Ein Triumph in der Abfahrt von Kitzbühel fehlt ihm noch: Warum Marco Odermatt erneut um die Königskrone bangen muss
Update 22/01/2026 um 14:10 GMT+1 Uhr
Marco Odermatt dominiert den alpinen Ski-Zirkus seit Jahren wie kein anderer. Doch der Sieg auf der bedeutendsten Piste fehlt ihm noch: Noch nie hat der Schweizer die Abfahrt auf der legendären Streif gewonnen. Für den 28-Jährigen wird es Zeit, doch ausgerechnet jetzt zeigt ein anderer all sein Können: Giovanni Franzoni schöpft aus der Trauer um seinen verunglückten Teamkollegen unerwartete Kraft.
Odermatt testet die Streif: Superstar zeigt Klasse in Kitzbühel
Quelle: Eurosport
Marco Odermatt liebt das Spektakel. Zuletzt genoss er es bei der Lauberhornabfahrt in Wengen, als tausende Schweizer Fans ihren Landsmann zum Sieg bei der längsten Abfahrt des Weltcups mit Odi, Odi-Rufen brüllten.
"THIS IS MY HOUSE!", ist Odermatts unverkennbarer Ausruf, nachdem er die Konkurrenz in seinem Wohnzimmer in Wengen in die Schranken gewiesen hatte.
Am Samstag steht die Abfahrt in Kitzbühel (ab 11:30 Uhr im Liveticker) an. Das Rennen, auf das der Popstar der Ski-Szene wohl am meisten schielt. Der berühmt berüchtigte Hahnenkamm ist bisher nicht "sein Haus".
Odermatt konnte noch nie gewinnen, ausgerechnet hier, beim größten Spektakel von allen. Und ausgerechnet jetzt zeigt sich ein anderer in absoluter Topform. Bleibt König "Odi" auch nach der Abfahrt am Samstag ohne Krone?
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Odermatt: "Das größte Rennen in unserer Sportart"
52 Weltcup-Siege hat der 28-Jährige zu Buche stehen. Er ist viermaliger Gesamtweltcupsieger, dreifacher Weltmeister, Olympiasieger. Allein in dieser Saison gewann der sympathische Eidgenosse bereits sieben Rennen und hat so im Duell um die große Kristallkugel einen fast uneinholbaren Vorsprung herausgefahren.
Der Schweizer ist ein Allrounder, fährt in Riesenslalom, Super-G und Abfahrt fast gleichermaßen stark. Zu den Olympischen Spielen nach Mailand und Cortina fährt er als haushoher Favorit, doch der in manchen Augen noch größere Triumph wartet schon jetzt auf ihn in Kitzbühel.
Den Super-G hat er dort im Vorjahr erstmals gewonnen, der Mythos im Mekka des Skisports aber rankt sich um die Abfahrt. "Es ist das größte Rennen in unserer Sportart. Dieses zu gewinnen gehört dazu, wenn man einer der besten Skifahrer sein will", sagte Odermatt bei einer Medienrunde.
"Entsprechend bleibt es das große Ziel, diese Abfahrt einmal zu gewinnen - am liebsten natürlich schon dieses Jahr." Damit hätte der Schweizer schon vor Olympia alle großen Ziele erreicht.
Franzoni fährt für seinen verstorbenen Freund
Wäre da nicht Giovanni Franzoni: Der Italiener war es nämlich, der sich in beiden Trainings in Kitzbühel souverän die Bestzeit schnappte und schon jetzt von der Hahnenkamm-Abfahrt als einer seiner Lieblingsabfahrten spricht.
In Gröden fuhr der 24-Jährige im Dezember spektakulär auf Rang drei - und machte erstmals auf sich aufmerksam. In Wengen machte er genauso weiter: Zweimal Trainingsbestzeit, Platz eins im Super-G, Platz drei in der Abfahrt.
Sein Zimmer- und Teamkollege Matteo Franzoso war im September beim Training in Chile ums Leben gekommen. Franzoni münzt die Trauer in Energie um: "Ich werde für den Rest meines Lebens für ihn fahren. Wir machen das hier gemeinsam."
Technisch anspruchsvolle Strecken, wie eben die Abfahrt auf der berühmt berüchtigten Streif, liegen Franzoni. "Aktuell fahre ich sehr gut und sauber und habe ein großes Selbstvertrauen. Ich bin sehr zuversichtlich für das Wochenende", gab sich der Italiener selbstbewusst.
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Marco Odermatt (l.) und Giovanni Franzoni (re.) gemeinsam auf dem Podest in Gröden.
Fotocredit: Getty Images
Franzoni eine Sarrazin-Kopie von vor zwei Jahren?
Odermatt jedenfalls ist beeindruckt vom aufstrebenden Italiener: "Er fährt einfach unglaublich gut Ski, kommt wie ich vom Riesenslalom. Ich glaube, in Zukunft braucht es diese Riesenslalom-Technik, um im Abfahrtssport ganz vorne zu sein."
Die Konstellation erinnert ein wenig an die vor zwei Jahren, als Cyprien Sarrazin Odermatt beide Abfahrtssiege auf der Streif vor der Nase weggeschnappt hatte. Auch er war vor seinen Abfahrtscoups ein ausgesprochener Riesenslalom-Spezialist.
Der Franzose aus Haute-Alpes galt als neuer, großer Odermatt-Konkurrent, stürzte dann aber in Bormio im Dezember 2024 so schwer, dass er ins künstliche Koma versetzt wurde und ihm Teile seiner Schädeldecke abgenommen werden mussten. Noch ist er nicht zurück im Weltcup.
Dafür macht nun Giovanni Franzoni dem jahrelangen Dominator das Leben schwer. Ob ihm nach dem Triumph beim Super-G in Wengen auch der große Wurf auf der Streif gelingen wird, steht in den Sternen. Eines aber steht schon jetzt fest: Ein Spektakel wird das Hahnenkamm-Wochenende in jedem Fall!
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