Vuelta a España - Jens Voigt exklusiv zu Kontroversen bei Spanien-Rundfahrt: "Da ist einiges nicht gut geplant worden"
Die Spanien-Rundfahrt hat einen turbulenten Start hingelegt. Nach drei Etappen gibt es drei große Aufreger rund um die Sicherheit bei der Vuelta. "Da ist einiges nicht gut geplant worden, das muss man klar sagen", stellt Jens Voigt im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de klar. Vor allem die späte Ansetzung des Teamzeitfahrens irritiert den 51-Jährigen, der zweimal die Deutschland-Tour gewann.
Etappensieger Evenepoel nach Zusammenprall blutüberströmt
Quelle: Eurosport
Jens Voigt greift zu einem plakativen Vergleich, um zu verdeutlichen, wie groß die Planungsmängel am ersten Tag der Vuelta waren.
"Meine Schulkinder checken schon die Wetter-App, wenn sie morgens zur Schule gehen. Damit sie wissen, wie es wird und welche Kleidung erforderlich ist. Daher kann man von einem erfahrenen Veranstalter eines Radrennens erwarten, dass der das auch macht. Sonnenaufgang und Sonnenuntergang stehen dort ja groß und dick drin", so der Eurosport-Experte.
Vor diesem Hintergrund habe der Vuelta-Veranstalter bei der Planung der 1. Etappe einen "unentschuldbaren Fehler" begangen. Mit Folgen. So gerieten die Mannschaften, die beim Zeitfahren später dran waren, in die Dunkelheit bei schlecht ausgeleuchteten Straßen in Barcelona.
Der Regen und die dadurch erschwerten Bedingungen sorgten für zahlreiche Stürze und eine sportliche Verzerrung des Wettbewerbs.
"Wenn du deine Stadt beim Rennen am Abend, am besten im Sonnenuntergang, präsentieren möchtest, musst du eine große, starke Lichtanlage installieren. Mit dem Ziel, alle Kurven so auszuleuchten, dass keinem Team ein Nachteil entsteht", sagt Voigt.
Debatte um Sicherheit und Fairness
Das Wetter sei natürlich nicht beeinflussbar, habe die Situation aber verschärft, vor allem ob der hohen Geschwindigkeiten. "Die Teams sind am Anfang noch frisch und in voller Stärke unterwegs. Die kommen auf einigen Passagen locker auf 60 km/h, in der Spitze auch auf 70. Das muss der Veranstalter einplanen", fordert der ehemalige Profi.
So gab es nach dem Auftakt heftige Debatten im Peloton rund um Sicherheit, Fairness und Vorgehen von Unipublic, dem Organisator des Wettbewerbs. Immerhin: Tags darauf zeigte sich, dass die Bedenken der Fahrer berücksichtigt werden.
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Fuchsteufelswild! Evenepoel tobt nach der Zieldurchfahrt
Quelle: Eurosport
Aufgrund der weiterhin schwierigen Wetterbedingungen und der Streckenführung wurde entschieden, die Zeitnahme für die Gesamtwertung bereits neun Kilometer vor dem eigentlichen Ziel anzusetzen.
"Normalerweise finden wir nie eine Einigung unter den Fahrern, aber heute haben wir eine gefunden, sodass die Organisatoren gesagt haben, die Zeit an einem weniger gefährlichen Ort zu nehmen", zeigte sich Movistar-Profi Enric Mas bei Eurosport zufrieden mit der Maßnahme.
Voigt: "Ein zweischneidiges Schwert"
Voigt gibt indes zu bedenken, dass es sich durchaus um "ein zweischneidiges Schwert" handle. "Glücklicherweise haben wir trotzdem ein spannendes Rennen gesehen und mit Andreas Kron einen würdigen Sieger bekommen. Dazu ist Kaden Groves, der das Risiko einging und den Sprint ins ursprüngliche Ziel gewann, ist ein namhafter Fahrer."
Allerdings müsse man auch mit der Kritik vonseiten einiger Fans leben, die sich speziell auf einen heißen Fight auf den letzten Kilometer gefreut hätten. "Das macht es für die Veranstalter schwierig, der sich in solchen Momenten in die Nesseln setzt, weil es immer ein oder zwei Gruppen gibt, die nicht einverstanden sind."
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Größter Erfolg in Barcelona: Krons Mut wird belohnt
Quelle: Eurosport
Im Prinzip hätte auf der 3. Etappe Ruhe einkehren können - wenn es nicht zu einem gefährlichen Zwischenfall gekommen wäre. Remco Evenepoel, Titelverteidiger und Gesamtführender, stürzte nach der Zieldurchfahrt infolge eines Zusammenpralls mit einer Pressesprecherin der Polizei von Andorra.
So saß der Belgier plötzlich mit blutüberströmtem Gesicht im Zielraum auf der Straße und ließ sich versorgen. Aus Sicht von Voigt hätte der Veranstalter auch hier bessere Vorkehrungen treffen müssen.
Voigt reagiert auf Evenepoel-Sturz: "Job der Veranstalter"
"Es muss erkannt werden: 'Okay, die Fahrer sprinten mit vollem Einsatz zur Bergankunft hoch, rollen dann über die Kuppe, bevor es leicht bergab geht. Wenn die oben mit 35 km/h ankommen und nach dem Ziel ausrollen lassen, werden die noch bis zu 50 km/h schnell.' Die Profis kommen also nicht 20 Meter danach zum Stehen. Das muss eingeplant werden, das ist der Job der Veranstalter", stellt Voigt klar.
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Evenepoel nach Kollision: "Bereits drittes Sicherheitsproblem"
Quelle: Eurosport
Freilich, ergänzt der Eurosport-Experte, hätte Evenepoel den Sturz möglicherweise verhindern können, hätte er weniger lang gejubelt und die Hände früher wieder an den Lenker genommen.
Dennoch sei es unabdingbar, dass nach der Ziellinie eine ausreichend breite Gasse freibleibe, durch die das Peloton weiterfahren könne. Nur so, unterstreicht Voigt, können kritische Situationen und Crashs verhindert werden.
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Brutaler Antritt! Evenepoel lässt Vingegaard stehen
Quelle: Eurosport
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