Eurosport
Thomas Dreßen beendet Karriere in Kitzbühel: Letztes Rennen auf Streif für Ex-Sieger des Hahnenkamm-Rennens
Von
Publiziert 18/01/2024 um 15:56 GMT+1 Uhr
Überraschender Abschied: Thomas Dreßen hat vor den Rennen in Kitzbühel sein Karriereende verkündet - auf der legendären Streif will er aber noch ein Mal starten. Der Sieger von 2018 wird am Samstag seine letzte Abfahrt im Weltcup bestreiten und danach seine Laufbahn beenden. "Was gibt es Würdevolleres, als die Karriere in Kitzbühel zu beenden? Das will ich noch einmal genießen", sagte Dreßen.
Thomas Dreßen in Kitzbühel 2024
Fotocredit: Getty Images
Thomas Dreßen schluckte schwer, als er an der Stätte seines größten Triumphes das vorzeitige Ende seiner Karriere bekannt gab. "Es fällt mir schwer, dass ich Servus sagen muss, aber ich bin mit mir im Reinen", sagte der beste deutsche Abfahrer der Weltcup-Geschichte in einem Hotel in Kirchberg. Von demselbem Ort war er am frühen Morgen des 20. Januar 2018 als Außenseiter aufgebrochen, um wenige Stunden später als sensationeller Sieger auf der berühmten wie berüchtigten Streif im benachbarten Kitzbühel zurückzukehren.
Ein Rennen noch, dann ist Schluss: Am Samstag wird Dreßen bei der klassischen Hahnenkamm-Abfahrt seine Abschiedsfahrt bestreiten - vor 40.000 Zuschauern und auf den Tag genau sechs Jahre nach seinem großen Triumph. Nach dann 80 Starts, fünf Siegen und zahlreichen Top-Platzierungen schließt sich so ein Kreis - allerdings früher als erwartet, und anders als erhofft: Dreßen (30) hatte am vergangenen Wochenende in Wengen einsehen müssen, dass sein rechtes Knie, schwer beschädigt bei einem Sturz im November 2018, den Belastungen nicht nicht mehr standhalten kann.
"Natürlich gibt es auch ein Leben danach, und ich will mit meinen Kindern Sport treiben und sie aktiv erziehen", sagte Dreßen. Auf seinen Abschied freut er sich: "Was gibt es Würdevolleres, als die Karriere in Kitzbühel zu beenden? Das will ich noch einmal genießen."
Dass es zu Ende geht, das hatte Dreßen am Sonntagabend entschieden. Nach der Rückkehr aus Wengen, wo er während der Fahrt wegen der Probleme mit seinem Knie beinahe abgeschwungen hätte, verspürte es das "Bedürfnis, dass ich mir noch einmal die Fahrt von Kitzbühel 2018 anschaue". Dabei sei ihm klar geworden: "So, wie du da gefahren bist, das geht nicht mehr, das funktioniert nicht mehr." Sein Ziel sei immer gewesen, ganz vorne mitzufahren. "Fürs Nachgurken werde ich mein Gestell nicht opfern, das ist nicht mein Anspruch."
Stürze und Siege prägen Dreßens Karriere
Für den Deutschen Skiverband (DSV) ist Dreßens Rücktritt ein Tiefschlag in ohnehin schwierigen Zeiten. "Da hast du schon einen, der nach dem Sternenhimmel greifen kann, und dann so etwas. Es ist bitter, vor allem, weil er noch so jung ist. Es ist wie ein Fluch", sagte Alpinchef Wolfgang Maier dem "SID" und ergänzte: "Dabei bräuchten wir einen Leader wie den Tom."
Dreßen war ein großes Versprechen, seit er vor sechs Jahren auf der Streif gewann, doch schon ein paar Monate später geriet die Karriere erstmals aus der Bahn: Am 30. November 2018 stürzte Dreßen schwer in Beaver Creek – Kreuzbandriss, Totelschaden im rechten Knie, die Hüfte geschädigt.
Auf den Tag genau ein Jahr später die wundersame Auferstehung: Dritter Weltcup-Sieg beim Comeback in Lake Louise, bis Saisonende im März 2020 zwei weitere. Alles wieder gut? Nein.
Der Sturz von Beaver Creek blieb gegenwärtig bis heute, genau genommen seine Folgen. Zwischen März 2020 und November, also zweieinhalb Jahre lang, bestritt Dreßen mit Ausnahme der WM-Abfahrt 2021 (18.) kein Rennen. Erst bedurfte die Hüfte eines operativen Eingriffs, dann wiederholt am Knie. Schon als Dreßen vergangenen Winter wieder regelmäßig starten wollte, spielte der Körper oft nicht mit. Gut fuhr er, trotz Krankheit und Knieschmerzen, nur bei der WM: Rang zehn in der Abfahrt, nur 0,26 Sekunden weg von Bronze.
Die Geburt seiner Tochter im Juni habe ihm "einen Schub", gegeben, berichtete der Olympiafünfte von 2018 stolz, und ja, betonte er mehrfach, "ich freue mich auf die neue Saison". Fragen nach der körperlichen Verfassung beantwortete er mit dem Vergleich, er müsse mittlerweile gepflegt werden wie ein "Oldtimer" oder "wie ein Formel-1-Auto" – also gewissenhaft bis zur letzten Schraube.
Den laufenden Winter hatte Dreßen noch mit großem Optimismus begonnen, spätestens am vergangenen Wochenende beim Weltcup in Wengen aber schien ihm klar zu sein, dass die erhoffte Rückkehr an die Weltspitze nicht mehr gelingen würde. Unter Tränen hatte er dort gesagt: "Man haut sich voll rein, und ich probiere wirklich alles. Aber es ist bitter, wenn halt einfach der Körper nicht mehr mitspielt."
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/01/13/3860860-78450133-2560-1440.jpg)
"Richtig brutal": Verzweifelter Dreßen fährt aufrecht ins Ziel
Quelle: Eurosport
Das könnte Dich auch interessieren: Jetzt spricht Kilde: "So einen Schmerz noch nie zuvor erlebt"
Werbung
Werbung