Dominik Paris kontert Aleksander Aamodt Kilde in Sicherheitsdebatte: Geschwindigkeit ist kein Problem in Abfahrt

Dominik Paris hat sich mit einem ungewöhnlichen Einwurf in die laufende Sicherheitsdebatte im alpinen Skisport eingeschaltet. Der Schweizer "Blick" zitiert den Italiener mit deutlicher Kritik an der gegenwärtigen Stoßrichtung der Diskussion: "Die Verantwortlichen bei der FIS haben immer noch nicht verstanden, dass in den Speed-Disziplinen das Geradeausfahren das Ungefährlichste ist."

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Quelle: Eurosport

Stattdessen sieht er die Probleme an anderer Stelle: "In den meisten Fällen sind es die Kurven, welche den Abfahrern zum Verhängnis werden."
Der Diskurs um den Schutz der Athleten hatte nach den schweren Stürzen von Aleksander Aamodt Kilde in Wengen 2024 und Cyprien Sarrazin beim Training in Bormio im vergangenen Dezember sowie dem Tod von Paris' Teamkollege Matteo Franzoso bei der jüngsten Saisonvorbereitung in Chile neuen Schwung erhalten.
Der Weltverband FIS hat bereits erste Maßnahmen ergriffen: neben der Einführung schnittfester Unterwäsche und dem nun obligatorischen Tragen von Airbags wurde die Nutzung von Schienbeinschonern aus Karbon verboten.
Kilde, der nach fast zwei Jahren Zwangspause in der kommenden Saison wieder im Weltcup angreifen möchte, fand die Neuerungen im exklusiven Eurosport-Interview aber nicht weitreichend genug.

pARIS WIDERSPRICHT kILDE

"Vielleicht müssen wir am Fundamentalen ansetzen. Die Geschwindigkeit, die Netze, die Witterung. Wenn wir die Durchschnittsgeschwindigkeit etwas drosseln würden, würde das einen großen Unterschied machen", lautete seine Einschätzung.
Paris steht Kildes Vorschlag jedoch grundlegend entgegen und untermauerte seine Argumentation mit der Lauberhornabfahrt in Wengen: "Obwohl im Haneggschuss bereits Geschwindigkeiten über der 160 km/h-Marke gemessen wurden, habe ich in diesem Streckenabschnitt noch nie einen Sturz gesehen. In der Einfahrtkurve zum Haneggschuss hingegen schon."
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Quelle: Eurosport

Leichtfertig nimmt der Südtiroler das Thema Sicherheit aber nicht. Der Fall des verstorbenen Franzoso sei "auch mir sehr nahegegangen", versicherte Paris. Dennoch könne er "nicht nachvollziehen, dass diese Piste (La Parva in Chile, Anm. d. Red.) plötzlich viel zu gefährlich sein soll."
Seit rund 40 Jahren werde auf dem Kurs in den Anden trainiert, ohne dass es bis zu dem furchtbaren Unglück in diesem Jahr Probleme gegeben habe. Er "wäre nie auf die Idee gekommen, dass der Stelle, wo Matteo gestürzt ist, etwas derart Schreckliches geschehen könnte", merkte Paris an.

Paris: Stürze von Sarrazin und Kilde nicht vergleichbar

Insgesamt wird dem Super-G-Weltmeister von 2019 die Diskussion um mehr Sicherheit zu grundsätzlich geführt: Bauarbeiter würden immer wieder nach Stürzen von Gerüsten sterben, "aber deshalb wird nicht die ganze Baubranche infrage gestellt."
Ein Umstand ärgert den 36-Jährigen dabei besonders, nämlich "dass im Skisport alle Stürze in denselben Topf geworfen werden. In Wahrheit kann man beispielsweise die Ursachen von Cyprien Sarrazins Sturz in Bormio und dem Ziel-S-Crash von Alex Kilde in Wengen überhaupt nicht miteinander vergleichen."
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Quelle: Eurosport

In Bormio seien im letzten Jahr schwere Fehler bei der Präparation gemacht worden, befand der 24-malige Rennsieger: "Man hat die Stelvio nicht wie in den Jahren zuvor von oben nach unten mit Wasser präpariert; an gewissen Stellen wurde wenig bis gar nicht gewässert."
Diese Vorgehensweise habe "zu diesen unregelmässigen, gefährlichen Bedingungen geführt". Im Gegensatz dazu sei der Unfall Kilde vor rund anderthalb Jahren auf den damaligen Gesundheitszustand des Norwegers zurückzuführen. Der Top-Star sei "damals trotz einer Grippe an den Start der längsten Abfahrt der Welt gegangen", merkte Paris an.

Paris mit Vorschlag für Sicherheit

Einen Vorwurf will er seinem Konkurrenten dabei aber nicht machen. "Es ist ganz klar: Wenn ein Athlet auch nur eine Erfolgschance von einem Prozent sieht, versucht er, diese zu nutzen", hielt Paris fest und machte einen Vorschlag: "Deshalb darf man in einer solchen Situation die Entscheidung über die Rennteilnahme nicht dem Rennfahrer überlassen. Ein Arzt muss das letzte Wort haben."
Die Entscheidung dürfe dabei nicht beim Verbandsarzt, sondern einem unabhängigen Mediziner liegen, erklärte Paris. Vorbild könne der Motorsport sein: "In der Formel 1 und in der Moto-GP ist es schon lange so, dass der Arzt im offiziellen Medical Center sagt, wann ein Pilot nach einem Sturz oder einer Erkrankung zurück auf die Rennstrecke darf."
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Quelle: Red Bull Content Pool


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