Rad-WM: Jens Voigt exklusiv über die Favoriten auf Gold im Straßenrennen und die deutschen Chancen
Das Straßenrennen der Männer krönt am Sonntag die Rad-WM. Jens Voigt nennt seine Favoriten auf Gold und analysiert die deutschen Chancen im Kampf um die Medaillen. Der Eurosport-Experte sieht im Exklusiv-Interview die Belgier beim Heinspiel im Vorteil, doch der spannende Kurs in Flandern eröffnet vielen Fahrern gute Chancen und auch Überraschungen sind möglich.
WM-Favoriten: Mathieu van der Poel - Wout van Aert - Julian Alaphilippe
Fotocredit: Getty Images
Die WM findet in Flandern statt, was für ein Parcours erwartet uns und wem könnte die Strecke am meisten liegen?
Jens Voigt: Das ist ein sehr gut ausbalancierter Rundkurs: Auf der einen Seite bereiten sich Fahrer wie Alexander Kristoff vor, aber auch Tadej Pogacar oder Primoz Roglic rechnen sich Chancen aus. Für mich kommen ganz viele verschiedene Fahrertypen infrage, weil der Kurs schwer genug ist, um ein reines Sprintrennen zu werden - aber nicht so schwer, dass am Ende nur noch die Bergspezialisten um den Sieg fahren. Das wird ein sehr gutes Rennen in Belgien, im Mutterland des Radsports, mit gigantischer Kulisse und viel Spektakel. Ich freu mich auf jeden Fall sehr darauf!
Die Kulisse konnte man ja schon im Einzelzeitfahren beobachten, aber das wird am Straßenrennen am Sonntag nochmal größer werden. Bei der WM kommt es zum großen Showdown der Stars mit u.a. Julian Alaphilippe, Wout van Aert, Mathieu van der Poel, Peter Sagan und Remco Evenepoel. Wer ist Ihr Favorit auf Gold?
Jens Voigt: Man muss aufgrund des Jahresverlaufs und auch der letzten Wochen Wout van Aert nennen als großen Topfavoriten. Wenn er sich nicht selbst schlägt oder vom Rad fällt, ist er mindestens auf dem Podium. Filippo Ganna hat ihn ganz knapp geschlagen im Zeitfahren, aber da hat man gesehen, wie gut er drauf ist. Mein Außenseiter-Favorit sind die Dänen. Die haben in den letzten Wochen einige Rennen gewonnen und sind in sehr guter Verfassung. Wenn die sich ein bisschen zurückhalten und z.B. die Italiener mal machen lassen, dann können sie am Ende auch noch in einer Gruppe dabei sein und ihre Überlegenheit ausspielen. Ansonsten natürlich auch Alexander Kristoff oder aus deutscher Sicht auch John Degenkolb. Der war bei Frankfurt-Eschborn Zweiter und ist super in Form.
Wenn wir über die deutschen Chancen sprechen, wie sieht es bei Nils Politt und Pascal Ackermann aus?
Jens Voigt: Nils ist sehr stark gewesen in letzter Zeit und er ist taktisch auch sehr klug gefahren, etwa bei seinem Tour-Etappensieg. Er ist abgebrühter geworden und ich glaube, das kann ihm zu Gute kommen. Also da haben wir auf jeden Fall einen, der auch mal in der Ausreißergruppe mitfahren kann. Und bei Pascal Ackermann muss man schauen: Sollte das Rennen ganz ruhig werden, dann haben wir mit Pascal einen Top-Sprinter, der auch am Ende gegen Fahrer wie Wout van Aert sprinten kann.
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Cycling UCI 100 years : Course Animation MEN ELITE ROAD RACE (no sound)
Quelle: Eurosport
Wie sehen Sie die Rolle von Remco Evenepoel, kann es da einen internen Kampf bei den Belgiern geben zwischen ihm und Wout van Aert?
Jens Voigt: Die Belgier sind sehr gut darin, Rennen gemeinsam durchzusprechen und dann auch Loyalität zu zeigen. Also wenn die einen Plan haben, dann halten die sich auch daran. Im Gegensatz zu den Italienern, da ist das manchmal ein bisschen anders - aber die Belgier halten sich da dran. Man weiß natürlich nicht, welche Rolle Remco übernehmen wird. Wenn er eine freie Rolle bekommt, dann ist das so - aber das weiß man eben noch nicht.
Remco ist jemand, der gibt entweder 100% oder 60%, manchmal ist er unglaublich stark, aber manchmal fährt er auch sehr schlecht. Natürlich ist es seine erste richtige große vollständige Saison mit vielen Aufs und Abs. Er ist sehr schwer einzuschätzen, aber an einem guten Tag kann er auf jeden Fall vorne mitfahren und dann könnten die Belgier auch zweigleisig fahren, etwa dass Remco 20 Kilometer vor dem Ziel angreift und wenn van Aert ihn dann einholt, übernimmt er im Sprint und wenn nicht, dann gewinnt eben Remco Gold für Belgien.
Was ist mit Peter Sagan, wie ist der dreifache Weltmeister einzuschätzen?
Jens Voigt: Ich glaube, Peter hat auch eine durchwachsene Saison gehabt. Er war ja mit Covid infiziert und eventuell sind da Spätfolgen zu merken. Im Spitzensport ist es ganz entscheidend, ob du eben nur bei 95% oder bei 100% bist. Er ist ein großartiger Fahrer - aber ich glaube, dass er Schwierigkeiten haben wird, in die Top 10 zu fahren.
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Quelle: Eurosport
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