Tour de France: Tim Merlier mit Machtdemonstration auf 8. Etappe, Lotto jagt Jackpot - Drei Dinge, die auffielen
Neuer Sprint, gleicher Sieger: Tim Merlier hat auf der 8. Etappe der Tour de France höchst eindrucksvoll bewiesen, wer der schnellste Mann dieser 113. Frankreich-Rundfahrt ist. Wie tags zuvor in Bordeaux war der Belgier nun auch in Bergerac eine Klasse für sich, obwohl das Finale diesmal eine ganz andere Art der Streckenführung aufwies. Aber auch ein Ausreißer glänzte. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights: Sprintduell der Topstars in Bergerac
Quelle: Eurosport
Von wegen Revanche nach dem Sprintergipfel in Bordeaux: Einen Tag nach dem ersten großen Schlagabtausch der Sprintstars endete der zweite Akt nicht mit einem Comeback von Jasper Philipsen oder einem zweiten Tour-Tagessieg von Olav Kooij.
Auch in Bergerac war es stattdessen Tim Merlier, der seiner Konkurrenz das Hinterrad zeigte und diesmal vor Biniam Girmay, Kooij und Philipsen siegte.
Max Kanter musste sich diesmal mit Platz neun begnügen, während Pascal Ackermann als Siebter sein bisher bestes Ergebnis bei dieser Tour einfuhr.
Drei Dinge, die auf der 9. Etappe auffielen:
1. Machtdemonstration von Merlier
"In der letzten Kurve dachte ich, das war's", gestand der Sieger des Tages mit Blick auf das Sprintfinale. Fast wäre er gestürzt und ging mit klarem Rückstand auf die anderen Topsprinter auf die letzten 500 Meter. Wenige Sekunden später aber war Merlier an ihnen allen vorbeigeflogen und hatte seinen 74. Profisieg perfekt gemacht.
"An diesen Sprint werde ich mich lange erinnern und werde mir das noch oft anschauen. Ich dachte, es geht für mich nur noch um eine möglichst gute Platzierung", sagte der 33-Jährige im Ziel im Eurosport-Interview und unsere Experten lobten die Machtdemonstration in ihrer Analyse in höchsten Tönen: "Das war Wahnsinn", brachte es Robert Bengsch auf den Punkt.
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Merlier rollt Konkurrenz von hinten auf: Die Analyse zur 8. Etappe
Quelle: Eurosport
Der Doppelschlag des Soudal-Sprinters ist umso eindrucksvoller, als seinem Sprintzug mit Helfer Bert Van Lerberghe ein wichtiger Teil fehlt. Doch der Rennstall hat umgestellt, den Ausfall kompensiert und wurde nun gleich zweimal belohnt.
In die Freude über den Sieg mischte sich allerdings wenig später tiefe Trauer. Denn wenige Minuten nachdem er ihm noch den Erfolg gewidmet hatte, erfuhr Merlier, dass einer seiner engsten Wegbegleiter verstorben war: Bertrand De Keyzer hatte einst das junge Radtalent und dessen Bruder zu unzähligen Rennen gefahren, starb rund eine Stunde vor Ende der Etappe im Alter von 84 Jahren an Krebs.
2. Pedersen hat Punktetrikot noch lange nicht sicher
Am vierten Tour-Tag schien der Kampf ums Grüne Trikot schon vorentschieden, als Mads Pedersen in einem Kraftakt die Etappe in Foix gewann und sich mit großem Vorsprung an die Spitze des Klassements setzte. Doch zwei Sprintankünfte später ist viel Bewegung ins Klassement ums "maillot vert" gekommen.
Das liegt einerseits am neuen Punktschema mit 70 statt früher 50 Punkten für Sieger von Flachetappen, was Merlier perfekt in die Karten spielte. Nur noch 15 Punkte liegt der dänische Ex-Weltmeister vor seinem ärgsten Verfolger. Dabei haben die letzten Etappen gezeigt, dass Pedersen zwar beeindruckend kletterstark ist, ihm dafür aber im Massensprint das absolute Höchsttempo fehlt (Platz 9 und 12).
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Mads Pedersen (Lidl-Trek) tägt aktuell das Grüne Trikot der Tour de France 2026
Fotocredit: Getty Images
"Es ist ein Traum von mir, mal im Grünen Trikot der Tour zu fahren", gestand Merlier bei Eurosport, "aber Pedersen ist so stark, er kann morgen wieder am Zwischensprint zuschlagen - der Traum ist also schnell vorbei". Doch auch wenn auf der 9. Etappe der Zwischensprint in einem Anstieg liegt und damit Pedersen bessere Karten haben dürfte, kann sich Merlier dennoch Hoffnungen machen. Denn er selbst hat im bisherigen Rennverlauf die Zwischensprints selten mit vollem Einsatz bestritten und könnte im weiteren Verlauf durchaus mehr Punkte sammeln als in der ersten Tour-Woche.
Außerdem mischt mit Biniam Girmay nach seinem zweiten Platz in Bergerac und Rang drei in Bordeaux auch der Grün-Gesamtsieger von 2024 wieder ganz vorne mit. Er hat schon auf zwei Etappen bewiesen, dass er wie Pedersen zu Attacken und Ausreißversuchen bereit ist, um an Zwischensprints zu punkten. Der Eritreer vom NSN-Team ist im Flachen endschneller als Pedersen, gleichzeitig kletterstärker als Merlier - das dürfte ein spannender Dreikampf werden.
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3. Lotto träumt vom Jackpot
Ein Lotto-Profi als Ausreißer? Das ist bei dieser Tour de France schon fast das klassische Bild auf den meisten Etappen. Oft wirken diese Fluchtversuche fast schon rührend, weil ihre Chancen so gering sind. Doch auf der 8. Etappe kamen die Sprinterteams mächtig unter Druck, nachdem sich Liam Slock aus dem Trio des Tages gelöst hatte und seinen Vorsprung zäh verteidigte. Wenige Kilometer vor dem Ziel schien der große Coup greifbar nahe und er schien ein neues Kapitel am Tag der größten Ausreißversuche der Tour-Geschichte zu schreiben, doch dann wurde der Belgier 1,4 Kilometer vor dem Ziel gestellt.
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Liam Slock (Lotto) als Ausreißer auf der 8. Etappe der Tour de France 2026
Fotocredit: Getty Images
"Wenn man so nah dran ist, will man natürlich gewinnen", sagte Slock im Ziel enttäuscht, "es war noch weit bis zum Ziel, aber trotzdem war ich nah dran. Auf der breiten Straße zwischen zehn und sechs Kilometern vor dem Ziel habe ich gemerkt, dass sie schnell näher kamen. Es ging leicht bergan und ich wusste, dass das Tempo im Peloton sehr hoch sein würde. Ich habe gespürt, dass ich Zeit verliere. Die Kraft in den Beinen schwand immer mehr."
So konnte Slock seinem spektakulären Sturz-Sieg aus der Schweiz im Juni keinen neuen Triumph hinzufügen.
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Verrücktes Finish: Slock stürzt vor Ziellinie - und gewinnt dennoch!
Quelle: Eurosport
Den 25-Jährigen sollten sich dennoch auch andere Fahrer zum Vorbild nehmen, es gibt immer eine Restchance, den Favoriten ein Schnippchen zu schlagen - wie etwa bei der 15. Etappe des Giro in diesem Jahr.
Dem Einsatz des Lotto-Rennstalls, der ohne seinen ausgeschiedenen Sprintstar Arnaud de Lie auskommen muss, zollten auch die Radfans Respekt: Sie wählten den bisherigen Ausreißer-König dieser Tour, Baptiste Veistroffer, zum besten Teamkollegen bisher - der Franzose darf sich über eine Sonderprämie von 200 Euro als "Kilometergeld" freuen.
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