Rad-WM 2025 - Jens Voigt exklusiv vor Duell: "Remco Evenepoel ist mein Topfavorit vor Tadej Pogacar auf Gold"
VonJan Zesewitz
Update 27/09/2025 um 15:19 GMT+2 Uhr
Nach dem Einzelzeitfahren rechnen viele Fans und Experten bei der Straßenrad-Weltmeisterschaft in Kigali mit dem nächsten Duell zwischen Titelverteidiger Tadej Pogacar und Zeitfahr-Champion Remco Evenepoel. Im Zeitfahren war der Slowene chancenlos, im Straßenrennen könnte er den Spieß aber umdrehen. Eurosport-Experte Jens Voigt sieht die Favoritenrolle dennoch klar beim Belgier.
Highlights: Evenepoel feiert Gold-Hattrick - Pogacar geht leer aus
Quelle: Eurosport
Nicht nur die Machtdemonstration beim Zeitfahren, sondern auch die Schwäche Pogacars lässt Voigt im exklusiven Interview an der Titelverteidigung bei der Rad-WM zweifeln.
Im vergangenen Jahr stürmte der Slowene mit einem Solo in Zürich zum Titel. Damals wurde Evenepoel "nur" Fünfter.
Voigt blickt auf das Straßenrennen (So., 9:45 Uhr im Liveticker) voraus und erwartet mehr als ein reines Duell der beiden Superstars. Auch Tom Pidcock, Isaac Del Toro und ein paar Geheimfavoriten haben für den Experten eine echte Medaillenchance. Die fast schon gewohnte Dominanz des Tour-de-France-Siegers sieht Voigt nicht.
"Er scheint am Ende der Tour in eine Art kleines Motivationsloch gefallen zu sein", sagte der 54-Jährige. "Es fehlt ihm für mich ein wenig an Esprit." Eine deutsche Medaillenchance gibt es bei den Titelkämpfen in Ruanda wohl nicht - auch für ein Top-Ten-Ergebnis müsste sehr vieles zugunsten der Auswahl von German Cycling laufen.
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Zeitfahr-Pleite nagt an Pogacar: "Natürlich bin ich enttäuscht"
Quelle: Eurosport
Jens Voigt, bevor wir auf das Straßenrennen blicken, werfen wir noch einmal einen Blick auf das Einzelzeitfahren. Auch dort wurde das große Duell zwischen Remco Evenepoel und Tadej Pogacar erwartet – der Ausgang war eindeutig zugunsten des Belgiers. Haben Sie das so erwartet?
Jens Voigt: In der Reihenfolge habe ich es erwartet. Evenepoel hat die letzten drei Großereignisse im Zeitfahren gewonnen und kann sich auf ein solches Einzelzeitfahren sehr gut vorbereiten. Es gibt Spezialisten, wie etwa Stefan Küng, die bei so etwas sehr stark sind, aber kein Zeitfahren bei der Tour de France gewinnen können, weil sie in der dritten Woche platt sind. Evenepoel ist ein Spezialist, der auch sehr gut in Rundfahrten ist. Bei Pogacar ist es genau umgekehrt. Ein solches einzelnes Event, wo es auf Power und Vorbereitung ankommt, ist nicht so sein Ding. Schon früh konnte man sehen, dass Pogacar aufrechter auf dem Rad sitzt - wenn beide 50 km/h fahren, muss Pogacar mehr Watt drücken als Evenepoel, da bin ich mir sicher. Remco ist natürlich das Rollenmodell eines Zeitfahrers, kaum jemand sitzt so aerodynamisch auf dem Rad wie er. Dazu kommt, dass sich der Belgier gezielter vorbereiten konnte, während Pogacar in Kanada Rennen gefahren ist. Das kann sich für das Straßenrennen aber natürlich auszahlen.
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Remco Evenepoel hat ein Auge auf Tadej Pogacars Regenbogentroikot geworfen
Fotocredit: Getty Images
Kann man vom Zeitfahren Rückschlüsse auf das Straßenrennen ziehen?
Voigt: Die Disziplinen sind sehr unterschiedlich. Beim Straßenrennen muss man eigentlich erst nach fünf Stunden wirklich da sein und richtig stark sein. Das ist etwas anderes als eine Stunde Vollgas im Zeitfahren. Aber Pogacar sah für mich im Zeitfahren nicht so bei 100 Prozent aus wie man das gewohnt ist, nicht so fokussiert und kraftvoll. Er ist trotzdem fast noch aufs Podium gekommen, aber sonst gewinnt er Rennen mit einem Lächeln im Gesicht. Ihm fehlte nach meinem Eindruck in allen Bereichen so ein halbes bis ein Prozent. Jetzt hat er eine Woche Zeit, um das umzudrehen. Das kann klappen, aber ich glaube nicht, dass er sich in Tour-de-France-Form befindet. Das zeigte auch der GP von Montreal in Kanada. Ich habe ein paar kleine Fragezeichen hinter seine Chancen für die Titelverteidigung gemacht. Er scheint am Ende der Tour in eine Art kleines Motivationsloch gefallen zu sein. Es fehlt ihm ein wenig an Esprit. Meiner Meinung nach zahlt er da ein wenig die Zeche für sein Frühjahrsprogramm mit den vielen Eintagesrennen, da ist die Intensität einfach extrem hoch.
Der Topfavorit ist Evenepoel, dann kommen Pogacar, Del Toro und Pidcock. Die werden das Podium unter sich ausmachen. Ich sage, Gold geht an Evenepoel, Silber an Pidcock und Bronze an Pogacar.
Wie sehen Sie die Favoritenrolle für das Rennen in Kigali verteilt?
Voigt: Ich sehe aktuell Remco Evenepoel klar vorne. Er hat ein sehr starkes Team, was bei einem langen Rennen, in dem man sich lange verstecken muss, entscheidend ist. Evenepoel hat ja schon bewiesen, dass er solche Rennen kann – er ist Weltmeister und Olympiasieger. Tadej Pogacar ist natürlich immer gefährlich, er kann jederzeit gewinnen. Aber aktuell sehe ich den Vorteil bei Evenepoel.
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Tom Pidcock zählt zum Kreis der Medaillenkandidaten
Fotocredit: Getty Images
Wer könnte noch auf das Podium kommen?
Voigt: Blicken wir auf die offensichtlichen Namen: Primoz Roglic ist ein starker Co-Kapitän für Pogacar, Juan Ayuso kommt mit zwei Etappensiegen aus der Vuelta und ist klarer Kapitän Spaniens. Auch Mattias Skjelmose ist stark, Tom Pidcock sehe ich weit vorne, dahinter kommen Giulio Ciccone, die Iren mit Ben Healy und Eddie Dunbar, die ein aggressives Rennen fahren können. Ich sehe die Franzosen nicht so weit vorne, auch wenn Julian Alaphilippe clever ist und in guter Form zu sein scheint. Meine Geheimfavoriten kommen aus Südamerika – vor allem mit Richard Carapaz und Egan Bernal. Sie haben auch starke Teams an ihrer Seite. Dazu zählt für mich auch Isaac Del Toro. Wenn die Lateinamerikaner zusammenarbeiten würden, dann wären die eine echte Streitmacht in diesem Rennen. Dazu kommen die Australier mit einem vielversprechenden Team, vor allem Jai Hindley und Jay Vine scheinen in Topform zu sein. Zusammenfassend: Der Topfavorit ist Evenepoel, dann kommen Pogacar, Del Toro und Pidcock. Die werden das Podium unter sich ausmachen. Ich sage, Gold geht an Evenepoel, Silber an Pidcock und Bronze an Pogacar.
Die Strecke ist extrem lang und höhenmeterreich. Was erwarten Sie für den Rennverlauf?
Voigt: Ich bin der Meinung, das Rennen ist entweder zu lang oder hat zu viele Höhenmeter. Beides zusammen ist zu viel. Es wird ein Ausscheidungsrennen geben, in dem nur wenige Fahrer das Ziel erreichen werden und ich befürchte, kein Fahrer vom afrikanischen Kontinent kann sich präsentieren und wird die Ziellinie sehen. Das muss meiner Meinung nach nicht sein. Am Ende kann nur noch einer von den ganz Großen gewinnen, der Rest "verhungert" unterwegs. Die Höhe ist auch kompliziert – es ist nicht sehr hoch, aber eben auch nicht im Flachland mit einer Höhe um 1500 Meter. Es erinnert tatsächlich an das Amstel Gold Race oder an den GP von Quebec. Es gibt viele Stellen, an denen sich das Rennen entscheiden kann. Ich denke, am meisten wird am Ende des Feldes passieren – weil Fahrer nicht mehr mitgehen können. Erst im Finale, wenn das Feld geschrumpft ist, werden wir die Attacken der großen Favoriten sehen.
Welche Chancen haben die deutschen Fahrer wie Georg Zimmermann und Felix Engelhardt?
Voigt: Die fünf Deutschen sind starke Fahrer und haben in ihren Teams wichtige Arbeit geleistet. Wenn alles perfekt läuft, könnte jemand ein Top-Ten-Ergebnis erreichen. Mehr wage ich nicht zu prognostizieren. Dafür müssten sie ein aktives Rennen fahren, idealerweise ab der Rennmitte in einer kleinen Gruppe vorne bleiben. Einen Medaillenkandidaten sehe ich derzeit nicht.
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Machtdemonstration! Evenepoel überholt Pogacar im Zeitfahren
Quelle: Eurosport
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T. PogacarBeendet
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