt also ein Einstand nach Maß für den 25-Jährigen bei seiner Tour-Premiere: Erste "echte" Etappe und schon im Rampenlicht - das macht Lust auf mehr und ist anderen deutschen Fahrern hoffentlich ein Vorbild für die noch kommenden 19 Renntage.
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Quelle: Eurosport
3. Ein Stier ganz vorne, einer ganz hinten
Fast wäre es zur Überrundung auf dem Kurs am Olympiaberg gekommen: Beim Sieg von Isaac del Toro mühte sich ein abgehängtes Duo vor dem Besenwagen um den Rundkurs in Barcelona: Sprintstar Arnaud de Lie und sein Helfer Baptiste Veistroffer.
Schon die Teampräsentation hatte de Lie erkrankt verpasst und noch immer ist der junge Belgier angeschlagen und hofft, sich bis zu den ersten Sprintetappen durchkämpfen zu können. Am Sonntag blieb dem Kraftpaket mit dem Spitznamen "Stier van Lescheret" der letzte Platz. Das weckt Erinnerungen an den Auftakt des Giro d'Italia im Mai: Auch da war der 24-Jährige krak ins Renne gestartet, mühte sich durch die ersten Etappen und musste dann doch am vierten Tag aufgeben.
Bei der Tour aber scheint ein happy end in Sicht: Im Ziel zeigte sich das belgische Duo am Eurosport-Mikrofon bestens gelaunt und verhalten optimistisch, bei den in Sicht kommenden ersten Massensprints in Pau (5. Etappe) und Bordeaux (7. Etappe) um den 36. Profisieg des von vielen Teams umworbenen Wallonen kämpfen zu können.
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Quelle: Eurosport
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