Bei Marco Odermatt menschelt's im Riesenslalom: "Das ist mir noch nie passiert"
VonThomas Gaber
Update 10/12/2024 um 09:43 GMT+1 Uhr
In den Speedrennen von Beaver Creek konnte Marco Odermatt mit Platz eins im Super-G und zwei in der Abfahrt erste Duftmarken in dieser Weltcupsaison setzen. Doch im Riesenslalom schied der Schweizer erneut aus - zum dritten Mal in Folge. Odermatt hat ein Problem in seiner Paradedisziplin und ging hinterher schonungslos mit sich selbst um. Immerhin: Odermatts Landsleute sprangen in die Bresche.
Odermatt scheitert im zweiten Lauf: Aus für Dominator
Quelle: Eurosport
1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1 - so lauteten die recht eintönigen Platzierungen in Weltcup-Riesenslalomrennen von Marco Odermatt zwischen März 2023 und März 2024.
Zwölf Siege feierte der Dominator aus der Schweiz in seiner Lieblingsdisziplin in Folge und kratzte am Rekord von Schwedens Skilegende Ingemar Stenmark, der in den 1970er Jahren 14 Riesentorläufe hintereinander gewinnen konnte.
Doch beim Weltcupfinale der letzten Saison in Saalbach-Hinterglemm riss die unheimliche Serie, als Odermatt in Führung liegend im zweiten Durchgang ausschied. Der Beginn einer ebenso unheimlichen Serie, denn Odermatt kam auch bei beiden Riesenslaloms in diesem Winter nicht ins Ziel: Aus in Sölden, Aus in Beaver Creek.
Am Sonntag hatte er schon im ersten Lauf Probleme, verlor sukzessive Zeit und belegte mit 1,26 Sekunden Rückstand Rang acht. Der Angriff im Finallauf dauerte dann nur acht Sekunden: Odermatt übersah eine Bodenwelle und rutschte bereits am vierten Tor weg.
Eurosport-Experte Dopfer: "Marco wird gestärkt zurückkommen"
"Ich weiß wirklich noch nicht, was bei meiner Fahrt war. Das ist mir noch nie so passiert", schilderte Odermatt hernach ratlos im "Schweizer Fernsehen. "Ich habe am Set-up etwas gewechselt, irgendwie musste ich auf der Fahrt dann kurz lösen und stehe schon nebendran. Fast peinlich", ergänzte er.
Drei Ausfälle in seiner Paradedisziplin in Folge, dazu "nur" Platz vier im Gesamtweltcup - auch "König Marco" ist nicht frei von Fehlern.
"Es ist für mich extrem überraschend, dass er erneut ausgefallen ist. Ich habe gedacht, er zaubert da jetzt einen runter. Aber er ist ein Mensch und wird gestärkt daraus zurückkommen", sagte Eurosport-Co-Kommentator Fritz Dopfer.
Hohe Ausfallquote: Odermatts Probleme mit dem Innenski
Doch woher kommt die ungewöhnlich hohe Ausfallquote? "ORF"-Kamerafahrer Joachim Puchner liefert einen Erklärungsansatz.
"Genau das, was Odermatt in den letzten Jahren nahezu unbesiegbar gemacht hat, ist ihm in den drei letzten Riesenslaloms zum Verhängnis geworden: Marco fährt extreme Innenlagen und in der Vergangenheit hat er sich in brenzligen Situationen oft über den Innenski retten können, aber zuletzt ist ihm das nicht mehr gelungen, nachdem sein Außenski 'weggeschmiert' ist", sagte der ehemalige Weltcupfahrer.
Odermatt ging hart mit sich selbst ins Gericht, vertraut aber generell seine Fähigkeiten: "Bei mir war es so schlecht, dass ich mich nicht ärgern muss. Es ist relativ einfach: Ich weiß, dass ich diese Rennen gewinnen kann, wenn ich gut Ski fahre. Und wenn ich schlecht fahre wie heute, gewinne ich sie nicht."
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Erster Sieg mit 35 Jahren: Tumler jubelt in Beaver Creek
Quelle: Eurosport
Murisier und Tumler sorgen für Schweizer Traum-Wochenende
Auch sein Trainer macht sich keine Sorgen. "Den kriegen wir schon wieder hin. Wir müssen ein paar Sachen durchdenken und überlegen. Aber die Form ist da", sagte Helmut Krug, der in drei Rennen drei Siege seiner Schützlinge bejubeln dürfte.
In der Abfahrt triumphierte Justin Murisier, im Super-G Odermatt und im Riesenslalom Thomas Tumler. Die drei sind miteinander befreundet und gönnen sich die Erfolge gegenseitig. Mit Murisier feierte Odermatt gemeinsam auf dem Podium, und auch für "den Tommy habe ich mich riesig gefreut", sagte er.
Neben dem Dominator der letzten drei Jahre tauchten in Beaver Creek plötzlich dessen Landsleute wie Phoenix aus der Asche auf. "Marco überblendet normalerweise alles. Keiner sieht, wie hart die anderen Tag für Tag arbeiten. Sie geben einfach nicht auf. Und wenn wir nur auf Marco setzen würden, würde das Team zerbrechen. Das will Marco auch nicht", so Krug.
1, 1, 1 - das Weltcup-Wochenende war bei den Männern trotz der bröckelnden Dominanz von Odermatt also wieder fest in Schweizer Hand.
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